Wolf Alice: Alleskönner

Wolf Alice: AlleskönnerWolf Alice
„Visions Of A Life“
(Dirty Hit)
Puh – was für eine Platte! „We wanted to come out with a big bang“ hatte Ellie Rowsell der Radiomoderatorin Annie Mac in einem Interview verraten und ja, das ist ihnen gelungen. Was jetzt folgt, ist reine Spekulation, aber die Vorstellung, die Aufnahmen des Nachfolgers von „My Love Is Cool“ könnten sich in etwa wie folgt abgespielt haben, ist so reizvoll wie naheliegend: Irgendwie bildet man sich beim Hören des Albums nämlich ein, Rowsell wäre nur mit sehr viel Mühe aus dem Studio zu zerren gewesen. Konventionelle und nicht selten langweilige Rockbands pflegen ja in der Regel einen bestimmten Stil, den sie über die Jahre zu perfektionieren versuchen – nicht so das Londoner Quartett. Schon der Aufschlag mit dem kreissägenbestückten Punkrock von „Yuk Foo“ war ja ein ziemlich sattes Pfund, doch wer glaubte, dass die Marschrichtung damit schon vorgegeben sei, der irrte. Und zwar gewaltig.

Rowsell hatte offenbar vor, neben Intuition und Unerschrockenheit einer weiteren, meistensteils weiblichen Eigenschaft ausreichend Geltung zu verschaffen – dem Multitasking. Und so stellt man sich vor, dass sie jedes Mal, wenn die drei Kollegen einigermaßen erschöpft das Studio verlassen wollten, einen euphorisierten Recall startete und auf eine nächste Kreativitätsprobe drängte. ‘Dreampop können wir doch auch!‘ wird es geheißen haben und flugs wurden „Heavenward“ und „Don’t Delete The Kisses“ eingespielt. Und ‘Hey, Jungs, spaciger Synthpop sollte doch kein Problem für uns sein!?‘ – zack, „Planet Hunter“ und „Sky Musings“ im Kasten. Danach hat sie in einer Pause vielleicht noch ein wenig Primal Scream gehört und so viel Gefallen daran gefunden, dass flugs für „Formidable Cool“ und „Sadboy“ ein nächster, neuer Dreh ausgemacht war.

Und so ging das möglicherweise weiter und weiter, hier ein paar bombastische Gitarrenwände hingezimmert, da wieder zart gezupfte Akustiktakte eingestreut, ein wenig Elektrofolk durfte auch nicht fehlen und gerade, als die Herren dachten, jetzt hätten sie’s endlich geschafft und der wohlverdiente Feierabend wäre zum Greifen nahe, ruft Rowsell für den Titelsong zum großen Psychrock-Finale und lässt in satte acht Minuten alles reinpacken, was bei drei nicht aus dem Aufnahmeraum verschwunden ist. Die Texte begleiten das wilde Auf und Ab mit ähnlicher Wechselhaftigkeit, neben der wütend gebrüllten Abfuhr steht die flauschige Liebesträumerei, auf ein paar entrückte Fantasien aus dem Orbit folgt, an der Grenze zum Kitsch oder schon drüber, die Ode an die verstorbene Lieblingsgranny, gefolgt von kruden Gedanken zu Tod und Weltenende. Klar ist: So eine Platte kann man entweder lieben oder hassen, Platz dazwischen ist nicht vorgesehen.
30.10.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
01.11.  Hamburg, Mojo
02.11  Köln, Luxor
10.01.  München, Ampere
12.01.  Zürich, Plaza

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