Wie gewinnt man den Eurovision Song Contest? Eine Analyse.

Von Chippyonline @chippyonline

37 Teilnehmerländer, eine ganze Woche lang Spektakel: der ESC 2014 am 10. Mai 2014 in Kopenhagen wird wieder richtig Spaß machen! An 3 Abenden erzählt Kommentator Peter Urban Geschichten und Hintergründe zu den Teilnehmer-Beiträgen.

Das war früher, auf einen Abend reduziert, zu überladen. Übrigens kann das Überspringen der Halbfinals auch ein Nachteil sein, denn diese sind wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs geworden! Zur Gewöhnung an Musik und zur häppchenweisen Darreichung von Informationen. Und die meisten Fans freuen sich, einen Song und Urbans meist gelungenen, kultigen Kommentare beim Finale wieder zu hören!

Der Beitrag für Deutschland war eine richtige Überraschung! Die unbekannte Berliner Band Elaiza mit “Is it right?” hat sich beim “NDR-Clubkonzert” durch den Besitz einer sogenannten Wildcard die Teilnahme am Vorentscheid gesichert.

Elaiza, die Band um die Sängerin und Songschreiberin Elżbieta Steinmetz, die aus der Ukraine stammt, gewann  2013 den Nachwuchspreis des renommierten “Women Of The World-Festivals”. Man merkt, dass die Songs von ukrainischer Folklore inspiriert sind, inklusive ungewöhnlicher Instrumente: Akkordeon und Kontrabass! Mich erinnert ihr Siegertitel aber auch an Zaz.

Doch die Wetten sehen ganz andere Musiker vorn!

Vorausschau Eurovision Song Contest 2014

1. Armenien/Aram Mp3 – “Not Alone”

2. Ungarn: András Kállay-Saunders – “Running”

3. Schweden: Sanna Nielsen – “Undo”

Wer hätte gedacht, dass Schweden mal als “Geheimfavorit” antreten könnte…
Zu ähnlich wie Loreen und Emmelie de Forest?.Passt aber 100% zum ESC:

ÜBERRASCHUNGSSIEGER, ÜBERRASCHUNGSSIEGER!!!

4. Norwegen: Carl Espen “Silent Storm”

“Ein Poet, gefangen im Körper eines LKW-Fahrers?” Der Ex-Türsteher will uns seine Narben zeigen und uns berühren – die Chancen stehen gut! Ein bisschen mehr Suede-Feeling fehlt mir dabei…

Meine persönlichen chancenlosen Geheimtipps…

5. Island: Pollapönk “No Prejudice”

Ein Comedy-Act ist eigentlich immer dabei, der mich begeistert! Okay, der armenische Künstler ist auch Stand Up Comedian, aber hier seriös unterwegs. Daher mein Favorit: der augenzwinkernde, aber durchaus ernst gemeinte Anti-Rassismus-Song der Isländer:

6. Schweiz: Sebalter “Hunter of Stars”

Wer hätte gedacht, dass die Schweiz UND Österreich mal gleichzeitig gute Songs abliefern würden? Ich mag diesen relaxten Bluegrass-Song. Man befürchtet, er würde live nicht pfeifen können. Für mich kommen Erinnerungen an alte Zeiten mit Stuart Adamson (Big Country †2001) zurück!

7.Austria: Conchita Wurst “Rise Like a Phoenix”

Noch eine Überraschung! Mit einem Robbie Williams-ähnlichen Song tritt der im Vorjahr knapp gescheiterte Künstler Thomas „Tom“ Neuwirth an. Auch als Casting ShowTeilnehmer nach Siegerin Nadine Beiler ist Tom übrigens mal Zweiter geworden! Ich mag liebe die Stimme von Conchita – und ich liebte Freddy Mercury und sein “I Want to Break Free”-Video. Von wegen Kunstfigur! Rise Like A Phoenix ist so etwas wie eine Neuauflage des Freddy-Mythos und Conchita singt soooo gut:

Bei den Wettanbietern lag vor dem Finale lange Zeit Armenien vorne. Nach dem ersten Semifinale tauschte Schweden den Platz.

Im ersten Semifinale schieden Belgien überraschend aus (vorher war Axel Hirsoux bei den Wettanbietern bereits von Platz 9 auf Platz 17 gestürzt), wogegen die Niederländer (Wettquoten vor dem Auftritt von Rang 30 auf Rang 18!) durchstarteten und direkt nach der Quali nochmals sagenhafte 15 (!) Plätze auf Rang 3 bei den Wetten schafften.

Für Semifinale 2 fällt auf, dass Rumänien um 7 Plätze abstürzte auf Platz 18! Ein weiterer Kandidat für vorzeitiges Ausscheiden?

Rückblick Eurovision Song Contest 2013
Das war mein Favorit für 2013!

Bei den Wettanbietern lag 2013 Dänemark gaaanz weit vorne, gefolgt von Ukraine und Norwegen mit ebenfalls einstelligen Wettquoten. Ebenfalls aussichtsreich schienen Schweden, Russland, Italien und der „Geheimtipp“ Niederlande. Deutschland gehörte auch zu dieser Gruppe, sowie Georgien und Aserbaidschan. Bei Deutschland und Schweden waren sicherlich viele Optimisten in den beiden Ländern für die Wettquoten verantwortlich. Die Songs überzeugten nicht wirklich…

Der Siegertitel 2013! Ein bisschen Björk, ein bisschen Loreen…
“Emmelie de Forest – Only Teardrops”

Endergebnis ESC 2013 (in Klammern Platzierung im Halbfinale)

1. Dänemark (1-2)

2. Azerbaidschan (1-2)
3. Ukraine (5-6)
4. Norwegen (5-6)
5. Russland (3-4)
6. Griechenland (3-4)

7. Italien (keine)
8. Malta (7-8)
9. Niederlande (11-12)
10. Ungarn (15-16)
11. Moldau (7-8)

12. Belgien (9-10)
13. Rumänien (9-10)
14. Schweden (keine)
15. Georgien (19-20)
16. Belarus (13-14)

17. Island (11-12)
18. Armenien (13-14)
19. Großbritannien (keine)
20. Estland (19-20)
21. Deutschland (keine)

22. Litauen (17-18)
23. Frankreich (keine)
24. Finnland (17-18)
25. Spanien (keine)
26. Irland (15-16)

Sind nach den Halbfinals eigentlich Überraschungen möglich?

Der Siegertitel überraschte keinen: ein typischer ESC-Erfolgssong: „Durchschnittliches Lied mit scheußlichem Flöten-Intro“ (Holger Kreitling, Die Welt). Und auch sonst alles wie erwartet!

Wir sehen, dass es wenige Teilnehmer gab, die beim Finale zulegen konnten: Ukraine und Norwegen überholten Russland und Griechenland. Aber die Top 6 blieben am Ende oben, gefolgt vom einzigen erfolgreichen Land der „Big Five“, Italien…

Niederlande und Ungarn komplettieren als Aufsteiger die Top 10. Dafür rutschten Belgien und Rumänien raus.

Wer enttäuschte? Antwort: Vor allem wieder die „Big Five“ plus Schweden: Durchschnittsplazierung Platz 18! Außerdem wäre interessant, warum Litauen, Finnland und Verlierer Irland so tief gesunken sind? An den frühen Startplätzen kann es nicht liegen…

Die Enttäuschungen!!! (Platz 21 bis 26

Deutschland (Cascada macht einen auf Großraumdisco… und beweist, dass Casting-Show-Teilnehmer erfolgreicher sind als Jurymitglieder!), Litauen (Ungünstiger Startplatz 2, dazu der „Aha-Effekt“… billiges Abkupfern der norwegischen 1980er-Jahre Band?), Frankreich (Ungünstiger Startplatz 1, dazu der „Guesch Patti-Effekt“, siehe oben!), Finnland (Trashigster ESC-Beitrag seit langem!), Spanien (Fremd gehen lohnt nicht! Einen auf Irland machen ging voll in die Hose…) und Letzter: Irland (Das war frech! Eine Kopie des Deutschland.-Beitrages, der wiederum eine Kopie des letztjährigen Siegertitels war? Peinlich!)

Wer wird Letzter? (Wir wissen, das ist eine große Kunst, überhaupt niemandem zu gefallen!)

Ganz aussichtslos scheinen Lettland, Litauen, Island, Mazedonien und Kroatien. Die beiden letzteren werden sicherlich trotzdem punkten. Das garantieren die Abstimmungsblöcke.

Besonders peinlich wieder Finnland, sowohl vom Outfit wie vom… naja… Gesang. Mein Geheimtipp auf den letzten Platz, neben Bonnie Tyler!

Ich traute mich weit vor… Letzter wird: “Krista Siegfrids – Marry Me”

Für Nostalgiker hier die erfolgreichsten Teilnehmerländer: Irland (7 Siege), Schweden (6 Siege), Frankreich, Luxemburg und Großbritannien (jeweils 5 Siege), Niederlande (4 Siege), Norwegen, Dänemark und Israel (beide 3 Siege) … unglaublich aus heutiger Sicht, oder?

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Fast schon ein Kunststück – wie wird man Letzter?

Zum Beispiel #ESC2012: Gar nicht so einfach! Gewählt wird gemeinsam von einer Jury und Anrufern, so dass es fast unmöglich ist, ganz leer auszugehen. Heute nimmt man in (fast) allen Ländern den Wettbewerb (d.h. die Songauswahl) und die Konkurrenz ernster. Der ESC ist demokratisch. Jedes Land die gleichwertigen Stimmen.

Frankreich (Platz 22 von 26!) ) bewarb sich für den Letzten Platz: tolle Stimme, die bei einem sperrigen Song nicht zur Geltung kommt PLUS langweilige Show PLUS arrogantes „kleopatrahaftes“ Auftreten in exklusiven Designerklamotten = GLEICH Misserfolg! Anggun ist eigentlich eine der erfolgreichsten aktuellen Sängerinnen aus Frankreich! Ungarn (Platz 24) mit einer drögen Depeche Mode-Kopie, blutleer ohne die unverwechselbare Stimme von Dave Gahan – die von TV-Moderator Peter Urban fast schon leidenschaftlich bis zum Schluss verteidigt wurde. Genauso uninspiriert waren für mich Island mit Düster-Bombast-Pop aus. Auch Dänemark (Platz 23) mit ebenso kopiertem Alanis Morisette/ Avril Lavigne- 08/15 Singer Songwriter Pop kam nicht an, nutzt sich beim mehrfachen Hören schnell ab. Man bedenke: Dänemark und Norwegen haben nicht mal von „befreundeten“ Ländern Punkte erhalten.
Und ein weiterer hoffnungsvoller Beitrag (oder sogar Mitfavorit): Engelbert für Großbritannien (Platz 25): “Oldie” Engelbert, fast schon mit “Johnny Cash”-Flair, ist eine positive Überraschung nach jahrelangem Shit! so hatte ich im Vorbericht geschrieben. Zugegeben, am Schluss bangte man mit, ober er die Tonhöhen trifft. Aber er war gut und ich behaupte: Teilnehmer aus England werden in Sippenhaft genommen! So wie Deutschland vor einigen Jahren. Da gilt der Mangel an Sympathie einem ganzen Land statt eines einzelnen Interpreten (wie bei Norwegen). Deutschland hat in den letzten Jahren gezeigt, wie man ohne arrogantes Gejammere Sympathie zurückgewinnen kann.

Den Beitrag aus Norwegen hatte ich sogar vor Schweden gesehen („weil das mehr hängenbleibt und das „Gesamtpaket“ – inklusive einer Spur von ESC-typischem Kitsch (!)-100%ig zum ESC passt“) Hier stimmte eigentlich der „Erfolgsmix“ für einen „Grandprix“-Sieg: junger, attraktiver Boygroup-Sänger mit interessanter Biografie + Dancesong mit Ohrwurmcharakter. Hier zeigt sich, dass sich das Publikum nicht verarschen lässt! Großspurig und unverfroren kokettierte er mit dem Erfolg – und bekam keine Sympathiepunkte. Letzter Platz!
Warum war das ein Kunststück? Weil die Flops, zu künstlich rüberkamen!

Auf jeden Fall ist der Wettbewerb spannender denn je: wir freuen uns auf 2014 in Dänemark!