Wulff: Aufsteiger im Höhenflug

Wer wie der Bundespräsident formaljuristisch und damit spitzfindig argumentieren muss, gibt zu, dass sein Verhalten bestenfalls noch legal aber sicher nicht legitim war.
Man könnte auch mal die Frage stellen, unter welchen Umständen Wulff die Frage nach "geschäftlichen Beziehungen" zu dem Stahl-, Schrott-, Immobilien- und Schrotthändler mit Ja beantwortet hätte: Wenn er ihm -als Ministerpräsident in Nebentätigkeit- eine Tonne Stahl oder Schrott abgekauft hätte?
Das Konstrukt, der Kredit stamme von der Ehefrau, ist hanebüchen. Denn Wulff -als Freund Geerkens- wird gewusst haben, dass dessen Ehefrau nur über ihn über solch eine Summe verfügen kann. Geerkens hat ja auch schon öffentlich zugegeben, dass es ihm darum ging, Anonymität zu bewahren. Und damit spätestens ist die Sache hochpolitisch und mit Anwaltserklärungen nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
Wulff beschädigt nicht nur sein Amt. Das hat seit Generationen sowieso kein all zu hohes Ansehen mehr, seit es aus der Kaste der Berufspolitiker besetzt wird. Köhler war ein Hoffnungsträger, der nicht aus der Regierung kam. Ging aber auch daneben.
Was einmal mehr beschädigt wird, ist auch das Ansehen der Aufsteiger. Was sozusagen als Beweis für das Funktionieren unserer Gesellschaft dienen soll, geht am Ende oft den Bach runter. Weil der Herr Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen irgendwann dem Größenwahn verfiel (Schröder, Schrempp) oder zu dem Bewusstsein kam, dass Regeln und Grenzen nur für die von ihm regierten aber nicht mehr für ihn selbst gelte.
Diese Erlebnisse sind am Ende Wasser auf die Mühle unserer Royalisten und Großbürger, die Leute nach Qualitäten zu bewerten pflegen, die uns nicht zugänglich sind.
Deutschland wurde in seiner Geschichte oft von brutalen und minder erfolgreichen Dynastien regiert. Manchmal war ein heller Kopf unter ihnen, wie bei Preußens. Unter den Aufsteigern jedoch, die es bis in höchste Ämter schafften fält mir spontan nur Willy Brandt als nachhaltig leuchtendes Beispiel ein. Den Tiefpunkt der Bundesrepublik stellt für mich Gerhard Sch. dar, der sich heute nicht nur irdischen Maßstäben entrückt glaubt. Er hat ausgerechnet seine eigene Kohorte verraten, so als habe er mit seiner Familie noch etwas abzurechnen gehabt. Totale Abreaktion unter dem Applaus höherer Mächte, denen zu gefallen sein zweitwichtigstes Anliegen war. Wie manche sagen: Der Gerd ist nicht im Rotlicht geendet, Er selbst ist inzwischen Rotlicht. Und immer mehr sehen rot, wenn sie ihn sehen. Zu den Bollwerken seiner Verteidigung gehört der eine oder Abmahnanwalt aus dem Dauerrotlicht. Die achten darauf, dass man Gerhards Namen öffentlich nicht in einem Satz mit z.B. Frau Käßmann nennt.
Auch unter Managern gibt es ganz schlechte Beispiele für Aufsteiger. Jürgen Schrempp, der aus Daimler Benz einen Weltkonzern machen wollte, aber nur zuerst die Marke und dann jede Menge Kapital ruinierte, ist eines der schlechtesten.
Der Stachel, der manche Aufsteiger bis nach ganz oben treibt, birgt -oben angekommen- oft auch den Mechanismus, der sie wieder abstürzen lässt.
Wulff wurde schon mehrmals bei der Annahme von Vorteilsgewährungen aufgegriffen. Allerdings ging es nie um große Dinge, eher um die Befriedung eines biederen Schnäppchentriebes. Das gute Gefühl, das eigene Portomonnaie schonen zu können, ist offenbar stärker als das sichere Gefühl für die Normen, was man tut oder besser sein lässt.
Wulff insistiert darauf, dass er legal gehandelt habe, und weigert sich, unsere Normen für Legitimität zu akzeptieren, die wir an jemanden in seinem Amt anlegen. Er nahm das Amt mit all seinem Glamour, meint aber, dafür nichts zurückgeben zu müssen. Weil es das Ende seines Aufstiegs wäre.
Der Steuererklärungstyp, der jedes Jahr seinen Konz liest und darüber hinaus nichts (vgl. Dokumentation voriges Jahr über die Präsidentschaftskandidaten), und seine Anwälte beschäftigt, wenn das Leben kompliziert wird, oder aus seiner Sicht: "wenn ihm jemand den Aufstieg neidet", war im Vergleich zu Gauck nur die zweitbeste Lösung.
Er gehört zu den Christdemokraten, die sich gerne beim Kirchgang filmen lassen, aber ihre Ehefrauen in die Wüste schicken, wenn sich die erstbeste Gelegenheit bietet. Keine Aufsteigerstory, kein Held ohne Burgfräulein. Gemeinsam etwas aufgebaut zu haben, zählt da weniger, als im Rausche des Aufstiegs sich auch noch die dazu vermeintlich passendere Eroberung zuzulegen. Der Steuerbelege sammelnde Biedermann wähnt sich dann als Jungsiegfried.
Nervig finde ich Wulff eigentlich vor allem, weil er bei jedem Auftritt stets meint, mit unterdurchschnittlichen Bonmots in väterlicher Pose punkten zu gönnen. Er spricht dann gerne von sich in der dritten Person als "der Bundespräsident", wie auf seinem Auftritt bei der Verleihung des Zukunftspreises im ZDF.
Wulff war Merkels Kandidat, weil die Pragmatikerin so einen Nebenbuhler kalt stellen konnte. Wulff ist nun ganz kalt gestellt. Sie könnte ihn eigentlich fallen lasse. Das wird sie aber selbst nicht tun, weil sie das Image einer nibelungentreuen Regentin pflegt. Sie wird andere Wulff fallen lassen.
Allerdings erst nach Weihnachten. Wie peinlich wäre es, an Heiligabend ohne Bundespräsidentenansprache dazustehen?

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