Wie Buddhisten und Nicht-Buddhisten auf den Corona-Virus reagieren

Die Verlockung ist groß. Schnell ein Buch zu Corona schreiben (wie es gerade ein offenbar verwirrter Möchtegern-Meister aus Berlin tat) oder ein paar mal das Thema im eigenen Blog aufgreifen (wie ich oder, noch häufiger, Brad Warner). Dabei gibt es für einen Zennie aber keinesfalls nur eine Vorgehensweise, nämlich das Ganze aus dem Blickwinkel des Buddhismus oder gar 800 Jahre alter Texte von Dôgen zu betrachten, der von solchen Epidemien weniger verstanden haben wird als ein unterdurchschnittich Gebildeter im Jahr 2020. Was ich bei Brad Warner lese, klingt zwar überwiegend vernünftig, aber es läuft auf das hinaus, was ich vor allem im Westen über die Medien und durch persönliche Kontakte beobachten konnte - unnötige Panik und Obrigkeitsglaube (bei Warner führt das dazu, dass er sich trotz siebenwöchiger Beinaheklausur nach eigenen Angaben fünfzehn Mal am Tag die Hände wäscht - er hat also vielleicht Dôgen einigermaßen begriffen, aber nicht, worum es gerade geht). 
Wie Buddhisten und Nicht-Buddhisten auf den Corona-Virus reagieren   In diesem Jahr bin ich zu meinen belletristischen Versuchen zurückgekehrt, die ich beinahe zwei Jahrzehnte - wenn man von meinen eher leger verfassten Blogbeiträgen hier absieht - hinter meinen Übersetzungen und verlegerischen Tätigkeiten angestellt hatte. Ich hoffe, bei dem ein oder anderen Schreibwettbewerb einen Preis zu gewinnen. Bevor ich damit anfing, trug ich auch schon Material für ein Zen-Buch zusammen, das meine wesentlichen Erkenntnisse enthalten soll. Es ist noch eine rohe Notizensammlung, für deren Ausarbeitung ich später Zeit finden mag. Besondere Einnahmen kann ich mir nicht davon versprechen, aber so eine Art "Vermächtnis". Dabei kam mir der Gedanke, dass es in der buddhistischen (wie wohl in jeder anderen religiösen) Welt üblich ist, genau in dem Duktus von Brad Warner und anderen das gegenwärtige Geschehen mit einem passenden Zitatenschatz aus der eigenen Tradition zu versehen. Es ist relativ klar, dass man da kaum zu anderen Schlüssen kommen wird als zu denen, mit der althergebrachten Meditation im Augenblick zu verweilen und die Dinge cool anzugehen. So etwas verkauft sich aber gut, die kleine Handreiche zu Alltagsproblemen, garniert mit dem ein oder anderen schlauen Sutren-Wort. Wartet's nur ab, es juckt auch mich in den Fingern!   Meines Erachtens führt eine gesunde Zen-Übung jedoch zu einem umfassenderen Verständnis von einer Gegenwart, in der Vergangenheit und Zukunft enthalten sind. In diesem Fall bedeutet dies, sich Gedanken über den Fall X zu machen, wenn man möglicherweise gezwungen wäre, sich selbst zu behandeln, weil die Betten voll sind (so wurde es anfangs ausgemalt, d. h. das war die damalige Gegenwart) und sich bewusst zu sein, dass die WHO schon etliche Male unnötig die Pferde scheu gemacht hat, wenn - zuletzt meist in Asien - neue Viren auftauchten. Ganz ohne Zen-Meditation sagt einem da also die Ratio, dass es diesmal wieder nicht so schlimm sein könnte, aber wenn doch, wäre es vielleicht gut, eines der Medikamente zur Hand zu haben, Masken, Seife usw. Meine Familie bekommt nun ein Paket mit N95- und chirurgischen Masken, und zumindest meine 92-jährige Tante schien sich darauf zu freuen. Was ich damit sagen will ist: Nun ist es besser, die Zenbücher mal beiseite zu legen und - statt sich im Lotussitz hinzusetzen - konkrete Maßnahmen zu erwägen, die mit der aktuellen Situation tatsächlich zu tun haben. Es gibt Zennies, die machen das anders, die schauen erst mal, was irgendwann mal geschrieben wurde und nun passend zitierfähig sein könnte.   Die Rhetorik um die Masken hatte ich hier schon früh zum Thema gemacht. Die stimmte hinten und vorn nicht zusammen, aber erst allmählich wurde mir klar, dass die heute in der Regierung Verantwortlichen aus den gleichen Lagern kommen, ja teils die gleichen Personen sind wie diejenigen, die vor etlichen Jahren gewarnt wurden, wegen drohender Pandemien für Schutzausrüstung im Voraus zu sorgen, wozu auch der Mund-Nasen-Schutz gehörte. Wenn man es genau nimmt, gehen also einige Tote in Altersheimen, wo diese Masken nicht rechtzeitig vorhanden waren, aufs Konto von Merkel und Co., und was heute geschieht, ist Schadensbegrenzung. Der Wert von Masken wird seit Monaten relativiert, lieber spricht man von "Virenschleudern". Die einigermaßen Vernünftigen, die ich in der Politprominenz noch sehe, sind die gleichen, die ich schon vorher für vernünftig hielt: Laschet, Lindner, Kubicki und Palmer. Einer gehört jedoch nicht mehr dazu. Es ist Karl Lauterbach.   Als Lauterbach bei Markus Lanz mal erzählte, dass er Salz in der Nahrung wie der Teufel das Weihwasser meidet, ahnte ich schon, dass er ein Hypochonder sein könnte. Heute sitzt er wöchentlich mehrfach in Talksendungen, um von den Ausnahmen zu abstrahieren und schwärzeste Szenarien zu malen, mit Hinweis auf junge Gesunde, die COVID-19 erlagen, oder auf noch gar nicht bekannte brutale Spätfolgen. In der Zwischenzeit wurde vermeldet, dass das durchschnittliche Sterbealter der dem Corona zugeschlagenen Toten bei gut 80 Jahren liegt, also identisch ist mit der deutschen Lebenswerwartung (mit anderen Worten, auch ein Wort wie "Übersterblichkeit" verliert seine Bedeutung, da die Menschen dann sterben, wenn sie statistisch mit ihrem Tod rechnen mussten). Ein anderes Horrorwort, das wir lernen durften, heißt "Triage". Da jedoch von den über 80-Jährigen, die man gegebenenfalls nicht mehr beatmen könnte, wenn die Plätze dafür ausgingen, sowieso fast alle stürben, auch wenn man es könnte (die Erfolgsquote der diesbzgl. Beatmung im künstlichen Koma ist gering), erweist sich das Thema langsam als Bumerang, und man darf sich sogar fragen, wie viele gute Masken man schon jetzt hätte, wenn man Geld statt für neue Beatmungsgeräte gleich sinnvoller investiert hätte. Aber, um es nochmal zu betonen, die Rhetorik muss stets darauf abgestimmt sein, dieses Versagen zu verbergen. Und hier sind wir dann bei einem buddhistischen Thema, das naheliegender als Dôgen ist, nämlich dem Karma. Es handelt sich um ein Verhalten, in das man sich verstrickt, weil man den ursprünglichen Fehler nicht klar einsieht und bekennt und deshalb dieser Fehler weitere in einer Ursache-Wirkungs-Kette nach sich zieht, die die Verantwortlichen nicht zu unterbrechen wissen. Ob man das Karma nennt oder nicht, ist dabei egal. Es ist wie bei einem Lügner, der sich aus seinem Lügengespinst irgendwann nicht mehr befreien kann. Und es hat auch nichts mit nächsten Leben zu tun, es äußert sich genau jetzt.   Nein, die ganze Welt schaut nicht beeindruckt auf Deutschland. Ich bin in Thailand noch immer verblüfft, dass wir zuletzt die angestrebte Zahl von Neuinfektionen im einstelligen Bereich hatten. An meinem Ort, einem der größten Puffs der Welt, soll es seit 16 Tagen keine Neuinfektionen mehr gegeben haben, weshalb der Lockdown (die Kontrolle der Zufahrtsstraßen mit Temperaturmessungen, Adressüberprüfungen etc.) beendet wird. Die Menschen tragen hier Masken, und es kommt ihnen wohl zugute, dass es andauernd heiß ist und der Virus dadurch inaktiv wird. Aus der Perspektive des Ostens also sind die vorbildlichen Beispiele in Südkorea, Taiwan und letztlich wohl gar China zu finden. Auf den Tickern der internationalen TV-Anstalten wird jeden Tag der gleiche Eindruck erweckt: Ein Haufen Toter in Europa und den USA, aber nicht "bei uns". Vielleicht noch nicht, aber darüber können wir dann später reden.   1995 aß ich in Vietnam aus Neugierde einige exotische Speisen. Mehrere Tage suchte ich dazu ein durchaus nicht teures Restaurant auf, in dem man mir am Tisch eine Schlange tötete, deren Fleisch zäh schmeckte und deren Blut ich ebenso mit Alkohol vermischt trank wie das einer Fledermaus. Ja, einer Fledermaus. Das würde ich bei meinem heutigen Wissensstand nicht mehr tun, abgesehen davon, dass meine Neugierde im Bereich exotischer Speisen ein paar Jahre später nach einem ausgezeichneten Hundegulasch in Kambodscha befriedigt war. Wenn ich so eine typische Frau wäre, wie ich sie aus Foren mit Gesundheitsthemen kenne, dann würde ich nun natürlich behaupten, dass von meiner Fledermausblut-Verköstigung all meine chronischen Beschwerden stammten, vor allem natürlich meine Lungenprobleme (Asthma/COPD). Aber hah, die waren schon vorher da! Oder ich würde dazu raten, mein Immunsystem mit Vitamin C und Zink aufzurüsten, denn schließlich hätte ich ja nie eine Erkältung gehabt (aber doch, ich nehme hin und wieder beides und habe sogar schon trotz Grippeschutzimpfungen flachgelegen). Was ist also der Sinn der Zen-Übung in meinen Augen?   Ein möglichst klarer Geist. Ein solcher Geist ist keine rein spirituelle Angelegenheit, es ist z.B. nicht damit getan, sich einzubilden, man könne ggf. in aller Seelenruhe sterben und man müsse sich ja um nichts wirklich sorgen. Ein solcher Geist versteigt sich nicht in irrsinnige Behauptungen (von mangelndem Schutz durch Masken bis hin zu hilflosen Eigentherapien), sieht aber das Naheliegende, ohne es erst durch den Filter religiösen Überbaus zu jagen (wie sonst wäre wohl "der Buddha getötet"?). Ein solcher Geist bemerkt auch, wenn die in ihrer Geistesruhe Gestörten ihn manipulieren wollen, sei es, indem sie ihn in die Arme einer Religion oder einer anderen Ideologie zu treiben oder ihm über den Umweg der Angst die Kontrolle über seine Freiheiten abspenstig zu machen suchen.   Ich bin ein allmählich alternder Mann mit Vorerkrankungen, aber ich lasse mich wieder besuchen, auch von Menschen ohne Masken. Meistens trage ich in meinem Zimmer dann selbst eine, aber nicht immer. Das ist meine Sache. Dabei ist auch eingeplant, dass im Falle, dass es mich noch erwischt, die Häme der Leser dieses Beitrags vorprogrammiert ist. Wäre ich ein mächtiger General, hätte ich in Deutschland geputscht, um für vernünftigere Lösungen zu sorgen. Ich kann nicht behaupten, dass die hiesige Militärregierung in Thailand nur durch Logik glänzt (der Maskenzwang draußen in der Hitze ist mehr als fragwürdig), aber sie hat jedem erwachsenen Bürger einen halben Monatsmindestlohn versprochen. Mein Lieblingsfreudenmädchen hat sie schon bekommen und wahrscheinlich verzockt oder in Aufputschmittel umgesetzt. Was die Leute hier mit dem Geld machen, ist der Obrigkeit egal. In Deutschland hätte eine solche Aktion, umgerechnet auf unseren Mindestlohn, wohl ca. 50 Milliarden gekostet.  Für die Armen wird in Thailand Essen ausgegeben, selbst ich könnte mich da bedienen oder anstellen, wenn ich wollte. Für Leute mit Geld sind die Regale freilich voll. Wenn nur der Pakettransport nach Deutschland noch funktionierte, ich könnte Euch Hefe schicken ...
(Zu Dôgen und der neuen Hôkyôki-Übersetzung dann mehr in zwei Wochen.)

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