Werners Adventstür Nr. 21: Wie hättest Du gehandelt?

Werners Adventstür Nr. 21: Wie hättest Du gehandelt?

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"Die wirkliche Liebe beginnt, wo keine Gegengabe erwartet wird."
Antoine de Saint-Exupéry

Werners Adventstür Nr. 21: Wie hättest Du gehandelt?Ihr Lieben,
heute möchte ich Euch eine Geschichte von
Peter Graf v. Eysselsberg erzählen:
„Wir sind etwas Besseres als Du!?“
 
"Es war einmal wieder ein sehr kalter Sonntagmorgen und der Parkplatz einer Kirchengemeinde füllte sich sehr schnell. Alle wollten schnell ins Warme kommen und beeilten sich. 
Als sie so auf das Gemeindegebäude zugingen, fingen sie an, untereinander zu tuscheln. Da waren Gesichter zu sehen, die nicht gerade freudig waren.
Was gab es da zu flüstern, fragte ich mich. 

Und als ich auf das Gebäude zuging, sah ich vor der Kirche einen armen, alten Mann, der auf dem Boden kauerte. Er hatte kein Sonntagsgewand an und er roch auch nicht sonderlich gut. Seine Kleidung war sehr ärmlich und zum Teil zerrissen. 
Er hatte keinen warmen Mantel an so wie wir, sondern eine ziemlich kaputte Jacke.
Er war unrasiert und ein alter schäbiger Schlapphut verdeckte den größten Teil seines Gesichts. 

Naserümpfend gingen viele an ihm vorbei, man zeigte sogar ungeniert mit dem Finger auf ihn. Ich schnappte Worte auf wie: 
"Was will der denn hier?"
"Schämt der sich denn gar nicht?"
"Wegjagen sollte man ihn!
Er beschmutzt das Gemeindegelände."
"Weg mit ihm, solches Gesindel wollen wir hier nicht."

Solches und Ähnliches war zu hören.
Auch ich ging an diesem Mann vorbei,
weil es doch sehr kalt war und betrat das Gebäude. 

In Gruppen standen die Gemeindemitglieder in der Kirche zusammen und unterhielten sich immer noch über den Penner, wie sie ihn nannten, und wie beschämend es doch sei, dass ein solcher Mensch vor dem Haus herumlungere. Meine Gedanken verweilten bei diesem Mann, der doch so ärmlich und traurig aussah. 

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Alle warteten, dass doch endlich unser Pastor käme, damit wir mit dem Gottesdienst anfangen konnten. Und die Menschen wurden schon ungeduldig, hier und dort hörte man Füße scharren, unruhig rutschten einige auf ihren Stühlen hin und her. 
Und viele hofften inständig
dass der Pastor in seiner Predigt auf den „Penner“ vor der Kirche eingehen werde und ihre Meinung dazu bestätigen werde.
Endlich öffnete sich die Türe und die Blicke gingen nach hinten, in der Hoffnung, der Pastor käme und sie könnten mit dem Gottesdienst beginnen. Doch sie hatten sich getäuscht, denn nicht der Pastor kam zur Türe herein, sondern diese arme, alte Mann ging mit gesenktem Kopf an uns allen vorbei. Ein Raunen ging durch die Menge. 
Was will der denn hier?
Raus mit ihm!
Und noch vieles mehr tat man kund durch lautes Rufen. 

Da drehte sich dieser Bettler um, nahm seinen alten schäbigen Schlapphut ab
und hob den Kopf. 

Ein gewaltiger Schreck durchfuhr jedes einzelne Gemeindemitglied.

Niemand anders als unser Pastor stand da vorne. Wie erschraken da die Gemeindemitglieder, diese doch so sauberen Christen.
Ich beugte beschämt mein Haupt, auch wenn ich nicht gelästert hatte,
so ging doch auch ich an ihm vorbei. 

Traurig blickte uns unser Pastor an und seine Stimme war voller Tränen,
als er sprach:

"Wie traurig ist es doch, dass nicht ein Einziger von Euch diesem alten Mann seine Hilfe anbot!"
Er holte seine Bibel heraus und predigte über den 1.Korinther 13:

„Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, die Liebe aber ist die größte unter 

ihnen!“

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Ihr Lieben,diese Geschichte hat mich tief berührt, sie erinnerte mich sehr an meine eigene Jugend, in der ich oft hörte, dass ich es nicht wert sei, zu leben, in der häufig ich hörte: „So etwas wie Dich hätte man zu Hitlers Zeit rechtzeitig entsorgt“.
Jetzt in den nächsten Tagen werden wieder viele Menschen in die Weihnachtsgottesdienste strömen, um dem Weihnachtsfest einen festlichen Rahmen zu geben. Und ich bin mir sicher, die meisten Besucher dieser Gottesdienste werden nicht anders reagieren als die Gottesdienstbesucher in unserer Geschichte.

Diese Geschichte zeigt auf sehr eindrückliche Weise, was wirklich wichtig ist im Leben. Es ist leicht, vom Helfen zu reden, sich mit christlichen Worten zu schmücken, aber es ist das Allerwichtigste, sie auch in den Alltag umzusetzen. 
Der „Penner“ störte die Gemeindemitglieder bei ihrer sonntäglichen inneren Vorbereitung auf den Gottesdienst, dabei wäre es umkehrt richtig gewesen: 

Sich erst um den armen alten Mann zu kümmern und dann den Gottesdienst zu feiern.
Mich haben in meinem Leben immer die Menschen am meisten beeindruckt, die gehandelt haben, nicht diejenigen, die nur geredet haben. 

Was hätte es mir in meiner grauenhaften Jugend genutzt, wenn die Eltern meines Jugendfreundes Hans-Christoph lediglich zu mir gesagt hätten: „Du armer Junge“, aber nichts getan hätten. 

Oder wie wäre es wohl mit mir ausgegangen, wenn sie ihrem Sohn den Umgang mit „diesem erbärmlichen Hosenpisser“ (Originalzitat meines damaligen Klassenlehrers über mich) verboten hätten? 

Sie aber handelten anders: Sie boten mir zeitweiliges Asyl, hier fand ich für Stunden oder Tage Zuflucht, Schutz und Liebe. Hier pflegten sie meine Verletzungen des Körpers und der Seele und umarmten mich mit Liebe, Zuwendung und Ermutigung.
 
Die oben genannte Stelle aus dem 1.Kor. 13 ist für mich eine der besten Stellen in der Bibel:

Wir brauchen etwas, für das es sich zu leben lohnt (Glaube), wir brauchen etwas, das uns Kraft gibt, den Alltag zu bewältigen und mutig in die Zukunft zu schreiten (Hoffnung) und wir brauchen, um wirklich als glückliche Menschen leben zu können, Zuwendung, Vertrauen, Ermutigung (Liebe), so wie die Pflanzen die Sonne und den Regen benötigen.

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Ihr Lieben,ich wünsche Euch heute einen Abend des Frohsinns und des Mutes und morgen einen wundervollen 4. Advent, an dem wir auch den anderen Menschen neben uns sehen.
Ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner

Werners Adventstür Nr. 21: Wie hättest Du gehandelt?

Quelle: Astrid Müller



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