You’re Next

Erstellt am 6. November 2013 von Pressplay Magazin @pressplayAT

Kino

Veröffentlicht am 6. November 2013 | von Karin Gasch

Summary: kreatives Gemetzel, das aber schnell beliebig wird, Charakterzeichnung und Atmosphäre werden zugunsten von Gewalt vernachlässigt

Horror

Dass eine Familienfeier alles andere als friedlich abläuft, ist besonders in der bevorstehenden Feiertagssaison kein Ding der Seltenheit. So blutig wie in You’re Next geht es in realiter aber glücklicherweise kaum zur Sache.

Die Davidsons laden zu einem Familienfest auf ihren abgelegenen Landsitz. Vater Paul (Rob Moran) hat es durch einen hochrangigen Job in der Rüstungsindustrie zu Geld gebracht, Mutter Aubrey (Barbara Crampton) kämpft mit Depressionen und Angstzuständen und die erwachsenen Kinder, die ihre jeweiligen Partner/innen mitbringen, enttäuschen mal mehr, mal weniger die elterlichen Erwartungshaltungen. Noch bevor die unter der Oberfläche brodelnden familiären Konflikte aber so richtig aufkochen können, werden die Davidsons aus heiterem Himmel von Unbekannten attackiert. Die Tiermasken tragenden Angreifer, die ihre Opfer schon im Vorfeld genauestens studiert haben, kennen keine Skrupel und scheinen die Familie vollständig auslöschen zu wollen. Sie haben aber nicht mit der Wehrhaftigkeit von Erin (Sharni Vinson), der Freundin des mittleren Sohnes Crispian (AJ Bowen), gerechnet, die in einem Survival-Camp aufgewachsen ist und die dort erlernten Techniken effektiv gegen die maskierten Angreifer einzusetzen weiß.

In Adam Wingards Home Alone-Variante für Erwachsene werden wortwörtlich keine Gefangenen genommen. Kompromisslos und äußerst blutig wird ein Familienmitglied nach dem anderen gemeuchelt. Das ist anfangs ganz spannend und auch durchaus packend inszeniert, mit der Anzahl und Variation der gezeigten Lebensbeendigungen wird das Metzeln aber zunehmend beliebig und stumpf. Ist zunächst die Atmosphäre der Panik und Beklemmung unter den Familienangehörigen angesichts der unsichtbaren Gefahr von außen noch greifbar, machen vorhersehbare Wendungen, unlogisches Verhalten der Protagonisten und eine zuletzt beinahe comichafte Gewaltüberspitzung die geschaffene Stimmung sukzessive zunichte.

Dabei bietet You’re Next durchaus interessante Ansätze, besonders was stilistische Mittel wie Kameraeinstellungen oder Szenenaufbauten angeht. Durch die inhaltliche Überladenheit und den eindeutigen Fokus auf Schockeffekte und Gewaltszenen gehen die kreativen und frischen Elemente im Film aber unter, und was im Vordergrund stehenbleibt sind verschiedenste, oft benutzte Versatzstücke des gegenwärtigen Horrorkinos, dessen Figuren eher wahllos positioniert wirken, da sie ohnehin meist zur schnellen – und dementsprechend eher lieblosen – Dezimierung bestimmt sind.

Mit der kämpferischen Erin gibt es zwar einen Charakter, der durchaus zur Identifikation und zum Mitfiebern einlädt, die restlichen Protagonisten bleiben allerdings blass bis irrelevant und scheinen großteils Platzhalter für die ihnen zugedachten Tode zu spielen, in die viel mehr Herzblut und Hirnschmalz investiert wurde, als in sorgsame, nachvollziehbare Charakterentwicklungen und -entscheidungen.

You’re Next ist also in erster Linie auf Wirkung fixiert und lässt die Ursache dabei zu kurz kommen. Eine Reduktion, sowohl im Hinblick auf die Anzahl der Charaktere, als auch, damit einhergehend, auf jene der Gewaltdarstellungen, hätte dem Film in jedem Fall gut getan. So ist der Spaß am Metzeln, Mordern und Meucheln bei allen Beteiligten zwar merklich groß, am prominentesten bleibt, bei aller Gaudi, aber schließlich der Eindruck von effekthascherischer Beliebigkeit zurück.

Regie: Adam Wingard, Drehbuch: Simon Barrett
Darsteller: Sharni Vinson, AJ Bowen, Rob Moran, Barbara Crampton, Joe Swanberg
Laufzeit: 95 Minuten, Kinostart: 07.11.2013, www.yourenext-film.de

Tags:2.5 von 5Adam WingardAJ BowenConstantin FilmHorrorIndependentSharni Vinson

Über den Autor

Karin Gasch Aufgabenbereich selbst definiert als: Zwielichtaufsuchende mit Twilight-Phobie. Findet "Ours is a culture and a time immensely rich in trash as it is in treasures" (Ray Bradbury) zeitlos zutreffend.