Zwei Fragen an: Charlotte Roche & David Wnendt

Erstellt am 9. September 2013 von Denis Sasse @filmtogo

Seit dem 22. August ist Schauspielerin Carla Juri in „Feuchtgebiete“, der Verfilmung des Romans von Charlotte Roche in den Kinosälen Deutschlands zu sehen. Und auch hier geschieht, was manchem Buch widerfahren sein dürfte: So wie die Blätter aus Papier zur Seite gelegt wurden, da die darauf stehenden Worte offenbar zu sehr die Fantasie der Leserschaft beflügelten, so spielte sich schon in manchem Kino eine Szene ab, in der ein empörter Gast gar nicht erst auf die Empfehlung hören wollte, sich David Wnendts Film anzusehen, weil „Feuchtgebiete“ natürlich niveaulos sei. Dass das aber gar nicht der Fall ist, das hat filmtogo.net bereits in der hauseigenen Rezension geklärt.

Nun wurde filmtogo.net sowie vier weiteren Filmblogs bereits vor dem Kinostart das Angebot unterbreitet, via eMail Fragen an Charlotte Roche, David Wnendt und Carla Juri zu schicken. Jeweils eine pro Filmschreiberling, was sich dann in gegenseitigen Verlinkungen summieren sollte. Zwar ist die Hauptdarstellerin kurzfristig noch abgesprungen, doch sowohl filmtogo.net als auch die Kollegen von Cellurizon.de, Wewantmedia.de, Myofb.de und Cinemaforever.blog.de haben nun nach langer Wartezeit – getreu dem Motto: „Gut Ding will Weile haben“ – ihre Antworten erhalten. Untenstehend nun also das Frage & Antwort-Spiel seitens filmtogo.net mit Charlotte Roche und David Wnendt. Gleich darunter die jeweiligen Links zu den Partnerblogs, auf denen ihr die anderen Fragen und natürlich auch Antworten findet.

filmtogo.net fragt Charlotte Roche:
Hast du dir damals beim Schreiben des Buches das Ganze schon so bildlich vorstellen können, dass es in deinem Kopf quasi schon ein Film war?

Beim Schreiben nicht. Da habe ich mir nur manchmal gedacht: „Oh mein Gott, wenn das veröffentlicht wird.“ Ich kam mir sehr mutig vor. Die Gedanken und das Lachen darüber, dass daraus ein Film werden könnte, kamen erst auf der Lesetour. Ich habe eine Stunde vorgelesen und eine Stunde Fragen beantwortet. Dazu gehörte auch ein Sketch mit dem ich mir ausgemalt habe, wie das Casting für den Film aussehen würde. Alle Schauspielerinnen würden da dann nackt und vornübergebeugt in einer Reihe stehen, weil es ja ein Poloch-Casting geben müsste. Das schönste Poloch bekommt die Rolle. Daran sieht man, dass ich keine Ahnung vom Filmemachen habe. Ich habe mir den Film auch insgesamt viel ekliger vorgestellt und hatte sowieso keine Ahnung, wie sie das überhaupt hätten machen wollen. 80 Prozent in einem Krankenzimmer und die ganze Zeit ein riesiges entzündetes Poloch auf großer Leinwand? Das ist kein guter Film. Auf Dauer langweilig.

filmtogo.net fragt David Wnendt:
In „Kriegerin“ hast du bereits mit einer starken weiblichen Figur gearbeitet, jetzt in Feuchtgebiete wieder. Magst du solche Protagonistinnen oder ist das eher Zufall?

Starke Frauenfiguren finde ich spannend – keine Frage. Aber ich bin jetzt nicht darauf spezialisiert. In meinen ersten Kurzfilmen gibt es eigentlich immer eine männliche Hauptfigur. Ich plane jetzt auch nicht unbedingt im nächsten Film wieder eine Frau ins Zentrum zu rücken. Wenn mir allerdings ein guter Stoff angeboten wird, in dem das so ist, schließe ich es aber auch nicht aus.

Weitere Anworten von Charlotte Roche findet ihr hier…

Du bezeichnest das Buch ja in weiten Teilen als autobiographisch, gab es da Überlegungen, selbst die Hauptrolle im Film zu übernehmen und (abgesehen vom mal ganz uncharmant erwähnten Altersunterschied zur Protagonistin) was hat dagegen gesprochen? [Antwort auf Cellurizon.de]

Waren Sie überrascht vom unglaublichen Erfolg des Romans, oder hatten Sie durch die (bewusste/gezielte?) inhaltliche Provokation schon damit gerechnet? [Antwort auf Wewantmedia.de]

Wie zufrieden sind Sie mit der Besetzung von Carla Juri und erkennen Sie sich in ihrer Darstellung der Helen Memel wieder? [Antwort auf Myofb.de]

Inwieweit konntest du Einfluss auf den Entstehungsprozess von "Feuchtgebiete" nehmen und warst du vielleicht mal im Gespräch, selbst die Rolle der Helen zu verkörpern? [Antwort auf Cinemaforever.blog.de]

Weitere Anworten von David Wnendt findet ihr hier…

Dem Buch haftete ja seinerzeit der „Skandal“-Begriff an. Wirkt sich das als Regisseur auf die Wahrnehmung des Stoffes aus? Wie bewusst ist man sich des möglichen Tabubruchs oder geht es einfach darum, der literarischen Quelle gerecht zu werden und nicht ihren Ruf zu bedienen? [Antwort auf Cellurizon.de]

Was reizte Sie nach der sehr ernsten, vielschichtigen Handlung von „Kriegerin“ an der Thematik des inhaltlich völlig anderen Projekts „Feuchtgebiete“? [Antwort auf Wewantmedia.de]

Wie eng haben sie während der Dreharbeiten den Kontakt zu Autorin Charlotte Roche gehalten? [Antwort auf Myofb.de]

Mit “Kriegerin” und “Feuchtgebiete” hast du bisher zwei Filme komplett unterschiedlicher Genres abgeliefert. Wirst du auch in Zukunft keinem Genre treu bleiben und können wir vielleicht bald mal einen Horrorfilm von dir erwarten? [Antwort auf Cinemaforever.blog.de]

Weiterführende Links
Offizielle Homepage zum Film
Facebook-Seite zu “Feuchtgebiete”

Bild © Nicolas Kantor / Majestic