Wie viel schlimmer ist es heute als es gestern war?

? Mit welchem Gefühl wachst du momentan auf?

! Mit keinem schlechten Gefühl, keine Angst, aber mit einem Gefühl der Unsicherheit. Seitdem das Virus im Umlauf ist gibt es immer wieder Infos aus den Medien, die mich verunsichern und die Lage wird ja mit der Zeit nur schlimmer. Der vorherrschende Gedanke an jedem neuen Morgen ist deshalb eigentlich nur: Wie viel schlimmer ist es heute als es gestern war?

? Mit welchem Gedanken gehst du abends ins Bett?

! Ich gehe vor allem mit der Hoffnung ins Bett, dass es am nächsten Tag irgendwelche Anzeichen dafür gibt, dass die Zahl der Neuansteckungen und der Todesfälle zurück geht, also die bekannte Kurve abflacht. Von Deutschland ganz unabhängig freue ich mich, wenn ich sehe, dass andere Länder Wege gefunden haben, das Virus besser in den Griff zu bekommen und damit als ein gutes Vorbild dienen. Das sind die Infos nach denen ich suche. Ich habe allerdings keine Probleme einzuschlafen, ich kann also nicht von einer Panik bei mir sprechen.

? Wie wirkt sich die mediale Berichterstattung auf deine Stimmung aus?

! Natürlich schlecht, angesichts der konstant schlechten Nachrichten. Ich habe vor ein paar Tagen gemerkt, dass ich das begrenzen muss, weil es mir wirklich nicht hilft. Ich habe noch nie so viel Nachrichten geguckt und wie hypnotisiert auf jede Schlagzeile geklickt, die das Wort Corona im Titel hatte. Das sieht mir eigentlich gar nicht ähnlich und ich passe jetzt auf, dass ich nur noch ein paar ausgewählte Kanäle für diese Infos verwende, wie zum Beispiel den Corona Update Podcast. Ansonsten lenke ich mich ab, in erster Linie mit Musik machen und Videospielen.

? Inwiefern beeinflusst die derzeitige Situation deine berufliche Zukunft?

! Ich bin von Beruf Musiker, genauer solo-selbstständiger Singer-Songwriter. Ich bin einer der wenigen, die in der Branche komplett alleine arbeiten, ganz ohne Band oder Team und nur davon alleine leben können. Sämtliche Auftritte bis Mitte Juni wurden abgesagt, was ich natürlich sehr schade finde, weil ich nichts lieber tue als aufzutreten und es mich einiges an Geld kostet, weil ich zum Großteil von Auftritten lebe. Im Gegensatz zu vielen Kollegen sehe ich das Ganze aber eher gelassen, weil ich Ersparnisse habe, die mir über die Zeit hinweg helfen. Deswegen denke ich auch, ich habe viel weniger Grund, mich zu beschweren, als viele andere Selbstständige, die jetzt um ihre berufliche Existenz bangen müssen und so ist es für mich auch nicht so schlimm, dass die Soforthilfe auf mich nicht zutrifft. Dafür sind Rücklagen ja da. Ich bin zuversichtlich, dass ich meinen Job behalten können werde, denn die Menschen werden hinterher Musik genauso brauchen wie vorher, gesichert ist mein Job allerdings genauso wenig wie vorher. Man könnte sagen, ich bin nach 7 Jahren in diesem Beruf, die generelle Unsicherheit schon gewohnt. Im übrigen bin ich es auch gewohnt, einen großen Teil meiner Zeit drinnen zu verbringen und allgemein viel Zeit zu haben, es ändert sich also nicht wahnsinnig viel für mich. Das mit Abstand schlimmste an der ganzen Situation ist allerdings, dass ich meine Hochzeitsfeier im Mai absagen muss.

? Was geht in dir vor, wenn du Corona hörst?

! Ich kann es schon nicht mehr hören und da geht es nicht nur mir so. Man hört und liest es ja überall gerade und es wird langsam zu einer Art Voldemort, das Wort, das nicht genannt werden darf. Ich denke es ist okay, dass es so ist, es gibt gerade Schlimmeres, als von einem Wort und seinem inflationären Gebrauch genervt zu sein.

Die Antworten stammen von einem 31 Jahre alten Singer-Songwriter. Er ist verlobt und wollte eigentlich im Mai seine Hochzeit feiern.


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