Zu zweit in Paris

Von Berlinerbande @berlinerbande

Ich hatte die Idee ziemlich schnell im Kopf: wenn der ganze Trubel rum, die Beisetzung und der Umzug geschafft sind, fahre ich mit meiner Tochter ein paar Tage weg. Und irgendwann war es dann auch endlich so weit: ich fragte sie nur, wo sie gerne hin möchte und ihre durchaus obermegaspontane Antwort war: „Paris!“. Nun gut – ihr Wunsch war mein Befehl und ich hab uns 2,5 Tage Paris gebucht.

Allerdings war die Reaktion, als ich sie darüber informierte auch witzig: „Cool!“ und dann kurze Zeit später: „Wie, wir fliegen?“. Dazu sei gesagt, dass Michelle noch nicht in den Genuß gekommen ist und daher eine „leichte“ Angst verspürte. Aber nun war es zu spät!

Es geht los!

Und daher sind wir Montag morgen 4:30 Uhr mit dem Taxi Richtung Flughafen gedüst und danach gab es kein Halten mehr. Wir zu zweit mit leuchtenden Augen beim bewundern der Natur auf dem Weg nach Paris. Dafür, dass es Michelle´s erster Flug war, hielt sie sich wirklich tapfer. War ja auch jede Menge Tolles zu sehen und die restliche Flugzeit verschlang die Aufregung.

Und nach knapp 2 Stunden landeten wir in der französischen Hauptstadt und wußten nicht wohin und wie Stimmt nicht ganz: die Anschrift vom Hotel hatte ich schon und auch die Fahrverbindung. Aber irgendwie war bei den ganzen Bussen nicht die Linie dabei, die wir brauchten. Doch zum Glück hatte Michelle im Flughafen aufgepaßt und sie entdeckte den Hinweis, dass da irgendwo noch eine Bahn fährt. Die haben wir dann auch ziemlich easy gefunden. Und auch ein Ticketautomat, der unsere Wunsch-2-Tagestickets (Paris Visite) herausrückte. Ein bisschen Recherche vorab war auch hier hilfreich: auf die Tickets müssen nämlich noch ein paar Daten eingetragen werden und durch mein erworbenes Insiderwissen hatte ich sogar einen Stift dabei.

Großstadtgewusel

Beim Umsteigen wurde es dann aber schon… sagen wir mal… interessant!

Metro fahren war angesagt. Um zu dieser zu kommen, müssen Drehkreuze am Eingang des Bahnhofs passiert werden. Wir von nix eine Ahnung und ohne ein Wort zu verstehen. Haben uns also total locker in Sichtweite gestellt, ein Gespräch simuliert und die anderen Fahrgäste beobachtet. Ticket (die sind übrigens winzig klein) in einen Schlitz geben, der Maschine vertrauen (denn das klingt, als würde das Ticket gefressen werden) und ein Stück weiter das Ticket wieder an sich nehmen (zum Glück unversehrt). Dann schnell durchs Drehkreuz und meistens auch noch durch eine durchsichtige Tür. Schon krass irgendwie.

Aber es wurde ja noch viel besser: die Umsteigebahnöfe sind durch recht enge Gänge vernetzt. Zwar gut ausgeschildert, aber man läuft sich teilweise schon nen Wolf. Der nächste Bahnhof war promt ein „großer“. Und da flashte uns der Anblick von einer langen Plastikwand. Davor standen in bestimmten Abständen nicht nur Fahrgäste sondern auch Ordner. Was das Ganze sollte, erkannten wir erst, als die Metro einfuhr: an den Metrotüren öffneten sich auch in der Wand Türen, die Ordner schauten kurz in den Zug, ob noch Platz ist und erst dann durften die Fahrgäste einsteigen. So sieht hier der Berufsverkehr auf einer der wichtigen Strecken aus. Alles koordiniert und zivilisiert und ganz ohne Rumgemecker!

Ich gestehe: wir haben nach der ersten kurzen Metrofahrt aufgegeben, sind an die Oberfläche gepilgert und haben uns für den Rest des Weges ein Taxi gesucht. Wir waren einfach nur platt, müde und ausgelaugt.

Im Hotel

Das Hotel in der Nähe vom Place de Clichy war wunderschön, groß, einladend und freundlich. Genauso wie der dunkle Herr, bei dem wir mehr schlecht als recht eincheckten. Aber wir haben das geschafft – ist doch ein Kinderspiel. Und sogar im Fahrstuhl haben wir herausbekommen, dass man die Karte durch den Schlitz ziehen muss, wenn man in den 6. Stock will.

Dass Zimmer war ja wohl mal gemacht für uns! Weiß-dunkerot, zwei einzelne Betten, extra Toilette und mega tolles Bad. Und dann war da noch die Aussicht. Wir haben den Eiffelturm gesehen! Zwar nur die Spitze und nur, wenn man ihn gesucht hat – aber wir haben ihn gesehen!

Als das alles klar war, gab es nur noch: in die Betten fallen und schlafen (auch, wenn unsere Pläne in Berlin noch gaaaanz anders aussahen).

Paris bei Nacht

Wir haben super gut geschlafen. Zu gut. Jedenfalls erwachten wir erst bei Sonnenuntergang. 😉

Um doch noch ein bisschen Pariser Luft zu schnuppern, machten wir uns daher also an diesem Abend im Dunkeln auf mit dem Ziel, den Eiffelturm zu finden.

Naja… die richtige Metrostation war schnell gefunden. Nur der Turm war nirgends zu entdecken. Typisch wir. Aber was solls. Einmal rund um einen Platz und auf dem halben Weg die begehrte Spitze sehen. Nun hatten wir wenigstens eine Richtungsvorgabe. Eiffelturm – wir kommen.

Wir haben wunderschöne Fotos gemacht, aber wie ich erfahren hab, darf man den Eiffelturm bei Nacht wohl nicht so ohne weiteres öffentlich posten. Daher müsst Ihr hier leider drauf verzichten. Nur so viel: der Anblick ist schon gigantisch.

Da wir jedoch nicht die ganze Nacht dort verbringen wollten, spazierten wir einfach und ohne Plan an der Saine entlang. Eigentlich auf der suche nach etwas Essbarem. Aber so recht angelacht hat uns nichts. Nach einigen Brücken und Parks fanden wir sogar die Metrostation wieder und fuhren ausgepowert Richtung Hotel mit einem kurzen Abstecher zum Moulin Rouge. Voller Eindrücke, aber immer noch hungrig.

Wo was Essen?

In Paris gibt es bestimmt hunderte Hotels und ebenso viele Restaurants, Bars, Cafes etc.. Dementsprechend schwer fiel uns die Auswahl. Und doch hat uns unser Gefühl – und unser Hunger – genau in das richtige Restaurant für uns geführt: hier sprach man auch deutsch und sogar eine deutsche Karte gab es. Absolut genial!

Wir bekamen einen niedlichen Tisch und konnten uns aus dem großen Angebot zuerst nicht entscheiden. Unsere Wahl fiel dann auf Camembert mit Kartoffeln und Salat und Burger mit Pommes. Wir haben beide unseren Portionen nicht geschafft. Total lecker, aber viel zu viel.

Wer also – wir wir – nicht wirklich eine Fremdsprache beherrscht und eine deutschsprachige Bedienung und Karte sucht, wird im Kridan Tarek an der 128 Passage de Clichy in 75018 Paris fündig.

Was ich ja beeindruckend finde: an jedem Restaurant gibt es einen Extra-Raucherbereich. So ist hier noch möglich, seinen Feierabendcocktail bei einer Zigarette zu genießen. Warum geht das bei uns nicht? Naja…

Da uns das Essen, das Restaurant und die Bedienung so gefielen, sind wir am nächsten Abend her auch noch einmal gelandet. Und diesmal hat Michelle sogar einen original französischen Crepe gegessen. Eher genossen 😉 Für mich gab es Lasagne. Und auch dieses Essen können wir nur empfehlen!

Unterwegs in Paris kommt man immer wieder an Ständen vorbei, die Crepes und Baguettes verkaufen und sogar einen Dönerladen haben wir entdeckt.

Endlich Paris

Am nächsten Tag war es dann endlich so weit: wir erkundeten Paris. Vorab war zu klären, was wir uns anschauen werden und wie wir dahin kommen. Wir haben uns gegenseitig Vorschläge gemacht, diskutiert und wieder verworfen. Schlußendlich entschieden wir uns für eine Bustour und einen Museumsbesuch.

Also rein in die Klamotten, Kamera geschnappt und los ging unserer Tour. Durch unsere Paris Visite Ticktes bekamen wir einen satten Rabatt auf die Bustour und sprangen voller Vorfreude in den erst besten Bus. Nun ja. War dann vielleicht nicht so gut die Idee! Dauerte nämlich gar nicht lange und wir erkannten, dass dieser uns in den Norden Paris fuhr, statt wie gewollt in das südlich und westliche. Der mitgegebene Stadtplan offenbarte dann auch unseren Fehler: die Touren werden auf verschiedenen Strecken angeboten und wir saßen einfach mal im Falschen. Okay – so falsch dann auch wieder nicht. Schließlich bekamen wir so Ecken zu sehen, die vorher gar nicht auf unserem Plan standen. Und umsteigen in den anderen haben wir nach einer gewissen Zeit dann ja auch noch hinbekommen.

Das Wetter an diesem Tag war genial: Paris präsentierte sich zwar mit frühlingshaften Temperaturen, aber zauberhaftem Sonnenschein und rundum glücklichen Menschen. Auch wir genossen jede Sekunde, lachten viel und machten noch mehr Fotos. So viel spazieren, wie am Abend zuvor und an diesem Tag waren wir lange nicht zusammen.

Hisilicon Balong

Warum der Louvre gerade heute die Türen verschlossen hielt, wir haben es nicht erfahren, entschieden uns daher aber für ein anderes Museum. Aber war ja eigentlich klar, dass das nicht hinhauen würde. Bis wir aus durch den alltäglich Stau mit unserem Bus gekrochen waren, war die Besucherschlange so lang, dass uns jede Lust auf Kunst vergangen ist.

Was nun? Der Bus war bezahlt und somit ließen wir uns immer weiter und weiter fahren. Schauten und lachten, lästerten über andere Touris und hatten unseren Spaß. Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel ging es dann Abends halt nochmal ins Restaurant lecker Essen und Cocktails trinken.

Und am nächsten Morgen wieder heim…

Und wie war Paris nun so?

Es war ja der Wunsch meiner Tochter gerade in diese Stadt zu fahren. Und sie war und ist begeistert. Sie schwärmt von den alten Häusern, Laternen, der Mischung der Restaurants und Hotels und überhaupt dieser Paris eigenen Mischung. Bin ja gespannt, wann es sie das nächste Mal dorthin verschlägt, da ich schon den Eindruck hatte, dass Paris ihre Stadt ist.

Meins war es nicht. Hat mich (wahrscheinlich) noch zu sehr an Berlin erinnert: die Hektik, die hohen Häuser, die vielen Verkehrsmittel. Paris ist für mich eine Stadt, die ich durchaus noch einmal besuchen würde. Doch wenn es nicht klappt, ist das auch ok. Mein Herz ist eh schon vor langer Zeit in Italien geblieben 😉

Witzig sind ja die Pariser (auf zwei Beinen), an ihren Fußgängerampeln. Davon gibt es jede Menge. Überall. Verwirrend für uns war nur, dass an den Ampeln auch noch Zebrastreifen aufgemalt sind. Dann daran zu denken, auf eine Ampel zu achten, war nicht so leicht. Aber zurück zu den Parisern: diese gehen schon los, wenn die Autos die gelbe Phase bekommen und die eigene Fußgängerampel noch auf rot steht. Total ungewohnt. Also Ihr müßt Euch das so vorstellen: da stehen ganz viele Menschen und wollen über die Straße. Alle schauen auf das rote Männchen und hoffen, dass es verschwindet. Und plötzlich laufen 90 Prozent der Fußgänger los. Wie auf ein stummes Kommando hin. Obwohl der rote Kerl noch da ist. Nur die unwissenden Touris bleiben brav stehen und freuen sich, wenn es plötzlich grün wird. Aber wir waren anpassungsfähig und am zweiten Tag sind wir kaum noch aufgefallen

Unterm Strich waren es tollen Stunden, die wir auf dem Weg und in Paris verbracht haben und ich möchte keine Minute davon missen.