Wie umweltfreundlich sind eigentlich Pellets? Teil2

Dieser Artikel ist Teil 2 von 2 in der Artikelserie Wie umweltfreundlich sind eigentlich Pellets?

Nachdem wir uns im ersten Teil des Artikels “Wie umweltfreundlich sind eigentlich Pellets?” mit der Frage auseinandergesetzt haben, was eigentlich Holzpellets sind, den Nachteil Feinstaub angesprochen haben und uns abschließend mit der Holzalternative: Hackschnitzel beschäftigt haben geht es jetzt also weiter.

Zertifikate für Pellets und Hackschnitzel

Der Wald muss immer wieder aufgeforstet werden, damit die Pelletsnutzung umweltschonend ist.

Der Wald muss immer wieder aufgeforstet werden, damit die Pelletsnutzung umweltschonend ist.

Die Gewinnung von Pellets ist nur dann umweltschonend, wenn das Holz, das für die Pelletherstellung jedes Jahr gebraucht wird, auch jedes Jahr nachwächst. Das heißt, wenn fünf Tonnen Holz abgeholzt werden, müssen auch fünf Tonnen Holz im Wald wieder aufgeforstet werden. Wichtig ist, dass nicht die Anzahl der Bäume wieder aufgeforstet werden muss, sondern die Masse (Tonnen).

Bis vor wenigen Jahren ließ man die Baumkronen im Wald verrotten und die Mineralien und Nährstoffe wurden dem Boden zurückgegeben. Mittlerweile werden die Bäume für die Herstellung der Pellets komplett genutzt, von der Wurzel bis zur Baumkrone. Man müsse jedoch abwägen, gibt Bernhard Zimmer, Holzexperte vom Institut für nachhaltige Entwicklung zu bedenken:”Wenn in den Kronen der Fichten, die nach Stürmen im Wald liegen, der Borkenkäfer nistet, ist es absolut sinnvoll, das Holz zu verwerten. Man muss es also von Standort zu Standort entscheiden, aber es ist natürlich auf die Nährstoffbilanz ein Augenmerk zu richten.”

Seit drei Jahren gibt es eine europaweit gültige Norm für die Qualität von Holzpellets. Kriterien sind hier aber nur ein bestimmter Mindestheizwert sowie gewisse Anforderungen an Größe und Durchmesser der Pellets. Es geht also lediglich um die Qualität der Pellets. Die Zertifikate ENplus und DINplus sagen auch nicht zwangsläufig etwas darüber aus, ob die Pellets aus der Region bzw. aus heimischen Wäldern stammen. Immerhin sind die Herstellungswege nachvollziehbar. Das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) vergibt beispielsweise das ENplus-Zertifikat und schließt damit mit den Abnehmern einen Nutzungsvertrag: “Beim Pelletproduzenten werden einmal jährlich die Anlagen sowie der Ablauf des Produktionsprozesses überprüft und Proben entnommen”, heißt es beim DEPI.

Umweltsiegel “Blauer Engel”
blauer-engel-100~_v-image256_-a42a29b6703dc477fd0848bc845b8be5c48c1667Auch der “Blaue Engel” kennzeichnet seit 2010 technisch getrocknete Hackschnitzel und Holzpellets. Die Wärme zur Trocknung muss hierbei entweder durch erneuerbare Energien oder aus industrieller Abwärme bereitgestellt und effizient eingesetzt werden. Die Feinstaubemissionen, die bei der Herstellung entstehen, müssen “strengen Grenzwerten genügen”, lautet eine der Anforderung des “Blauen Engel”. Außerdem ist festgelegt, dass für die Herstellung der Holzhackschnitzel und Holzpellets nur Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft und chemisch unbehandelte Holzrückstände verwendet werden. Pellets, die mit dem “Blauen Engel” gekennzeichnet sind, bilden zudem die Transportaufwendungen für die Anlieferung der Holzrohstoffe ab und erhalten dafür die Umschrift “weil nachhaltig und energieeffizient erzeugt”.

Regine Vogt, vom Heidelberger IFEU-Institut, die zusammen mit dem Öko-Institut in Freiburg genau solche Kriterien erarbeitet hat, würde dem Verbraucher deshalb auch den “Blauen Engel” als Zertifkat empfehlen, “weil es eben auf mehrere Aspekte guckt, wie einmal die Treibhausgase, dass da wenig Emission anfällt. Dann aber auch die nachhaltige Herkunft von Hölzern, was bei den DIN EN-Labeln noch nicht drin ist. Die denken zwar auch drüber nach, aber Holzherkunft ist da noch kein Thema. Es ist aber ein wichtiges Thema, wie ich finde.”

Endliche Biomasse

Holz sollte nicht nur zum Verbrennen genutzt werden.

Holz sollte nicht nur zum Verbrennen genutzt werden.

Ökologischer Umgang mit Holz besteht darin, dass dessen Verbrennung erst am Ende einer langen Verwertungskette steht. Das nennen die Fachleute dann “Kaskadennutzung”. Es hat wenig mit einer verantwortlichen Ressourcenpolitik zu tun, Holz zu verfeuern, damit fossile Brennstoffe zu ersetzen, das auch noch steuerlich zu fördern und am Ende festzustellen, dass es mit der hiesigen Biomasse nicht zu stemmen ist. Denn dann wird sicher über kurz oder lang auch mehr tropischer Regenwald illegal abgeholzt, weil die Nachfrage da ist und es sich wegen des Preises lohnt.

Deshalb warnt auch Bernhard Zimmer: “Da gibt’s irgendwo eine Grenze. Wenn wir anfangen, einen nachwachsenden dezentralen Energieträger von weit herzuholen, um ihn zentral zu verarbeiten. Da muss man mal ökologisch darüber nachdenken. Wir haben eine begrenzte Waldfläche und damit ein begrenztes Nachwachspotential.”

Kosten für Pellets steigen
Auch wenn in den letzten Jahren die Preise für Holzpellets und Holzhackschnitzel massiv gestiegen sind, bleiben sie immer noch eine kostengünstigere Alternative zu den fossilen Brennstoffen. Laut aktueller Preisliste des gemeinnützigen Vereins C.A.R.M.E.N., das Centrale-Agrar-Rohstoff-Marketing- und Energie-Netzwerk e.V., liegt der Preis für fünf Tonnen Holzpellets (bei einer Lieferung im Umkreis von 50 Kilometern) für den September 2013 bei durchschnittlich 270 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von etwa 50 Prozent für den Zeitraum der vergangenen fünf Jahre. Da aber auch Heizöl und Erdgas inzwischen wesentlich mehr kosten, liegt der Preis für die Megawattstunde Energie für Holzpellets immer noch weit unter dem der fossilen Brennstoffe.

Hintergrund
Die Preisentwicklung hat Folgen für die industrielle Energiegewinnung. Der Essener Energiekonzern RWE schließt Ende Oktober 2013 sein Biomassekraftwerk im britischen Tilbury, das mit 750 Megawatt weltweit größte Kraftwerk dieser Art. Für den Weiterbetrieb wären Investitionen nötig gewesen, die sich angesichts der schwierigen Marktsituation nicht gerechnet hätten, sagt ein RWE-Sprecher. Auch in Großbritannien sind die Preise im Stromgroßhandel und damit die Erlöse der Konzerne erheblich gefallen. Das ehemalige Kohlekraftwerk war erst 2010 auf Biomasse-Pellets umgestellt worden. RWE ist offenbar mit dem Biomasse-Geschäft unzufrieden. Der Verkauf kleinerer Anlagen in Tschechien, Deutschland und Italien steht zur Disposition und auch für das Pellet-Werk in den USA werden alle Optionen geprüft, wie eine RWE Sprecherin bestätigt hat. Das Werk produziert nach Firmenangaben jährlich immerhin 750.000 Tonnen Holzpellets für den Export nach Europa.

Förderung
Für den Privatverbraucher interessant: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst auch weiterhin den Kauf von Pellet-Öfen mit Wassertasche. Wer jetzt in die Anschaffung eines solchen Gerätes investiert, erhält dafür 1.400 Euro staatliche Unterstützung. Wer den wasserführenden Pellet-Ofen mit einer Solaranlage koppelt, erhält insgesamt sogar 3.400 Euro als direkte Hilfe vom Staat.

Fazit
Grundsätzlich ist bei jedem Haus zu prüfen, welches die ökologisch sinnvollste Heizung ist. Pellets sind ein guter Beitrag, um sich aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu lösen. Weitgehend klimaneutral ist das Heizen mit den Pellets auch. Es ist jedoch wichtig, beim Pelleteinkauf auf ein aussagekräftiges Zertifikat wie den “Blauen Engel” zu achten. Nur so ist sichergestellt, dass ein Pellet aus Deutschland und somit aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft stammt. Werden Pellets oder auch Hackschnitzel über weite Entfernungen zum Einsatzort transportiert, müssen die entsprechenden Treibhausgasemissionen in die Gesamtbilanz einbezogen werden. Der “Blaue Engel” macht das transparent, indem die Produktinformationen vom Hersteller ausgewiesen werden müssen. Die Verbraucher können damit direkten Einfluss auf die Herkunft der Biomasse nehmen und auch einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Artikel ursprünglich erschienen www.br.de


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