Weshalb Flugzeuge im Süden Berlins lauter sind als im Norden der Stadt

Über den Häusern Kurt-Schumacher-Platz

Über den Häusern Kurt-Schumacher-Platz

Alan Posener schreibt im Zusammenhang mit der Forderung des ver.di-Chefs Bsirske auf politischen (General)Streik etwas sehr Spannendes über ein Thema, das Berlin seit einigen Wochen bewegt.

Mit der bald stattfindenen kompletten Inbetriebnahme des vergrößerten Flughafens Berlin-Schönefeld kam es im südlichen Berlin und dessen Umland zu Protesten gegen die neu festgelegten Flugrouten.

Fluglärm ist nervig! Das weiß ich; hab ich doch lang genug in Berlin-Pankow gewohnt, das direkt in der Einflugschneise von Berlin-Tempelhof liegt. Wenn man im Bürgerpark unterwegs ist, kann man zusehen, wie die Flieger ihre Fahrwerke ausfahren und die Landeklappen klappen. Und so geht das nun seit Jahren, Jahrzehnten.
Oder noch besser: der Kurt-Schumacher-Platz in Berlin-Reinickendorf: Dort kann man den landenden Piloten schon mal die Hand drücken und die Schrauben der Flugzeuge zählen.

Nun Posener:

…als etwa ruchbar wurde, dass die Einflugschneisen des sich endlich seiner Fertigstellung nahenden Großflughafens Berlin einige bürgerliche Bezirke im Südwesten der Stadt berühren könnten, genügten schon die ersten Proteststimmen, um von allen Seiten die Zusicherung zu erhalten, die Flugrouten würden geändert. Jahrzehntelang donnerten die Flugzeuge beim Anflug auf Tempelhof über die Köpfe der Neuköllner hinweg; immer noch sind große Teile des Weddings – darunter wichtige Erholungsgebiete – dem Lärm der in Tegel startenden und landenden Jets ausgesetzt. Aber da wohnen eben nur Arbeiter, Ausländer und „white trash“. (Quelle)

Das nenne ich mal einen spannenden Gedanken! Denn tatsächlich: während im Süden eher die Gutsituierten wohnen, leben im bisher betroffenen Norden tatsächlich Menschen anderer Schichten.

Ich gebe zu: ansonsten stimme ich Posener ausnahmsweise mal nicht in allem zu, was er schreibt. Ich sehe zwar auch, dass der ver.di-Chef ein langweiliger Klotz ist, der auch wenig Ahnung hat von dem, worüber er spricht. Aber anders als Posener sehe ich sehr wohl noch Sinn in gewerkschaftlicher Arbeit und bin mir – trotz aller Kritik – sicher: ohne Gewerkschaften wäre die Neoliberalisierung der Gesellschaft noch stärker.

Das ist ihm selbst bewußt:

Und doch weist Bsirske auf einen tatsächlichen deutschen Missstand hin – nämlich auf den fast völligen Ausschluss der Arbeiter aus der politischen Sphäre seit dem Scheitern ihres Widerstands gegen Gerhard Schröders Hartz-Reformen; anders ausgedrückt: auf die Dominanz der Bürger auf den Barrikaden. Der Traum Arnulf Barings, der vor einigen Jahren das Bürgertum zum Kampf aufrief, ist wahr geworden. Gegen die Arbeiter – und die Arbeitslosen – kann der Staat fast alles durchsetzen; gegen die Bürger fast nichts.

allerdings sind seine Schlüsse daraus andere.

Nic

Fotoquelle