Zur Lage des Bolonka Zwetna

Von Petwatch

Ein Gastbeitrag von Carmen Engi
Bolonka-Zwetna-Züchter schießen wie Pilze aus dem Boden, ohne Ahnung von der Materie "Zucht" zu haben. Zuchtethik ist ein Fremdwort.
Auf Kleinanzeigenplattformen, wie z. B. DHD, tummeln sich Händler und Vermehrer, die Bolonkamixe oder bolonkaähnliche Welpen zu Dumpingpreisen anbieten. Hunde, die aus dem Ausland geholt werden, sind keine Seltenheit. Oftmals sind diese Tiere krank und in unserem Forum erfahren wir dann von den Schicksalen bzw. den Hintergründen. Welpen werden aus Mitleid gekauft, sozusagen gerettet, ohne dass man sich Gedanken darüber macht, dass man damit den Hundehandel unterstützt. Der Bolonka Zwetna ist noch keine in sich gefestigte Rasse, doch trotzdem wird schon munter gemixt und diese "Raritäten" dann für viel Geld verkauft.

Bolonka Zwetna Foto: Roland Altmann

Wie erklärt man einem Welpeninteressenten, dass der reguläre Preis für einen Welpen mit Papieren um die € 1.000,-- liegt, wenn im Internet massenhaft Welpen für weniger als die Hälfte angeboten werden? Den Spruch "Papiere brauche ich nicht, ich möchte einen Hund zum Knuddeln, die liegen sowieso nur im Schrank" hören wir so oft. Am Ende zählt der Euro. Wir versuchen, seriösen Züchtern eine Plattform zu bieten, damit Welpeninteressenten es einfacher haben, die Spreu vom Weizen zu trennen. Allerdings ist es leider auch so, dass es unter den Züchtern schwarze Schafe gibt. Wir sind da sehr streitbar und versuchen, diese herauszufiltern.
Der Bolonka mutiert zum Modehund, leider ist der Genpool relativ überschaubar. Inzucht, Inzestzucht und Linienzucht wurde und wird betrieben, Erbkrankheiten tauchen auf, die wohl damit im Zusammenhang stehen. Wir haben das in unserem Forum thematisiert; die Halterin eines schwer erkrankten Hundes ist Forumsmitglied und hat uns die Genehmigung gegeben, Fotos zu verwenden. Der "Dortmunder Appell" hat ebenfalls ihre Geschichte abgedruckt.
Unser Forum existiert seit drei Jahren, vor einem Monat sind wir nun mit dem Bolonka-Portal online gegangen, welches stetig ausgebaut wird. Wir versuchen darüber Welpeninteressenten zu erreichen, zu vermitteln, auf was VOR dem Welpenkauf zu achten ist. Wir sprechen Themen wie PL, Autoimmunerkrankungen usw. an, stellen Wurfmeldungen von in Vereinen organisierten Züchtern ein und hoffen, dass wir damit zumindest einigen Händlern und Vermehrern das Leben schwer machen und deren Absatz zurückgeht.

Bolonka Zwetna Foto: Roland Altmann

Der Bolonka Zwetna wird in der Dissidenz gezüchtet, da er vom VDH noch nicht anerkannt ist. Somit sind Züchter in diversen Vereinen organisiert. Leider ist es so, dass es in der Vergangenheit einige Deckrüden gab, die hoch frequentiert waren. Ein Deckrüde z. B. hat um die 600 Nachkommen produziert, von denen auch wieder jeweils Massen in die Zucht gegangen sind. Darüber berichten wir und versuchen, auch die Züchter zu sensibilisieren. Sie haben es in der Hand, welchen Deckrüden sie für ihre Hündin auswählen.
Wir haben folgendes vorgeschlagen:
Wäre es denn nicht möglich, dass der Verein, der die AT´s für die Welpen ausstellt, automatisch dem Verein, dem der Deckrüdenbesitzer angeschlossen ist, mitteilt, dass der Rüde gedeckt hat und Vater von X Welpen wurde? So hätte der "Deckrüdenverein" eine Übersicht der erfolgten Deckakte pro Jahr und könnte diese statistisch festhalten und auswerten. Und JEDER Verein müsste eine Begrenzung der Deckakte pro Rüden in seiner Zuchtordnung stehen haben.
Freiwillige Selbstkontrolle gut und schön, aber ob sich alle daran halten? Und letztlich wäre es dann wieder so, dass jeder Züchter in seinem stillen Kämmerlein das tut, was er für gut und richtig hält und im Sinne der Gesunderhaltung einer Rasse sollten alle Züchter an einem Strang ziehen und nötige Konsequenzen und seien diese eine feste Vorgabe der jeweiligen Vereine, akzeptieren!

Bolonka Zwetna und Rhodesian Ridgeback Foto: Roland Altmann

Unser Forum ist vereinsunabhängig und steht nicht unter der Leitung von Züchtern. Somit ist einseitige Information ausgeschlossen. Es ist noch ein langer Weg, aber es lohnt sich. Wir sind übrigens keine Züchter, sondern reine Liebhaber, haben einen Bolonka-Zwetna und einen Rhodesian Ridgeback und sind damit glücklich. Schön ist es, wenn man liest, dass wieder jemand Abstand vom Kauf eines Billigwelpen genommen hat. Dafür lohnt sich die Arbeit.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick geben und bedanke mich für Ihr positives Feedback. Sollten sie noch Fragen haben, werde ich gerne versuchen, diese zu beantworten.