Zum Tod von Tony Scott – Ein Karriererückblick

Zum Tod von Tony Scott – Ein Karriererückblick

Tony Scott bei den Dreharbeiten zu “Der Staatsfeind Nr. 1″

Der britische Filmemacher Tony Scott, jüngerer Bruder von „Prometheus“-Regisseur Ridley Scott, mit dem zusammen er Fernsehserie wie „Numb3rs“ und „The Good Wife“ produzierte, sprang am vergangenen Sonntag, den 19. August 2012 in seinen Tod. Wie die Gerichtsmediziner später bestätigten, handelte es sich um Selbstmord. Scott, zu dessen bekanntesten Filmen „Top Gun“ und „Tage des Donners“ zählen, beide mit Tom Cruise als Hauptdarsteller, hatte gerade noch mit seinem Bruder die Produktion „Coma“ abgeschlossen, ein vierstündiger Thriller, angesiedelt im Mediziner-Milieu, welcher im September auf dem Sender A&E als TV-Special ausgestrahlt werden soll.

Der 68 Jahre alte Tony Scott sprang von der Vincent Thomas Bridge, die den Ort San Pedro mit Terminal Island verbindet. Die Brücke selbst war oftmals ein Schauplatz verschiedenster Spielfilme: Hier fand eine Verfolgungsjagd in dem Nicolas Cage und Angelina Jolie Film „Nur noch 60 Sekunden“ statt, ein Face-Off zwischen Cameron Diaz und Crispin Glover in „3 Engel für Charlie“ und ebenfalls Szenen in „Leben und Sterben in L. A.“ sowie „Shelter“.

Scott hatte seinen Wagen auf der Brücke geparkt und war laut Zeugenaussagen ohne zu zögern gesprungen. Bei der Untersuchung seines Wagens entdeckte man Kontaktinformationen zu seiner Frau, später fand man eine Selbstmordnachricht in seinem Büro, dessen Inhalt jedoch nicht veröffentlicht wurde. Es wurde inzwischen jedoch bestätigt, dass bei dem Regisseur ein inoperabler Gehirntumor diagnostiziert wurde. Man nimmt an, dass diese Nachricht Auslöser für den Selbstmord war. Tony Scott hinterlässt seine Ehefrau Donna Scott sowie zwei Söhne.

Tony Scott begann seine Karriere als Spielfilm-Regisseur mit „Begierde“ („The Hunger“) im Jahr 1983. Hierbei handelt es sich um die Geschichte einer Ménage à trois zwischen Susan Sarandon, die Dr. Sarah Roberts spielt, eine auf Schlaf und den Alterungsprozess spezialisierte Ärztin, die Bekanntschaft mit einem Vampir-Pärchen macht (Catherine Deneuve und David Bowie). Der Film ist eine lose Adaption des 1981er Romans „The Hunger“ von Whitley Strieber. David Bowie war damals sehr stolz darauf, an dem Film mitwirken zu dürfen, äußerte aber auch seine Bedenken über das fertige Produkt, da es seiner Meinung nach geradezu pervers blutig zugehen würde. Bei den Kritikern genoss der Film dann kein sonderlich hohes Ansehen, man sprach zwar von einer spannenden Atmosphäre und beeindruckenden Bildern, aber ansonsten von einer eher langweiligen Geschichte, die nichts zu erzählen hätte. Das hinderte Scott jedoch nicht daran, noch viele weitere Filme zu machen.

Es folgte 1986 der vielleicht erfolgreichste und am meisten gesehene Film Tony Scotts: „Top Gun“ mit Tom Cruise, der zuvor noch „Legende“ mit Ridley Scott gedreht hatte. Das Drehbuch zu „Top Gun“ basierte auf einem Artikel aus dem California Magazine, welcher von Ehud Yonay geschrieben wurde und den ähnlichen Titel „Top Guns“ trug. Der Film spielte bei einem Produktionsbudget von 15 Millionen US-Dollar an den Kinokassen weltweit 353.8 Millionen US-Dollar wieder ein und war dementsprechend ein enormer finanzieller Erfolg, der auch dafür sorgte, dass Tom Cruise hier seinen Karriereschub erhielt. 1991 wurde „Top Gun“ die Ehre zu Teil, dass der Film mit „Hot Shots“ eine würdige Persiflage erhielt – womit die Verankerung in der Filmhistorie bestätigt wurde. Vier Jahre später drehte Tony Scott erneut mit Tom Cruise. Dieser hatte inzwischen mit Martin Scorsese („Die Farbe des Geldes“), Barry Levinson („Rain Man“) und Oliver Stone („Geboren am 4. Juli“) gedreht, kehrte aber für „Tage des Donners“ zu Scotts Regiekünsten zurück. In dem Film spielt Cruise den jungen Rennfahrer Cole Trickle, der sich in Dr. Claire Lewicki verliebt, gespielt von Nicole Kidman. Tony Scott legte somit den Grundstein für das erste filmische Aufeinandertreffen von Tom Cruise und Nicole Kidman, was in „In einem fernen Land“ und „Eyes Wide Shut“ fortgesetzt wurde.

Zum Tod von Tony Scott – Ein Karriererückblick

Tony Scott (rechts) mit Tom Cruise (links) beim Dreh zu “Tage des Donners”

In seinen frühen Jahren versuchte Scott sich aber auch an den damals beliebten Cop-Comedys. Sowohl der Buddy-Cop-Film „Last Boy Scout“ mit Bruce Willis und Damon Wayans als auch der zweite Teil der „Beverly Hills Cop“-Reihe mit Eddie Murphy stammen von Tony Scott. Obwohl „Last Boy Scout“ kein großer Erfolg an den Kinokassen war, wofür der Release dieses recht brutalen Actionfilms zur Weihnachtszeit verantwortlich gemacht wurde, half er doch der Karriere von Bruce Willis aus dem Loch, in welches der Schauspieler durch den noch schwächeren „Hudson Hawk“ gefallen war. Mit „Beverly Hills Cop II“ übernahm Tony Scott derweil die Regie von Martin Brest („Gigli“, „Rendezvous mit Joe Black“), der noch den ersten Teil inszeniert hatte. Indirekt hat Tony Scott es Hauptdarsteller Eddie Murphy zu verdanken, dass er hier Regie führen durfte. Ursprünglich planten Paramount Pictures eine Fernsehserie basierend auf dem ersten Film zu drehen, aber Murphy weigerte sich im Fernsehen aufzutreten, willigte dafür ein, ein Sequel zu drehen. Basierend auf dem Erfolg von „Top Gun“ engagierten die Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer nun Scott, der laut Drehbuch den Film in London und Paris drehen sollte. Aber erneut intervenierte Eddie Murphy, der nicht im Ausland drehen wollte, womit „Beverly Hills Cop II“ in den USA realisiert wurde. Ein Wunder, dass der Film überhaupt zu Stande kam, bedenkt man das Diva-Verhalten von Murphy, der sich so etwas damals jedoch noch erlauben konnte.

Mit „True Romance“ folgte 1993 ein Film, für den ein gewisser Quentin Tarantino, damals allenfalls durch sein Debüt „Reservoir Dogs“ bekannt, das Drehbuch zu verantworten hatte. In dem Film spielen Christian Slater und Patricia Arquette das junge Pärchen Clarence Worley und Alabama Whitman, die durch Zufall an eine Ladung Rauschgift gelangen und es daraufhin verkaufen möchten. Dabei werden sie jedoch sowohl von der Polizei als auch von der Mafia verfolgt. Hierfür erhielt Scott, nicht zuletzt allerdings aufgrund Tarantinos hervorragender Drehbuchgrundlage, reichlich Lob für eine lustige und zugleich äußerst brutale Story. Phil Villarreal vom Arizona Daily Star nannte den Film einen der dynamischsten Actionfilme der 1990er Jahre. Obwohl auch die Kritiken im Rolling Stone Magazine oder der New York Times durchaus positiv ausfielen, war der Film ein finanzieller Misserfolg, der weniger als seine Produktionskosten einspielte.

Zum Tod von Tony Scott – Ein Karriererückblick

Tony Scott (rechts) mit Denzel Washington (links) bei den Dreharbeiten zu “Crimson Tide”

Fünfmal arbeitete Tony Scott mit dem Schauspieler Denzel Washington zusammen, womit dieser sich zum meist genutzten Darsteller für Tony Scott-Filme hat machen lassen. In „Crimson Tide“ (1995) spielt Washington den ersten Offizier eines Atom U-Boots, der in einen Konflikt mit dem Captain (Gene Hackman) gerät, der einen Atomkrieg befürworten würde. In dem 2004er Film „Mann unter Feuer“ ist Denzel Washington als ehemaliger CIA Agent zu sehen, der nun als Bodyguard aktiv ist. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman, der von A. J. Quinnell 1980 veröffentlicht wurde. 2006 folgt „Déjà Vu“, wo Washington einen Mann spielt, der in der Zeit zurück reist um eine Terroristenattacke in New Orleans zu verhindern um hierdurch die Frau zu retten, in die er sich verliebt hat. Drei Jahre später übernahm er dann eine Rolle in dem Remake „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“, basierend auf dem gleichnamigen Film des Jahres 1974. Washington übernimmt dabei die Rolle des Walter Garber (während im Originalfilm Walter Matthau als Zachary Garber zu sehen war), der sich mit John Travolta konfrontiert sieht, der eine U-Bahn entführt und für die Insassen ein Lösegeld fordert. Tony Scotts letzter Film, ebenfalls mit Denzel Washington, war „Unstoppable“, in dem erneut ein Zug eine Rolle spielte. Ein Güterzug, der mit giftigen Chemikalien beladen ist und hierdurch einer Bombe gleicht, setzt sich ohne Mann am Steuer in Bewegung. Washington stellt sich als Lokomotivführer Frank Barnes gemeinsam mit seinem neuen, jungen Kollegen Will Colson (Chris Pine) dem unaufhaltsamen Zug entgegen.

Damit ist die Filmografie von Tony Scott aber noch lange nicht erschöpft. Zu seinen weiteren Produktionen gehören „Revenge“ (1990) mit Kevin Costner und Anthony Quinn, „Der Fan“ (1996) mit Wesley Snipes und Robert De Niro, „Der Staatsfeind Nr. 1“ mit Will Smith und Gene Hackman, „Spy Game“ (2001) mit Robert Redford und Brad Pitt sowie „Domino“ (2005) mit Keira Knightley und Mickey Rourke.

Neben seinen Regiearbeiten fürs Kino inszenierte der am 21. Juni 1944 in North Shields, Northumberland in England geborene Scott einzelne Episoden der Fernsehserien „Nouvelles de Henry James“ (Episode: „L’auteur de Beltraffio“, 1976), „The Hunger“ Episoden: „The Swords“, 1997 und „Sanctuary“, 1999) sowie „Numb3rs“ (Episode: „True Metric”, 2007). In seiner Karriere hat er zudem vier Kurzfilme („Loving Memory“, „One of the Missing“, „The Hire: Beat the Devil“ und „Agent Orange“) und mehrere Fernsehwerbespots gedreht, darunter für Telecom Italia mit Marlon Brando und Woody Allen, „One Man, One Land“ für Marlboro oder „Ice Soldier“ für die US Army.

Aber er war auch ein Schauspieler. Zumindest im zarten Alter von 16 Jahren. TheSpace.org haben einen Film Online zur Verfügung gestellt, der in den Archiven des British Film Institute liegt und von Scotts Bruder Ridley Scott gedreht wurde. Unter dem Titel „Boy and Bicycle“ entstand der Film 1962 auf einer 16mm Bolex und wurde in der Postproduktion vom BFI (British Film Institute) unterstützt.


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