Wonne aus der Tonne: Schneeflöckchen

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Wonne aus der Tonne: Schneeflöckchen

Willkommen im neuen Jahr liebe Filmfreunde auf der Suche nach dem etwas anderen Filmgenuss! Vielbeachtete und beachtliche Filme aus Deutschland gibt es zu Hauf. Doch immer wenn versucht wird Genre-Filme auf internationalem Niveau zu produzieren, bewegt man sich bald in Til-Schweiger-Peinlichkeiten. Doch kürzlich wurde eine kleine Perle des deutschen Genre-Films durch capelight pictures veröffentlicht, die den internationalen Vergleich wirklich nicht scheuen muss.

Schneeflöckchen

OT: Schneeflöckchen, Deutschland, 2017, Regie: Adolfo J. Kolmerer, William James, Drehbuch: Arend Remmers, Mit: Reza Brojerdi, Erkan Acar, Xenia Assenza, u.a.

Berlin in naher Zukunft. Kriminalität und Chaos beherrschen die Straßen. Die Menschen versuchen dennoch das gewohnte Leben aufrecht zu erhalten. Javid (Reza Brojerdi) und Tan (Erkan Acar) durchstreifen die Stadt auf der Suche nach dem Mörder ihrer Familien. Bewaffnet mit Pistolen und Kettensäge ziehen sie eine Blutspur durch die Straßen. Bei einem ihrer Streifzüge entdecken die Beiden in einem geklauten Wagen ein mysteriöses Drehbuch mit dem Titel „Schneeflöckchen“. Der Text bildet eins zu eins den Film nach, wie wir ihn bisher gesehen haben. Javid und Tan finden hier ihre eigenen Dialogzeilen verschriftlicht wieder. Sie machen sich auf die Suche nach dem Autor des Werks um herauszufinden was hier gespielt wird. Parallel dazu heuert die junge Eliana (Xenia Assenza) die durchgeknalltesten Killer des Kontinents  an, damit Javid und Tan erledigt werden. Bei einer ihrer Mordtouren töteten die Beiden nämlich auch versehentlich ihre Eltern …

„Das abgefuckteste Märchen seit den Gebrüdern Grimm“ verspricht die Tag-Line des Films. Der Streifen ist tatsächlich im höchsten und positivsten Sinne bizarr. Er präsentiert sich dem Zuschauer als wilde Mischung aus überdrehter schwarzer Komödie, Actionthriller, Fantasy und nicht immer geglückter Tarantino-Coolness (oft kopiert, nie erreicht). Klar lässt der Plot unweigerlich an Schräger als Fiktion denken, hat dann aber außer derselben Grundidee nichts mit dem Film zu tun und wandelt selbstsicher auf eigenen Pfaden. Das Problem an „überoriginellen“ Drehbüchern ist ja, dass dem ganzen Treiben nach einem tollen Start oftmals rasch die Luft ausgeht. Schneeflöckchen bietet hier eine angenehm überraschende Ausnahme. Trotz einer Laufzeit von 121 Minuten weiß der Film immer zu unterhalten und auch zu überraschen.

Das ganze Unternehmen ist übrigens eine vollkommene No-Budget-Produktion. Die Drehs fanden über einen Zeitraum von 2 Jahren meist an den Wochenenden statt. Fast alle Darsteller sind auch Produzenten des Films und arbeiteten in den unterschiedlichsten Funktionen auch hinter der Kamera mit. Laut Produktionsnotizen wollte man sich etwas trauen. Auch Fehler zu machen. Und dumm zu sein. Und das Ganze aber schlussendlich möglichst gut aussehen lassen. Das ist ihnen vollkommen gelungen. Eine große Empfehlung für alle, denen Deadpool dann letzten Endes doch zu wenig subversiv war.

Also: Fürchtet euch vor der Zukunft, denn glaubt man dem Film wird jene grausam sein. Bis dahin bleibt seltsam!

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Autor

Benedict Thill

Schon als Kind sah er sich am liebsten heimlich Horrorfilme an und hat seitdem einen Schaden weg. Wenn er nicht gerade Schundfilme schaut, schreibt er Theaterstücke für Kinder und Jugendliche, die dann auch regelmäßig aufgeführt werden. Kein Scherz.