Zukunft und die Lichter - Vergiss, was gestern war!

Zukunft und die Lichter - Vergiss, was gestern war!

Songwriterpop mit deutschen Texten? Klar es gibt Element of Crime und zahllose großartige Songs aus den alten Zeiten von Keimzeit. Und auch die „Sterne“ haben ihre Fans“. Und genau die sollten dem Berliner Trio Zukunft und die Lichter und ihrem dritten Album „Vergiss, was gestern war!“ ihr Ohr leihen.

Ich kann durchaus verstehen, wenn Musiker die deutsche Sprache als oft zu spröde für englisch geprägte Popmusik ansehen. Wenn man konsequent ist, dann kann deutscher Pop eben nicht klingen wie Lieder von den Kinks oder von Madness. Oder wenn man auf die andere Seite des Atlantiks blickt wie die Beach Boys oder etwa die Jayhawks. Die Beispiele, wo Rock/Pop und die deutsche Sprache wirklich blind zusammenpassen, sind für mich rar: Songs von Rio Reiser und Stoppok natürlich, frühe Sachen von Udo oder Nina Hagen, Fehlfarben oder Trio. Und dann sind da natürlich immer die großartigen Träumereien von Element of Crime oder Keimzeit. Alles andere steht in der Gefahr, zu sehr Schlager zu sein oder zu sehr problemlastiger Liedermacher.
Dass sich ein Album in ganz genau dieser riesigen Spannbreite bewegen kann, hätte ich nicht geglaubt. Zukunft, mit Vornamen Sebastian und seine zwei Mitstreiter bei den Lichtern (Ingo Geishecker - b, Martin Wahl - dr) klingen abwechselnd nach Hamburger Diskurspop, Hommage an Rio oder die Scherben und in ihren besten Momenten wie böse gewordene Keimzeitfans. Das klignt zwiespältig - und genau so ist es gemeint. Manchmal rumpeln die Songs für mich viel zu gewollt dahin, um wirklich Magie zu entwickeln. „Parallele Wirklichkeiten“ etwa ist einfach zu sehr Liedermacher als Folkrock. Und die Reime holpern der Botschaft hinterher, die das Lied stolzgeschwellt vor sich herträgt. (Wer Fan der „Hamburger Schule“ und mindestens 20 Jahre jünger ist als meine Wenigkeit, wird das vielleicht anders sehen.) Doch dann gibt es Momente, wo man einfach mit offenem Mund dasitzt und sich über gelungene Sachen freut, die man gerne selbst geschrieben hätte. Etwa das fantastisch-böse „Und den Schminktisch nimmst du mit!“ oder auch „Zu spät für uns zwei“.

Auf den Punkt gebracht: Je böser Zukunft und die Lichter auf ihrem Album daherkommen, desto besser werden ihre Songs. Für die traumhafte Leichtigkeit von Element of Crime fehlen ihnen mindestens noch fünf Jahre. Und ein ausgeprägterer Sinn für Ironie. Oder ist eine solche Haltung für einen Diskurspopper ein Exmatrikulationsgrund aus den diversen Schulen? (Timezone)


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