Wulff-Wochen bei PPQ: Schrecken ohne Ende

Das war doch mal ein Bewerbungsauftritt! Als Bundespräsident kaum noch tragbar, aber nach wie vor beliebt bei vielen Menschen, die nicht Radio hören, Zeitung lesen und Nachrichtensendungen anschauen – mit diesem starken Standing bei den Ausgegrenzten und Marginalisierten der Gesellschaft hat der bisherige Schlossherr im Bellevue in einer Fernsehaudienz zur besten Sendezeit Punkte für einen direkten Wechsel aus dem Amt des Watschenmannes der Nation auf die Plaudercouch von „Wetten, dass…“ gesammelt.
Eine Rochade ganz nach dem Geschmack der Bundeskanzlerin, die es nicht gern sieht, wenn das Volk in Zeiten der Not ohne Brot und Spiele bleibt. Zuletzt war die Zukunft der letzten Konsenssendung aus der Koma-Konserve dennoch gefährdet gewesen, weil sich zahlreiche Kandidaten auf die Erbfolge von Dauermoderator Thomas Gottschalk der nationalen Pflicht zur Übernahme des Renommierpostens entzogen hatten.
Dass Wulff sich verändern möchte und mit einer neuen Aufgabe auch neue Herausforderungen sucht, passt da gut. Zwar ziert sich der Schlossherr vom Bellevue derzeit noch, seine Ansprüche direkt anzumelden. Doch sein Auftritt im blutroten ARD/ZDF-Studio, aus Gründen der GEZ-Gerechtigkeit parallel in beiden führenden Staatssendern übertragen, zeigte deutlich, dass die "Witzfigur" (Vera Lengsfeld) sich dringend verändern möchte, nachdem ihm die übelmeinende „Welt“ die Elitezugehörigkeit abgesprochen und die Süddeutsche sogar einen Literaturkritiker bemüht hatte, um den CDU-Kämpen herabwürdigen zu lassen.
Etwas Leichteres als der letzte Job soll es natürlich sein, etwas besser bezahlt, mit ganz viel Menschenrechten und Öffentlichkeit nur, wenn sie eingeladen ist - der zerknirschte Gang zum öffentlichen Kratzbaum machte klar, wo Wulff hinwill. Kernersche Gefühlshuberei kann er jedenfalls, auch der Beckmannsche Rehblick klappt schon. Auch die notwendige Unverfrorenheit ist da: Auf die Frage, ob er in den schweren letzten tagen, in denen ganz Deutschland über seinen Rücktritt sprach, wenigstens einmal an einen solchen gedacht habe, log der Transparenzkünstler: "Nein, nie."
Sagte Richard Nixon sein "I have never been a quitter" anno 1974 noch, um seinen Abgang vorzubereiten, meint Wulff sein Bleiben ernst. Er habe "noch viele Aktionen vor", kündigte er an. Demnächst treffe er sich zum Beispiel schon mal mit "jungen Leuten", um die Demokratie zu stärken.
Bei den Buchmachern in England, die die Quoten für einen Wechsel Wulffs von der CDU ins ZDF gestern Nachmittag drastisch gesenkt hatten und nur noch 35 Cent Gewinn pro Euro Einsatz auf einen Rücktritt zahlen wollten, schossen die Wulff-Papiere umgehend in die Höhe. 1,89 Euro bekommt inzwischen, wer darauf setzt, dass Wulff Anfang Februar noch im Amt ist, nur noch eben so viel streicht ein, wer den Präsidenten bis 31. Januar scheiden sieht.
Auch Spannung kann er also, der Wulff, sogar zur besten Sendezeit. Wie ein Bewerbungsvideo für die große Samstagabendshow wirkte sein fantastisch beleuchteter Canossagang ins ARD-Studio, bei dem er auf knallharte Fragen windelweich auswich, sich entschuldigte, lamentierte und am Thema vorbeischwafelte. Es langte zum Rekord: Häufiger entschuldigt hat sich noch nie ein Bundespolitiker – mit der Nummer könnte der sympathische Niedersachse auch berüchtigte Couchgrantler wie Keith Richards, Tom Cruise und Lady Gaga einwickeln.
Nixon macht ernst:

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