Wortwertstoffhof revisited

Erstellt am 10. August 2011 von Mapambulo


Weit entfernt davon, dem Kolumnisten und Erziehungsberater Axel Hacke ins Handwerk pfuschen zu wollen, auch keine Rede davon, ihm seine Idee vom Aufbewahrungsort für selten gewordene, abstrus verdrehte oder fantastische Wörter abspenstig zu machen – da sei Vroniplag vor – nur schnell den Zeitpunkt genutzt, um den Notizblock des iPhones aus den letzten Wochen zu leeren.

Und da gilt es zwei ältere Überschriften aus der Süddeutschen Zeitung vom Papier ins große Netzgedächtnis einzuspeisen, also auch eine Art von wohlwollender Wertschätzung. Aus Anlaß der Heimholung des spitzbübischen und durchtriebenen Ex-Jugoslawen, Ex-Bayern und Ex-Turiners Hasan Salihamidzic durch Felix Magath zum VfL Wolfsburg titelte die Zeitung nämlich recht charmant: „Liebe aus den Zeiten der Kohl-Ära“. Und ein paar Wochen später, als nicht so ganz klar war, wie es denn nun um die Liebe des dicke Fürstenalbert und der anmutigen Schwimmprinzessin wirklich bestellt war, stand im gleichen Blatt kurz: „Splitterwochen“. Wenn das mal nicht aufgehoben gehört.

Kurz noch einen Schwenk ins Englische. Gerade den letzten Band der Kommissar-Rebus-Reihe von Ian Rankin („Exit Music/Ein Rest von Schuld“) beendet – seit jeher eine ziemlich sichere Bank – und dort über den Namen eines Viertels der schottischen Hauptstadt Edinburgh gestolpert: Wardieburn. Ein Wort, welches mehr als manches andere für sich spricht, man muß schon ein paar Mal nachlesen und auch googeln, um sicher zu gehen, dass es sich hier nicht um einen Satzfehler handelt. Nein, gibt’s tatsächlich (Foto s.o.) und ist wohl rein assoziationsmäßig das Gegenteil von Büllerbü. Kaum anzunehmen, dass aus dem tatsächlich schlecht beleumundeten Distrikt übermäßig viele Pastorenanwärter, Berufslyriker und Chorsänger stammen. Hier gilt der Vermerk in der Geburtsurkunde wohl schon als erste Aktennotiz.

Schlußendlich noch zu einem Wort, auf welches ich rein zufällig bei einer meiner stümperhaften Übersetzungen für den Eigengebrauch gestoßen bin, eher ein Nischenbewohner (das Wort), aber für geschichtsbegeisterte Etymologen sicher ein echter Leckerbissen: War wem klar, dass es im Englischen für den Begriff „verknöchert, erstarrt“ die Entsprechung „ossified“ (von ossify) gibt? Ich lass das jetzt mal so im Raum schwingen, aber bevor jemand auf die Idee kommt, umgehend ein bitterböses Hassmail abzusetzen – für die Vita erst mal kurz rechts oben in die Ecke geschaut.