Wohin geht die Fotografie?

Wohin geht die Fotografie?Olympus E-M5 II | Panasonic Lumix G 20mm ƒ1.7 | 20mm (40mm KB) | ƒ8| 3,2s | ISO200 | Variabler ND-Filter | Capture One

Der Emmebach bildet sich etwa auf Höhe der Götzner Millrütte, wo er von mehreren kleineren Bächen die im Gebiet um die Hohe Kugel entspringen gespeist wird. Dieses Foto entstand dort, wo er in die Örflaschlucht einfließt.

Ich habe auch ältere Aufnahmen von dieser Stelle. Früher war für für solche Langzeitbelichtungen ein Stativ notwendig. Dieses Bild entstand hingegen mit einem variablen ND-Filter und der Olympus OM-D E-M5 II bei einer Verschlusszeit von 3,2 Sekunden aus freier Hand. Auch beim hochaufgelösten Originalbild (16MP) kann man auf 100% einzoomen und findet an der Detailschärfe nichts zu bemängeln. Ich zweifle, dass ein Stativ zu einem nennenswert schärferen Ergebnis geführt hätte. Dabei markiert die E-M5 noch nicht einmal die Spitze dessen, was mit einer MFT-Kamera heute stabilisierbar ist – von Dualstabilisierung mit einem entsprechenden Objektiv ganz zu schweigen.

MFT wird ja regelmäßig tot gesagt, zuletzt von Tony Northrup, einem der einflussreichsten Vlogger zum Thema Fotografie. Der Tod MFTs wäre aber schade. Und das sage ich nicht nur deshalb, weil ich Olympus liebe, sondern weil dem Kameramarkt damit eine echte Alternative verloren ginge.

Natürlich hat jeder Kamerahersteller seine Stärken und Schwächen. Dem einen Fotografen kommt Nikon eher entgegen, der andere findet sich besser mit Canon zurecht und wieder andere werden von Sony am besten bedient. Doch am Ende ist Vollformat Vollformat. Die Unterschiede der Vollformatmodelle verschiedener Hersteller liegen im Detail.

MFT hingegen ist ganz anders. Das System kann zwar nicht in der Top-Liga mitspielen, wenn es um Low-Light-Fotografie geht, Auflösungen wie sie bei Vollformat Usus sind, werden nicht erreicht und Hintergründe werden generell um 2 Blenden schärfer abgebildet, weshalb in manchen Situationen das Bokeh einer Kleinbildkamera nicht zu erreichen ist. Dafür hat man allerdings ein System dessen Volumen und Gewicht man durchschnittlich bei etwa der Hälfe von Vollformat ansetzen kann. Das ermöglicht eine völlig andere Mobilität und Art des Fotografierens. Außerdem ist die Bildstabilisierung eine Klasse für sich.

MFT ist weder besser noch schlechter als Vollformat. Es ist anders.

Ich weiß schon, dass es menschlich ist, wenn Leute glauben das was für sie richtig und wichtig ist, sei das generelle Maß der Dinge, und alles Andere unnütz. Das macht es aber auch nicht richtiger.

Ein Markt, in dem ich nur mehr zwischen Vollformatkameras von Sony, Nikon, Canon, Pentax und Panasonic wählen kann, ist nicht besser – er ist ärmer.

Nun halte ich zwar viel von Vielfalt, dennoch hat es mich überrascht, dass Nikon vor kurzem mit der Z50 eine neue Modellschiene spiegelloser Kameras mit DX-Sensor vorgestellt hat. Tony Northrup hat recht, wenn er argumentiert, dass jedes Kamerasystem vom Hersteller hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung fordert. Ein System besteht ja nicht nur aus einer Kamera – die Objektive sind beinahe wichtiger bedeutender.

Als ich vor einigen Jahren nach einem kompakten, spiegellosen Zweitsystem neben meiner DSLR-Ausrüstung suchte, habe ich mich für MFT und gegen Sony entschieden, weil das Angebot an MFT-Linsen schon recht gut war, während für das Sony-System noch kaum eine nennenswerte Objektiv-Auswahl bestand.

Ich schätze, dass sich der Trend fortsetzt, dass Vollformatsensoren weiter billiger werden. Preiswerte Vollformatkameras eines Herstellers betrachte ich aber als ganz schlechtes Argument für dessen APS-C-Kameras. Das betrifft nicht Hersteller wie Fujifilm. Fujifilm hat kein Vollformat neben der APS-Schiene und die Mittelformatmodelle spielen in jeder Hinsicht in einer anderen Liga.

Sony hat zwar spiegellose Kameras mit APS-C und Vollformat, braucht aber nicht zusätzlich auch noch ein DSLR-System pflegen.

Bei Canon und Nikon sieht es anders aus. Die beiden Hersteller sind noch immer vor Spiegelreflexsystemen abhängig. Canon hat zwar seit einiger Zeit das spiegellose M-System neben DSLR mit Vollformat und APS-C im Programm, aber einen besonders ambitionierten Eindruck hat das bislang wohl nicht vermittelt. Ich wäre nicht überrascht, wenn es eines Tages den Weg gehen würde, den schon Nikons One-System gegangen ist.

Weshalb Nikon mit der Z-DX neben Z-FX, DSLR-DX und DSLR-FX eine vierte Baustelle aufgerissen hat ist mir ehrlich gesagt rätselhaft. Das sind vier Produktschienen die zu pflegen sind. Nehmen wir einmal an, Nikon hätte nicht bereits die Entscheidung getroffen, dass DSLR ein Auslaufmodell ist, wären für diese vier Schienen vier Mal Forschung und Entwicklung notwendig. Das stelle ich mir schwierig vor. Weniger wegen der Kameramodelle, als vielmehr wegen der Objektive. Die optischen Anforderungen dieser Systeme sind dermaßen unterschiedlich, dass sich die Optiken immer nur für eines optimieren lassen. Ob das vor dem Hintergrund schrumpfender Kameramärkte der Weisheit letzter Schluss ist?

Aber das wirft nicht nur Fragen für die Hersteller auf. Auch für den Einsteiger ins Nikon-Universum ist die Frage, zu welcher Kamera greifen, keine leichte. Das wurde mir unlängst klar, als ich zum Thema um Rat gefragt wurde. Wer preiswert einsteigen möchte, wird am ehesten zur DSLR-FX greifen, zur 3000er oder 5000er Reihe. Aber haben DSLR-Kameras mit DX-Sensor bei Nikon überhaupt noch Zukunft? Ich würde nicht darauf wetten!

Wie gesagt: Die Märkte schrumpfen. Nicht, dass ich mir Sorgen mache, dass Fotografie in absehbarer Zeit aussterben wird. Berufsfotografen brauchen professionelles Werkzeug. Und auch ambitionierte Amateure können ihre Digitalkameras noch lange nicht durch Smart Phones ersetzen. Zwar sind die Resultate der kleinen Alleskönner bei vielen Motiven und unter normalen Ausgabebedingungen kaum mehr von Aufnahmen mit echten Kameras zu unterscheiden. Sogar Bokeh wird schon verblüffend realistisch simuliert. Dass man aber in absehbarer Zeit mit dem Telefon scheue Vögelchen einfangen kann, kann ich noch nicht erkennen, von Vögeln im Flug ganz abgesehen.

Und nicht nur mit bestimmten Motiven haben Handys ihre Probleme. Auch die Ergonomie der Geräte ist mit jener einer Kamera nicht vergleichbar. Man kann mit einem Smartphone Bilder machen, aber man kann damit nicht fotografieren.

Bilder machen ist allerdings der Grund, weshalb Menschen in den vergangenen Jahrzehnten Kameras gekauft haben. Ich nehme an, Otto Normalverbraucher hat für die Hersteller in der Vergangenheit eine deutlich größere Rolle gespielt, als der anspruchsvolle Hobby- oder Berufsfotografie. Doch Otto Normalverbraucher braucht heute keine Kamera mehr. In den Händen eines Laien erzielt auch eine Systemkamera nur noch selten automatisch bessere Ergebnisse als das Handy. Oft sogar im Gegenteil, denn in den kleinen Alleskönnern arbeiten Algorithmen, die sowohl die Einschränkungen der winzigen Kameratechnik, als auch die Unbedarftheit des Anwenders ausbügeln.

Der Markt wird also weiter schrumpfen. Für die Hersteller wird es zunehmend enger werden. Ob es vor diesem Hintergrund klug ist sein Produktsortiment immer weiter auszudehnen und immer noch schneller mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen? Früher oder später muss den Kunden doch bewusst werden, dass sie auch mit dem 2020er Modell keine besseren Fotos machen, wie mit dem von 2019. Ich glaube, dass auch ambitionierte Fotografen nicht auf Dauer jedes Jahr das Modell des Vorjahrs durch das neueste ersetzen werden.

Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass sich der Markt in den nächsten Jahren weiter bereinigen wird. Nicht unwahrscheinlich, dass wir weitere Marken verschwinden sehen werden. Noch wahrscheinlicher allerdings, dass ein paar Hersteller einzelne Systeme fallen lassen werden. Ein zu breites Produktsortiment ist selten gut für eine positive Bilanz.


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