Wild und wunderbar! Pflegeleichtes Gärtnern für weise Menschen

Von Mel @mschellack

Eigentlich wollte ich jetzt den versprochenen Beitrag über unsere Wegbegrünung machen. Da es aber so viele Reaktionen bei Facebook auf die begrünte Baumscheibe vor dem Haus gab, habe ich mich entschieden das Thema etwas auszuweiten.

Ich bin nämlich der festen Überzeugung, das wir mehr Menschen überzeugen können wild und wunderbar zu gärtnern, wenn sie erkennen, dass das gar nicht so viel Arbeit macht, nicht unordentlich aussieht und nicht nur die Natur davon profitiert sondern sie selber auch.

Aber fangen wir erst mit der Baumscheibe an! Die Nachbarin schräg unter mir pflegt schon lange eine Baumscheibe. Es ist die einzige in der Siedlung, die bepflanzt und gepflegt wird. Die anderen in städtischer Obhut wuchern vor sich hin oder werden zugemüllt oder vollgesch.... Diese nicht! Sie hat die irgendwann einfach bepflanzt. Stück für Stück mit geretten Stauden oder mit Pflänzchen die sie extra gekauft hat. Sie freut sich, dass ich mich angeboten habe die mit sauber zu halten und ggf noch weiter zu begrünen.

Die Stauden haben sich inzwischen so ausgebreitet, dass man theoretisch ausstechen und teilen könnte um die nächste Baumscheibe zu begrünen. Und damit sind wir schon bei dem Thema:

Gärtnern kostet doch viel Zeit und Geld

Es ist wie immer: Wenn ich etwas sofort haben möchte, dann wirds teuer! Wenn ich mir aber Zeit lasse, dann stehen die Chancen gut, dass es günstiger wird (vielleicht sogar gar nichts...).

Pflanzen haben eine Angewohnheit, die man weise nutzen kann: Die wachsen einfach so vor sich hin und wenn sie groß genug sind, dann kann man sie vermehren, teilen, neu aussäen! Das Verfahren nutzen u.a. Gärtnereien um uns Pflanzen verkaufen zu können, also warum macht man das nicht selber?

Wir sind Fans von Oregano! Nachdem wir den optimalen Standort im Garten gefunden hatten, habe ich 2 Pflänzchen gekauft. Einen kriechenden und einen „Goldenen" Oregano. Die Pflänzchen stehen sicher bei mir auf dem Balkon. 1. weil ich dort auch gerne ernten möchte und 2. damit man immer Mutterpflanzen hat auf die man nochmal zurückgreifen kann, falls die Babies im Garten erfrieren. Nach 3 Jahren haben wir einen Teppich von ca 2 qm Oregano, der komplett aus diesen Stecklingen gezogen wurde. Nicht übel oder?

Wie macht man Babies?

Dieses Mal haben die Bienchen mit den Blümchen nicht zu tun, sondern benötigen unsere Hilfe.

Man nimmt in der Regel frische Kopfstecklinge und entfernt die unteren Blätter. Dann werden sie so tief in den Boden gesteckt, dass mindestens die unteren beiden Blattpunkt in der Erde stecken. Dann nur noch regelmäßig gießen und fertig.

Das kann man übrigens mit fast allen Kräutern machen und wisst Ihr was das Schönste daran ist? Wir Menschen ernten die Kräuter und wenn wir einige blühen lassen (dann kann man die Kräuter meistens nicht mehr nutzen), dann bleibt auch etwas für die Insekten über. Wer schon mal die Insektenparty auf einem wilden Oregano gesehen hat, weiß wovon ich rede.

Neuigierig geworden? Hier gibts eine genauere Anleitung vom NDR zu dem Thema:

P.S: Das geht übrigens auch mit Gehölzen und Heckenpflanzen. Ich habe in unserem altem Zuhause eine Grundstücksgrenze von über 15 Metern abgepflanzt. Pflanzen kaufen war mir für die gesamte Länge zu teuer, aber wie schon beschrieben: Mutter Natur ist großartig. Hier ein Holundersteckling, da eine Haselnuß, dort eine Weigelie, eine Felsenbirne und als der Nachbar seine Bauernjasminhecke geschnitten hat und 5 lange Steckhölzer zu uns rübergefallen sind, wurden die auch eingearbeitet. Günstiger und besser gehts nicht. Alle 2 Jahre schneidet man die auf Augenhöhe runter und lässt sie wieder wachsen.

Jetzt aber zurück zum Schrebergarten. Als wir den übernommen haben, war unser Gartenweg in Beton gegossen. Da das eine Versiegelung der Oberfläche ist, mussten wir den aufnehmen und die Gelegenheit für eine Umgestaltung war perfekt. Aber was machen: Wieder komplett pflastern?

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass wir das zuerst gemacht haben. Mutter Natur hat uns dann aber den -sprichwörtlichen- Stinkefinger gezeigt und in den Fugen wuchsen so viele Pflanzen, dass es ewig gedauert hat, bis wird die da rausgekratzt hatten. Es musste eine andere Lösung her und die war:

Ein grüner, begehbarer Weg


Eine Fachfrau und liebe Bekannte von mir hat etwas zu dem Thema: Aktive Fugenbegrünung geschrieben und wir haben das dann noch etwas ausgeweiter. Als erstes wurden 50% der Steine entfernt und da wir noch jede Menge Split hatten, haben wir den als Eyecatcher zwischen die Steine gefügt. Dann ging die Suche nach Stauden los. Einige konnten wir direkt aus dem Garten durch Teilung entnehmen, andere haben wir nach und nach etweder auf Pflanzenbörsen oder als Schnäppchen in den Baumärkten oder auch Discountern erstanden. Nach 3 Jahren schließen sich die Lücken und wird können wieder teilen. Bis auf einige Nachtkerzen, Echium und wildem Oregano (die samen sich immer aus) wächst dort nur das was auch wachsen soll. Wir fahren da mit dem Bollerwagen drüber. Nicht oft, aber die Pflanzen überstehen das!

Ihr habt auch Lust auf sowas? Dann guckt doch mal nach der passenden Staude für Euch: Hier gibts eine Liste mit 182 Pflanzen.

Gärtnern mit selbstständigen Pflanzen

Hä, was ist das denn schon wieder? Selbstständige Pflanzen sind Pflanzen, die sich zuverlässig und gerne neu wieder aussamen oder per Ausläufer vermehren und durch den Garten wandern so wie oben im Weg unser Echium, die Nachtkerzen und der Oregano. Wir haben eine Kapuzinerkresse im Beet, die auch jedes Jahr wieder neu wächst und unser Borretsch geht mir manchmal so auf den Keks, dass ich ihn großflächig ausrupfe (ist ein prima Dünger). Die wilde Rauke erscheint regelmäßig auch irgendwo im Garten und kommt bei uns in jeden Salat!

Warum wachsen die Pflanzen an einigen Stellen und an anderen nicht? Wenn sie sich doch selber aussamen und dort wachsen, dann scheint der Standort dort doch scheinbar optimal für sie zu sein. Wenn man sich keinerlei Gartenplanungen vornimmt und sich zurücklehnt und abwartet wo welche Pflanze erscheint, dann zupft man etwas und setzt z.B. seine Gemüsepflanzen einfach dazwischen. Das funktioniert bei uns prima und macht weniger Arbeit als wenn ich versuche die Beete krampfhaft sauber zu halten und zu beackern (wir graben eh nicht um, lockern nur den Boden wenn nötig).

Es gibt ein tolles Buch zu dem Thema:Selbst ist die Pflanze

Bevor ich das gelesen habe, wusste ich gar nicht, dass ich mit selbstständigen Pflanzen gärtnere. Man lernt echt nie aus 😉

Ich könnte nich stundenlang so weiterschreiben, aber dann hat keiner mehr Lust das zu Lesen. Vielleicht hilft ja der Aufruf:

Gartentrend 2019 wird: Wild und wunderbar!

Wer macht mit?