Zu welcher Duftfamilie gehörst du?

Von Fashionvictim

Natürlich, unschuldig, sinnlich, frisch, exotisch oder glamourös – Düfte können verschiedene Botschaften vermitteln. Nicht jeder Duft signalisiert das Gleiche und nicht jeder fühlt sich mit dem gleichen Duft wohl. Jährlich kommen circa 300 neue Düfte auf den Markt, von denen aber nur wenige eine Saison überstehen und nur ganz wenige werden zu Jahrhundertdüften, die auch nach Jahrzehnten aktuell sind. Zu den Neuerscheinungen gesellen sich Revivals und Neukompositionen großer Klassiker, die dem modernen Zeitgeschmack angepasst sind. Heute gibt es kaum noch einen Duft, der streng der Einteilung in die einzelnen Duftfamilien folgt. Im Gegenteil, die verschiedenen Familien können sich mischen und neue Kompositionen hervorbringen.

Über den Kopf, ins Herz, bis hin zur Basis

Riechen, schnuppern, einatmen, wahrnehmen, schnüffeln – wenn man einen Duft wahrnimmt, geschieht dies in verschiedenen Phasen. Aufgetragen auf die Haut nimmt man zuerst die Kopfnote war. Diese ist oft dafür entscheidend, ob man das Parfum kauft oder weitersucht. Die Kopfnote ist die Visitenkarte eines Parfums und von leichten und leichtflüchtigen Duftstoffen wie Citrusnoten geprägt. Hier können auch schon erste Einflüsse der Herz- und Basisnote gefunden werden. Die Herznote entfaltet sich nach fünf bis zehn Minuten nach dem Auftragen. Hier findet man häufig Blumennuancen. Gemeinsam mit der Basisnote bildet sie den eigentlichen Charakter eines Parfums. Dabei ist die Basisnote die haltbarste unter den Duftnoten eines Parfums. Hier findet man schwere und lang haftende Bestandeile, die je nach Qualität des Parfums bis zu vier Stunden anhalten können. Die Kopfnote ist entscheidend für den Kauf, aber die Basisnote, wie man von anderen gerochen wird. Sind beide gut aufeinander abgestimmt, gibt es auch nach einer gewissen Zeit keine Überraschungen. Denn es kann schon einmal vorkommen, dass ein Parfum beim Probieren gut riecht und Stunden später von diesem guten Geruch nichts mehr übrig ist.

Spritzig frisch

Ist es sehr warm im Sommer, hilft meist ein Spritzer Zitronensaft im Wasser, um sich zu erfrischen. Zitrusfrüchte kitzeln die Nase und schaffen ein frisches Gefühl. Zu dieser Duftfamilie gehören Pomelo, Bergamotte und Grapefruit, aber auch Zitronengras und Zitronenverbene. Noch relativ junge Düfte sind Hassaku (japanische Orange) und Yuzu (asiatische Zitruspflanze). Zumeist werden die Duftöle durch Pressen oder Kaltpressung gewonnen. Zitrusfrüchte werden aufgrund ihrer Frische oft in der Kopfnote gefunden und als rein und positiv empfunden. Kombiniert mit blumigen und harzigen Noten nehmen sie diesen die schwere Süße und machen sie durch die saure Frische leichter. Zitrusfrüchte sind wesentlicher Bestandteil des klassischen Eau de Cologne, einer der ältesten Parfumkreationen der Welt.

Fruchtige Kreationen

Fruchtige Düfte gehören noch nicht lange zu den Duftfamilien. Erst in den letzten Jahren hat sich eine Vorliebe für fruchtige Düfte entwickelt. Zu dieser Familie gehören vereinfacht gesagt, Obst, Gemüse und Nüsse. Und so verschieden diese Rohstoffe sind, so unterschiedlich können auch die erzeugten Effekte sein. Diese gehen von deliziös und erfrischend bis hin zu mystisch, erdig und modrig. Fruchtige Düfte werden zum größten Teil synthetisch erzeugt, was auf den hohen Wassergehalt von Gemüse und Früchten zurückzuführen ist. Pfirsich und Pflaume gehören zu den am längsten genutzten Duftnoten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben fruchtige Noten in Verbindung mit blumigen Noten zu einem festen Bestandteil von Parfumkreationen entwickelt. Sie sorgen für erfrischende Akkorde und eine ausgeglichene Textur.

Blumige Verführung

Blumige Noten waren vor allem als reine Düfte im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Heute werden sie zumeist mit anderen Duftfamilien kombiniert. In Parfums findet man sie in der Herznote. Sie können harzigen Düften die Schwere nehmen und einem Parfum eine romantische Note geben. Gewonnen werden sie durch Enfleurage, Destillation und Extrahieren mit Lösungsmitteln. Einige Öle sind aufgrund der aufwendigen Herstellung aus natürlichen Rohstoffen sehr teuer. Deshalb werden zum Beispiel Wasserlilie, Freesie, Maiglöckchen, Pfingstrose, Narzisse, Veilchen und Lotus hauptsächlich synthetisch hergestellt. Parfums, die diese Duftkomponenten in natürlicher Form besitzen, sind sehr selten. Diese Düfte können vielfältige Nuancen enthalten und überraschen durch ihre Vielfalt. Das natürliche Blütenextrakt von Ylang-Ylang hat zum Beispiel einen Duft nach Bananen, Heliotrop riecht mandelartig und Lavendel kann eine Nuance von Karamell haben. Zu den blumigen Düften gehören ebenfalls weiße Blüten, die oftmals separat klassifiziert werden.

Männlich holzige Noten

Nahezu kein Männerparfum verzichtet auf sie – holzige Noten. Aber auch in Damendüften finden sie sich oft in der Basisnote. Die Duftpalette geht von phenolisch, harzig bis hin zu teerartig. Aber auch cremige, sanfte und milchige Aromen, wie bei Sandelholz, sind vertreten. Die meisten holzigen Noten werden heutzutage aus Kostengründen und Fragen der Nachhaltigkeit im Labor hergestellt. Zu den Ausnahmen zählen Vetiver, das eigentlich ein Gras ist, und Patschuli. Holzige Noten werden oft als robust und männlich bezeichnet. Sie werden allerdings auch in weiblichen Parfums und Unisex-Düften verwendet. Eine Untergruppe der holzigen Düfte sind Moose, die aufgrund ihrer dunklen, feuchten, grünen und mürben Facetten gern in Chypre- und Fougéredüften verwendet werden.

Würzig und orientalisch

Gewürze werden nicht nur in der Küche eingesetzt. Sie sind auch in der Parfümindustrie mit ihren charakteristischen Noten gern gesehene Bestandteile. Sie sind einige der ältesten Nuancen und werden vor allem in orientalischen Düften verwendet. Zu ihnen zählen Pfeffer, Gewürznelke, Muskatnuss, Vanille, Koriander, Zimt, Ingwer und Kardamom. Aber auch außergewöhnliche Nuancen wie Tamarinde, Safran und rosa Pfeffer kann man finden. Aufgrund der Eigenschaften der einzelnen Bestandteile werden würzige Nuancen als kalt oder heiß beschrieben. Würzige Komponenten findet man häufig in orientalischen Düften. Hier bilden sie die Grundlage für die schwere Süße und den charakteristischen Duft. Oft werden würzig-orientalische Noten mit animalischen Nuancen verbunden. Dazu gehören Moschus, Bibergeil, Zibetöl und Ambergris. Bis auf Ambergris, werden die übrigen Nuancen heutzutage synthetisch hergestellt. Würzige, animalische und orientalische Noten werden sowohl in Damen- als auch in Herrendüften verwendet. Sie sind vor allem als Abendparfum und für besondere Anlässe beliebt, da sie im täglichen Gebrauch oft zu süß und schwer und zum Teil als unangenehm empfunden werden. Sie sollten daher immer sehr sparsam verwendet werden.

Gourmand – Die Gourmets unter den Düften

Düfte nach Zuckerwatte, Schokolade und Karamellbonbons wecken Erinnerungen an unbeschwerte Kindertage. Seit Ende des 20. Jahrhunderts hat sich die Gourmand Familie in den Reigen der Parfums eingereiht. Gourmand Düfte gehören im engeren Sinn zu den orientalischen Düften. Sie zeichnen sich durch die süßen Aromen von Vanille, Sahne, Nugat, Schokolade und Karamell aus. Gourmand Nuancen finden sich hauptsächlich in weiblichen Düften. Es gibt jedoch auch einige Männerdüfte, die die Gourmand-Nuancen mit Holzfacetten und würzigen Aromen verbinden. Sie werden in der Regel synthetisch hergestellt.

Eine Liebe, die ein ganzes Leben hält

Die Vorliebe für bestimmte Duftfamilien bildet sich bereits in jungen Jahren und meist bleibt man seinen Vorlieben auch ein ganzes Leben lang treu. Jedoch sollte man nicht aufhören, auch einmal an anderen Flakons mit Kreationen zu schnuppern, die man ansonsten eher nicht wählen würde. Äußere Einflüsse wie hormonelle Veränderungen, Glücksmomente oder negative Ereignisse, die mit bestimmten Düften verbunden werden oder Medikamente können das Empfinden eines Duftes entscheidend beeinflussen. Die Nase gewöhnt sich mit der Zeit auch an bestimmte Düfte, sodass diese als nicht mehr so intensiv empfunden werden. Hier sei allerdings angemerkt, dass man durch Aufbringen großer Mengen keinen stärkeren Effekt erreicht. Arbeitet man zum Beispiel im öffentlichen Bereich mit viel Publikumsverkehr, sollte man nur leichte Parfums benutzen.