Wo Fifoo drauf steht, ist spannender junger Tanz drin

Ester Balfe beim Fifoo Tanzfestival in Wien

Ester Balfe / The Forsythe Company (Konservatorium Privatuniversität Wien (AUT) / “Insight” / (Foto: Max Moser)

Bereits zum zweiten Mal bestreitet der Bühnenkunstverein Fifoo ein buntes Tanzprogramm im Palais Kabelwerk, das sich dafür bestens eignet. Unter der künstlerischen Leitung der in Wien lebenden Tänzerin Kanako Sako werden noch bis 9. Juni insgesamt acht Produktionen gezeigt, deren einzige Gemeinsamkeit der körperliche Ausdruck auf der Bühne ist. „Junge TänzerInnen brauchen eine Bühne, auf der sie auftreten können“, erklärt Frau Sako, der auch die Vernetzung von Ausbildungsinstitutionen für zeitgenössischen Tanz in Österreich ein Anliegen ist. Diesen Austausch, den sie selbst während ihres Studiums vermisst hat, möchte sie in Gang bringen und jungen TänzerInnen in Wien die Möglichkeit eines frühen öffentlichen Auftrittes ermöglichen. Neben den Studierenden sind es aber auch ProfitänzerInnen, die mit eigenen Beiträgen vertreten sind. Diese seltene Kombination ergibt einen spannenden Mix, der eine große Bandbreite an Tanzproduktionen bereithält.

Mit dem Stück „Watanebekun“ aus „Luftraum Projekt/Serie O“ eröffnet Kanako Sako selbst das Festival. Auf einer dunklen Bühne tritt sie in einen schwachen diffusen Lichtraum und imitiert dabei nicht nur körperlich, sondern auch stimmlich einen einsamen Vogel. Der Lichtpegel, der das gesamte Stück über sehr niedrig bleibt, gestattet Assoziationen zu einer Traumwelt oder zumindest zu einem Geschehen, fern ab jeder hektischen Zivilisation. Die präzisen, sparsamen Bewegungen benötigen keine unterlegte Musik und erreichen so eine Fokussierung auf das meditative Geschehen. Diesem Einstieg, der stark von einer japanischen Ästhetik geprägt ist, folgt ein zweiter Teil, in welchem die Tänzerin ein neues, wesentlich runderes und geschmeidigeres Bewegungsmaterial verwendet. Unterlegt wird dies von einer exakten rhythmischen Grundlage, die mit minimalen Perkussionselementen arbeitet. Inspiriert wurde Kanako Sako von Werken des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Im Programmheft gibt sie dabei auch den kleinen Hinweis auf „Naoko“ – einer weiblichen Figur des Literaten, die mit ihrer geheimnisvollen Aura in einem Roman einer lebenslustigen Rivalin gegenübergestellt wird. Die zarte Rückverwandlung der lebensvollen jungen Tänzerin in den geheimnisvollen Vogel und sein abruptes Verschwinden lassen ganz abseits der literarischen Vorlage viel Spielraum für eigene Interpretationen.

Ceren Oran - beim Fifoo Tanzfestival in Wien

Ceren Oran (TRK) “Youmemeyouhemeshewemeyouheshewetheyusme…….” (Foto:Ceren Ora)

Mit der Arbeit „Insight“ zeigt Esther Balfe, Mitglied der Forsythe Company, mit dem Studiengang Zeitgenössischer und Klassischer Tanz des Konservatoriums der Wiener Privatuniversität ein spannendes Cross-over-Projekt, dessen Choreografie „Woolf Phrase“ von William Forsythe sie mit den jungen TänzerInnen erarbeitet hat. Laura Böttinger, Katharina Deschler, Naja Novak, Thomas Riess – der einzige Mann an diesem Abend – Anna Schumacher und Manaho Shimokawa beeindrucken allesamt mit ihrem Können, das bereits auf einem hohen technischen Niveau angesiedelt ist. Textpassagen von Virginia Woolf stehen in Konkurrenz zum tänzerischen Geschehen und umfangen es gleichzeitig mit einer indifferenten Verortung. Ein Sommertag am Meer bildet die sprachliche Grundlage, auf der sich zur Musik von Thom Willems ein ganzes Kaleidoskop von tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten entfaltet. Eine große Herausforderung stellen auch jene Passagen dar, in welchen die TänzerInnen ihre Stimme einsetzen müssen. Der permanente Wechsel zwischen Deklamation und Tanz erfordert grundsätzlich unterschiedliche Bühnenpräsenzen, denen das junge Ensemble jedoch völlig gewachsen ist.

Mit „Youmemeyouhemeshewemeyouheshewetheyusme…“ der Solistin Ceren Oran, einer jungen Tänzerin aus der Türkei gebürtig aber in Salzburg lebend, folgt einer der Höhepunkte des Abends. Die charismatische Künstlerin hat ihre Performance „allen Protestierenden gewidmet, die für Freiheit und gegen faschistische Einstellungen und menschliche Diskriminierung kämpfen“ und agiert im Spannungsfeld zwischen Tanz, Performance und Pantomime. Ihre Erzählung basiert auf einer poetischen Transkription der Schwierigkeiten, der sich Fremde in einem neuen Land ausgesetzt sehen. Mit einem kleinen Köfferchen ausgestattet – und von einer perfekten Lichtinszenierung begleitet – kämpft sie um einen Platz in der Gesellschaft, der ihr jedoch nur auf deren unteren Rängen zugestanden wird. Witzig und berührend zugleich veranschaulicht sie mit Hülsenfrüchten nicht nur die Anzahl der MigrantInnen in Österreich zwischen 2002 und 2012, sondern verdeutlicht, wie sehr diese auch zum Spielball von Gesellschaft und Politik werden können. Eine beeindruckende und berührende Session, die es verdient, vor einem großen Publikum gezeigt zu werden.

Den Abschluss des ersten Abends machten tanz.coop aus Wien mit Cäcilia Färber, Anna Possarnig, Anna Schumacher sowie Linda Sperger, die mit ihren 9 Jahren den Damen gerne die Show stiehlt. „I wanna be a super hero“ unter der Choreografie von Gisela Elisa Heredia aus Argentinien lotet nicht nur Träume aus, die sich in der Idee ergehen eine Super-Heroin zu sein, sondern erzählt auch vom schwierigen, schweißtreibenden Weg dorthin. Heros gibt es viele, erfährt man in dieser Produktion, aber auch, dass Gemeinschaft ein nicht zu unterschätzendes Gut ist. Zwischen lockeren Tanzsequenzen, wie sie in den 80er Jahren in einem Fernsehballett zu sehen waren, und ausdrucksstarken Körperbildern, die wie eingefroren wirken, arbeiten die TänzerInnen auch mit einer ganzen Reihe von bodenakrobatischen Elementen, wobei sie eine bewundernswerte Kondition aufweisen.

Wer Lust auf weitere geballte Tanzladungen hat, kommt noch bis inklusive 9. Juni auf seine Kosten.
Links: www.fifoo.at


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