Wie winzige Spiegel: Nanopartikel in Sonnencremes

Von Abraxia

Nanopartikel finden sich in vielen Alltagsprodukten wieder, in Lebensmitteln, auf Bekleidung und auch in der Kosmetik. Widersprüchliche Meldungen ob der Gefahren gehen durch die Medien, da es unterschiedliche Forschungsstände zu den einzelnen Einsatzgebieten und Materialen gibt. Verbraucher bleiben oft verunsichert zurück. Wir nähern uns heute der Frage an, warum Nanopartikel in Sonnencremes vorkommen und ob davon Gefahren ausgehen. Die Kosmetikindustrie bedient sich dieser winzigen Teilchen vor allem, um sie in Sonnenschutzprodukten als UV-Filter anzuwenden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Zinkoxid und Titanoxid, die auch in Naturkosmetikprodukten zum Einsatz kommen.

Zwergenaufstand

Da Wort Nano hat seine Wurzeln im Griechischen Nanos, wo es so viel wie „Zwerg“ bedeutet. Tatsächlich gelten winzige Teilchen als Nanopartikel, wenn sie eine Größe zwischen einem und 100 Nanometern aufweisen. Bei einem Nanometer handelt es sich um den millionsten Teil eines Millimeters. Es besteht eine Kennzeichnungspflicht für Kosmetika seit 2013.

Unterschiede zu chemischen UV-Filtern

Klassische Sonnencremes enthalten chemische UV-Blocker, die als gelöste organische Verbindungen als Filter fungieren. In den letzten Jahren sind diese zunehmend in die Kritik geraten, vor allem die Stoffe Butyl Methoxydibenzolmenthane, Octocrylene und Ethylhexyl Methoxycinnamate. Forscher fanden Hinweise auf eine hormonelle Wirkung dieser Substanzen und glauben, dass große Mengen die Entstehung einiger Krebsarten und einen Rückgang der Fruchtbarkeit begünstigen. Außerdem stehen chemische UV-Filter in Verdacht, Allergien auszulösen. Viele Naturkosmetikhersteller nahmen Sonnenschutzprodukte ganz aus ihrem Programm – bis mineralische UV-Filter verstärkt in den Fokus rückten. Zinkoxid und Titanoxid finden sich oft auf der Liste der Inhaltsstoffe vieler Sonnenschutzprodukte, auch in solchen aus der Biobranche. Damit die Creme nicht als dicke, weiße Schicht auf der Haut liegt, werden Nanopartikel eingesetzt. Die winzigen Teilchen dienen als physikalischer Sonnenschutz, da sie das Sonnenlicht reflektieren können, so wie ein kleiner Spiegel, der aus Milliarden kleinster Teilchen besteht.

Risiken für den Menschen vor allem durch Einatmen

Was die gesundheitlichen Risiken durch Nanopartikel in Sonnencremes betrifft, herrschen unterschiedliche Meinungen. Kritiker vertreten den Standpunkt, dass Nanopartikel über die Haut in die Blutbahn gelangen können. Andere Forscherteams vertreten die These, dass Nanoteilchen die Hautbarriere der gesunden Haut nicht durchdringen können. Auf der Informationsseite nanopartikel.info heißt es dazu: „Untersuchungen der Industrie als auch unabhängige Studien, die im Rahmen des EU-Projektes NanoDerm durchgeführt wurden, zeigten, dass diese Partikel aus Sonnenschutzprodukten nicht durch die gesunde Haut in den Körper gelangen und somit keine gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher bestehen. Bisherige Studien wurden jedoch meistens am Tiermodell oder in Zellkulturen durchgeführt.“ Das Umweltbundesamt sieht in fest gebundenen Nanoteilchen ebenfalls keine Gefahr: „Solange Nanopartikel fest in Materialien eingebunden sind und nicht freigesetzt werden, ist nach Ansicht des Umweltbundesamtes eine Gefährdung von Mensch und Umwelt kaum zu erwarten. Über die Freisetzung ursprünglich fest eingebundener Teilchen aus Produkten durch Alterungs- oder Abbauprozesse liegen bisher keine Informationen vor.“

Anders stellt sich für Fachleute die Lage dar, wenn Nanoteilchen eingeatmet werden, etwa durch ein Spray. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums in München zeigte in einem Rattenversuch, dass Nanopartikel über die Lunge in den Körper gelangen können. Viele Versuchstiere erkrankten.

Im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 66 vom 22.12.2010 heißt es in Bezug auf Zinkoxid in Kosmetika:“ Eine Verwendung in treibmittel-basierten Sprays ist nicht gestattet.“

Risiken für die Umwelt

Sonnenschutzmilch ist ein ständiger Begleiter zum Badesee oder zum Strand. Wird die Creme vor dem Baden aufgetragen, können Nanoteilchen sich im Wasser lösen und dort das ökologische Gleichgewicht durcheinander bringen. Studien haben erwiesen, dass Titanoxid sich schädlich auf Wasserlebewesen auswirkt. Eine US-Studie aus dem Jahr 2012 legte Schäden auf Ackerböden durch die Zugabe von Zinkoxid nahe.

Chemisch oder mineralisch? Die Wahl des richtigen Sonnenschutzes bleibt nach wie vor schwierig. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand sind Cremes gegenüber Sprays zu bevorzugen. Wer den Sonnenschutz erst nach dem Baden aufträgt, kann zudem die Umwelt schonen.

Foto: Tim Reckmann/Pixelio.de