Young Fathers: Das Beste beider Seiten

Young Fathers: Das Beste beider SeitenYoung Fathers
„Cocoa Sugar“

(Ninja Tune)
Mit den drei Herren müsste dringend mal jemand reden: Es ist doch nun mal so, daß in solch schnelllebigen Zeiten wie heute den meisten Musikern nach einem meisterlichen Debüt in Folge gestiegender Ansprüche der eigene Erfolg zu Kopfe steigt und/oder die Quelle der Kreativität so schnell versiegt wie wie angezapft wurde. Ergebnis: Man müht sich redlich, jedoch ohne den erwarteten Erfolg wiederholen zu können, das Mittelmaß schleicht sich ein und irgendwann, wenn man eben dort angekommen ist, interessiert es auch keinen mehr so richtig, alle schon auf dem Weg zur nächsten Blume … Bei den Young Fathers allerdings läuft da kräftig was schief, denn dem umjubelten Mercury-Prize-Gewinner „Death“ schickten die drei Schotten schon ein gutes Jahr später „White Men Are Black Men Too“ hinterher und darauf war von Writers Block, fehlender Inspiration oder gar Langeweile so überhaupt nichts zu hören. Jede und jeder hätte doch für eine Atempause Verständnis gehabt – und jetzt? Kommt mit „Cocoa Sugar“ ein weiteres Killer-Album daher, randvoll gefüllt mit neuen Klängen, spannenden Ideen und haufenweise lässigen Grooves. Die Frage lautet also: Wie machen die das bloß!?

Glaubt man dem, was sie gerade dem Guardian erzählt haben, dann ist da kaum Ungewöhnliches und schon gar nicht Übernatürliches im Spiel, sie arbeiten alle drei dem großen Ziel einer neuen Platte zu, gerade weil sie sich unterschiedliche Herangehensweisen und Einflüsse nicht versagen, sondern diese bewusst zulassen, entsteht ein Werk, das in Sachen Vielfalt und Wandelbarkeit sogar noch hinzugewonnen hat. Und das von einer Band, die auch zuvor keine Scheuklappen kannte und die das stilistische MashUp zum Grundprinzip erhoben hatte. Rap, Blues, Trip Hop, Spiritual, Soul, Funk, Jazz – das war auch vorher schon dabei, nur ist es jetzt alles noch eine Spur eingängiger, druckvoller, auch tanzbarer geworden. Waren die beiden Vorgänger eher mit einer erdigen, sehr roughen Grundstimmung versehen, wird es nun zunehmend digital, also mehr Synthesizer, mehr Loops, es klackt und knistert im Gebälk. Nicht mehr weit zum Techno?
Wenn, dann in dieser vertrackten LoFi-Variante. Tracks wie „Turn“, „Wow“ oder „Wire“ fiebern in einem derart nervösen Vibe, das man einem schon beim Zuhören ganz schwindelig wird. Dazwischen der funkige Stomp von „Border Girl“ oder das dronige Wummern zum choralen „Lord“, viel mehr läßt sich wahrscheinlich kaum als Rille ins schwarze Plastik kratzen. Und noch etwas hat sich geändert: Die Young Fathers gehen mit ihren politischen Verlautbarungen in Zeiten, da sich eine wohlfeile Meinung (Stichworte #metoo, #blacklivesmatter) popkulturell gut vermarkten, ja sogar in Verkaufszahlen ummünzen läßt, deutlich vorsichtiger um. „We’d probably have been a much more successful band if we had never said things like that“, sagten sie dem Guardian und wollen deshalb nun noch genauer hinschauen, wem oder was sie welche Unterstützung gäben. Eingedenk der Tatsache, daß wir alle eine helle und eine dunkle Seite haben (worauf sie mit ihrem Albumtitel hinweisen möchten), ist bei schnellen Urteilen ohnehin größte Vorsicht geboten. Das Urteil zu dieser Platte hingegen kann gar nicht eindeutiger ausfallen – Bestnote, nicht weniger. https://www.young-fathers.com/
09.04.  Berlin, Columbia Theater
15.06.  Mannheim, Maifeld Derby
29.06.  Berlin, Citadel Festival (mit Massive Attack)

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