Zeitdiebe

“Ich bin von der Solothurnischen Informationszentrale und habe den Auftrag, die Krankenkassenverträge der Bevölkerung zu überprüfen”, sagte er. “Sie klingen so jung, sind Sie sicher, dass Sie fünf Kinder haben? Und Ihren Mann, haben Sie den in der Schule kennen gelernt? Schön, solche Leute trifft man selten heutzutage. Irgendwelche chronischen Krankheiten? Und wie hoch ist denn Ihre Prämie? Ach so, ganz akzeptabel für eine siebenköpfige Familie. Hätten Sie dennoch morgen oder übermorgen Zeit, damit wir Ihre Unterlagen einmal genauer studieren können? Ich bin mir sicher, dass es da noch Sparpotential gibt, Ihre Krankenkasse ist eine der Teuersten im Kanton. Wie, Sie haben keine Zeit? Aber Sie wollen doch bestimmt Geld sparen. Wer möchte das denn nicht?”

“Hören Sie mal”, unterbrach ich den Redeschwall, “ich weiss sehr wohl, dass Krankenkassen keine Telefonwerbung mehr machen dürfen, wenn bei der Nummer ein Stern steht, also versuchen Sie eben, mit einer ‘unabhängigen Beratung’ das Gesetz zu umgehen. Aber für solche Spässe habe ich keine Zeit.”

“Wollen Sie wirklich kein Geld sparen?”

“Nein, in diesem Fall will ich das nicht. In diesem Fall spare ich mir lieber die Zeit, die bedeutet mir mehr.”

Jetzt, wo mein Umfeld endlich begriffen hat, dass mein Montag ganz dem Schreiben gehört, haben die Krankenkassen einen Weg gefunden, mir meine kostbare Zeit zu stehlen.

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