Wulff-Wochen bei PPQ: Das letzte Lied

Es ist still geworden um den Bundespräsidenten Christian Wulff, der ganz allein, aber furchtlos seinen Kampf gegen gigantische Medienkonzerne, Internetwitzbolde und neidische Politkonkurrenz führt. Obwohl der 51-Jährige ein Amtsinhaber ist, wie er nicht besser zu dem Land passen könnte, dem er vorzustehen die Ehre hat, lässt der Sturmwind nicht nach, der ihn von seinem Sessel blasen will. Mehrfach schon ist Christian Wulff zur Tagesordnung übergegangen, nie folgte ihm jemand. Jede seiner öffentlichen oder nichtöffentlichen Entschuldigungen wurde verhöhnt statt angenommen, jede seiner Fernsehaudienzen flutete den Skandalsumpf nur mit neuen Wassermassen.
Es ist einsam geworden um Christian Wulff, der seinerzeit in einer finanziellen Notsituation gezwungen wurde, ein Haus zu kaufenm, was ihn zwang, einen Kredit aufzunehmen, was ihm als mittellosem Politgauckler nur die Möglichkeit ließ, in der Verwandschaft enger Freunde zu borgen. Bettina ist noch da, die beiden Söhne, ein paar Mann aus der Präsidentengarde, die den ersten Mann im Staate im Ernstfall mit ihrem Leben schützen werden. Aber die Parteifreunde, das weiß Wulff, verhandeln hinter seinem Rücken schon über die Nachfolge, die Journaille gräbt weiter nach Leichen im Keller des prächtigen Anwesens in Großburgwedel und das Volk ruft bei Facebook schon zum Massenschuhwerfen auf den besten Präsidenten, den Deutschland seit Horst Köhlers überraschendem Abgang hatte.
Abends, wenn die trübe Wintersonne über Berlin versinkt und die Nacht sich wie eine feuchte Filzdecke auf das herrliche Regierungsviertel legt, steigt Christian Wulff in diesen schweren Tagen häufig hoch ins Dachzimmer im dreieckigen Ausbau direkt über dem imposanten Portal. Wulff, von Kindesbeinen an großer Fan von sympathischen Rockmusik-Ikonen wie den Scorpions, die lange seine Nachbarn waren, greift sich dann seine alte, abgewetzte E-Gitarre. Und singt dort, weit weg vom Nölen der Danachrichten und weit weg von der Jauchregung der jeweiligen Tageswahrheit, seine zugleich trotzige als auch romantische Version von The Whos "Behind Blue Eyes": "Doch mein Traum ist nicht vollendet, meine Hoffnung stirbt zuletzt".

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