WORKING CITY

Von Doro

Langsam verschwimen die Wörter vor Fräuleins Augen. Aus mehr als drei Stunden Arbeit wird ein Meer aus Buchstaben. Müde schließt sie ihre Äuglein und hofft, dass der Computer von alleine weiter schreibt. Die Haare fallen ihr über die mandelbraunen Augen; ihr Kopf fällt auf die Tastatur. Entrüstet fängt der Laptop an zu piepsen. Immer lautet kreischt er, wie ein Kleinkind dem sein Schnuller weggenommen wurde, doch das Fräulein wacht nicht auf. Zu lange hat sie schon vor ihrem Laptop gesessen und sich gefragt wie ihre Geschichte weitergehen soll. Zu lange hat sie ihren Computer gebeten, einfach selber weiterzuschreiben, ihr über ihre Schreibblockade wegzuhelfen. All das hat ihr nicht geholfen, nur ihr Leben wurde geschlagene drei Stunden kürzer, und sie hatte außer sieben Sätzen nichts neues geschrieben. Leider weigert sich die Maschine, in der die ganzen schlaflosen Nädchte des Fräuleins eingspeichert sind, die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Gemächlich rattert er seine Logarhythmen herunter und schläft nach einiger Zeit vor Langeweile schließlich selber ein. Friedlich sitzen das Fräulein und der Computer nebeneinander.
Leider währt der Frieden nicht lange. Wie von der Tarantel gestochen fährt das Fräulein aus ihren Träumen und blinzelt in die untergehende Sonne, welche durch ihr Fenster scheint. Vielleicht sollte sie einfach auch wie die untergehende Sonne Gute Nacht sagen, und zu Bett gehen. Doch wie immer sorgt der Stolz dafür, dass sie weiterschreibt. Bis in die Nacht hinein. Mit Schlaf in den Augen tippt sie Wort für Wort in den Computer, welcher nur die Wörter in Computersprache übersetzt. Das Geräusch der Tasten lässt das Fräulein immer wieder in den Halbschlaf fallen, doch ein, zwei Minuten später sitzt das Fräulein wieder gerade an ihrem Schreibtisch und tippt weiter, und weiter, und weiter.
Natürlich bekommt das Fräulein dann wie immer statt neun Stunden Schlaf nur ein, zwei Stündchen Zeit um sich auszuruhen, bis ihr Wecker sie durch sein nerventönendes Geklingel aus dem Schlaf reißt und sie zur Schule muss, so wie heute. Das Fräulein hat schon mehr als die Hälfte ihres Aufsatzes fertig, doch sie mag sich noch nicht zufrieden geben. Sie ist der Meinung, dass sie besser schreiben kann, als was sie in der Hand hält.
Unzufrieden nimmt sie einen Bleistift in die Hand und fängt an wild Sachen durchzustreichen. Wenig später sieht der einst tadellose Aufsatz aus, als hätte man ihn durch den Fleischwolf gequetscht. Striche gehen durch einzelne Buchstaben und Sätze; Wörter tanzen hier und da aus der Reihe, doch siehe da – das Fräulein ist zurfrieden! Sie lächelt und stupst der Maschine in die Seite; Computer sind nuneinmal dafür da, Sachen neu ausdrucken und bearbeiten zu können.