Wer ist eigentlich dieser Taliban, der sich Deeskalation übt?

Diesmal hat es die »Bildzeitung« geschickter eingefädelt als in den Jahren zuvor. Sie hat einen nützlichen Idioten als Vorhut geschickt, der sich auf so bodenlos primitive Art und Weise über den Islam und Moslems äußerte, dass nur der Chefredakteur selbst entkräften und richtigstellen konnte. So wollte man sich wohl einen pluralistischen Anstrich verpassen und sich gleichzeitig noch als so etwas wie die »Stimme des Anstandes« aufführen. 
Wer ist eigentlich dieser Taliban, der sich Deeskalation übt?Die Debatte über den Islam ist aber natürlich abermals entbrannt. Nur diesmal spielt die »Bildzeitung« nicht die Rolle der Stichlerin und Aufwieglerin, jetzt macht sie auf seriös, will nach eigenen Bekunden eine solche Auseinandersetzung »nicht führen, nicht befördern und nicht herbeischreiben«. Klar, doch, Diekmann und Kollegen wollen solche Debatten nicht führen. Aber die anderen sollen mal schön. Und der Stammtisch natürlich auch, der Fests kurzen Einwurf sicher nicht so falsch fand.

Indem man eine neuerliche Islam-Debatte kurz anreißt und dann per Erlass des Chefs wieder kassiert, holt man das Thema wieder aufs Tapet. Man gaukelt Widerwillen vor, aber freut sich dennoch, dass man mal wieder davon spricht. Schön passiv rührt man die »Islam-Kritik« an. Hält sich zurück, sagt: »Aber wir doch nicht.« Sollen die anderen ein bisschen Geplänkel machen, Fests Sätze zerfleddern. Irgendwas bleibt immer hängen. Denn die »Bildzeitung« ist derzeit das Blatt des Burgfriedens. Das Land muss geeint sein, der Russe steht zwar nicht vor der Türe, aber wir stehen bei ihm vor der Türe. Also bitte keine unnötigen Debatten. Und wenn, dann sollen sie die anderen führen.
Diekmanns Einwurf ist natürlich lächerlich. Seine Zeitung hetzt seit Jahren gegen Muslime in Deutschland und in der Welt. Sie kolportiert jedes Gerücht über den Moslem, gibt Trommlern ein Sprachrohr und bauscht jede Beleidigung, jede Volksverhetzung auf und macht aus ihr eine »mutige Wahrheit«.
Wenn Diekmann schreibt, dass es bei der »Bildzeitung« stets »eine unverrückbare Trennlinie zwischen der Weltreligion des Islam und der menschenverachtenden Ideologie des Islamismus« gibt, dann lügt er ganz ungeniert. Diese Trennlinie hat es nie gegeben. Man hat die Muslime in Deutschlands immer als die subversive Kraft des islamistischen Terrors in Deutschland angesehen. Man las unter anderem: Junge Muslime möchten nicht integriert sein und neigten zu Hass auf Deutsche. Sie tendierten aufgrund ihrer Erziehung zu einer autoritären Einstellung. So und ähnlich pauschalisierte man über Jahre hinweg. Und nun auf einen Schlag seien Pauschalurteile nicht mehr zulässig?
Mensch, Nikolaus Fest, dich hammse richtig verarscht. Hast nur das seit Jahren aktive Programm in einige Zeilen gegossen und bist nun der Depp. Komisch ist, dass dieser Sohn des Historikers Joachim Fest schon 2008 einen ganz ähnlichen Artikel zum Islam verbreitete. Auch in dem hat er die Grenzen zwischen Moslems und islamistischen Terroristen verwischt. Er verspottete diejenigen, die behaupteten, dass der wahre Islam ganz anders als radikal sei. Sei er eben nicht! Man konnte schon herauslesen, dass der Islam für ihn die Keimzelle von Gewalt und Terror war. Das Islambild in Deutschland sei nicht falsch, befand er damals. Die Leute stellen ihn sich nicht irrtümlich als mittelalterlich und als Brachialgewalt vor. Diese Religion sei eben wirklich anfällig für diese Auswüchse. In einem Nachtrag zum Text schrieb er dann noch, dass er »keine grundsätzliche Kritik am Islam« übe. Diekmann schritt damals aber nicht ein. 2008 fiel in die Hochzeit der Hetzerei gegen Moslems. Da war es noch opportun, einen wie Fest als kritischen Denker durchzuwinken.
Jugend- und Ausländerkriminalität war auch so ein Thema in all den Jahren bei der »Bildzeitung«. Vor allem junge Muslime seien auch hier besonders aktiv. Das liege am Machismo im Islam, konnte man lesen. Er fördere die Verrohung und sei im Keime gewaltbereit. Das waren die zentralen Thesen, die sich immer wiederholten. Wo war da die Trennlinie? Jeder muslimische Kleinkriminelle war immer zugleich jemand, der im Vorhof islamistischen Terrors stand, jeder Muslim war per se bereit für alle Schandtaten. Dass ein Schläger mit muslimischen Hintergrund einfach nur aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen könnte, so wie sein deutscher Kollege, las man in der »Bildzeitung« nicht.
Ich weiß gar nicht, wie man das in einige Zeilen packen soll, das dieses Blatt seit Jahren zur Agenda hatte. Man muss da eine lange Liste abarbeiten. Nur einige Beispiele: Muslime seien stärker von Arbeitslosigkeit betroffen und hätten seltener einen Schulabschluss. Da fand man mit Sarrazin zusammen, der das für eine genetische Angelegenheit hielt und von Diekmanns Zeitung gefeiert wurde. Man erfand sich den »Islamrabatt«, der weismachen sollte, dass Moslems über der Gerichtsbarkeit stehen. Und dass »Ehrenmorde« eine Option für jeden muslimischen Vater oder Bruder seien, wusste doch jedes Kind. Der Typ mit deutschem Pass, der seine Frau erdrosselte, weil sie ihm Hörner aufsetzte, hatte wohl keine Ehre, die er sich mit dieser Tat zu erretten hoffte, oder wie? Und dann die Vorurteile, die man stets bediente. Noch vor vier Monaten bot man einem weiteren Trommler ein Forum, interviewte einen Mann, den man als einen mutiger Streiter für die Wahrheit feierte. Akif Pirinçci wurde gefragt, was er von muslimischen Mitbürgern halte. Antwort: Sie machten den Deutschen Angst, »... ihr flegelhaftes Benehmen, ihre Arroganz und das ständige Handaufhalten bei Papa Sozialstaat...« Diekmann, warum sind Se da nicht eingeschritten? War das nicht auch schrecklich pauschalisiert?
Komm, Diekmann, lass jetzt stecken! Es ist zu spät. Niemand nimmt Ihnen mehr ab, dass es ernst gemeint ist. Vor einigen Jahren wären Sie mit diesem Vollbart nicht mal in ein Flugzeug gekommen. Denn jeder Vollbartträger war ein Taliban und Dschihadist. Auch, weil die »Bildzeitung« (aber nicht nur sie alleine) Stereotype entwarf und Ressentiments verfestigte. Man war ja auch für die Rasterfahndung und findet bis heute nichts daran, wenn in Bus und Bahn racial profiling stattfindet. Irgendwie muss man ja Gewalttäter und kleine Fahrkartenpreller erkennen können. Vollbärte waren so ein Mittel für erstere Klientel. Wer so in die Kontrolle lief, der musste sich schon erklären. Besonders dann, wenn er einen Namen trug, der nicht so ganz nach deutschem Muster war. Murat Kurnaz und Khaled al-Masri waren auch vollbärtig. Das war aber freilich nur ein Indiz, um die beiden zu verschleppen. Auch die »Bildzeitung« hat an diesem Klima der Hysterie mitgewirkt.
Man hätte vor Jahren nach der oberflächlichen Lektüre dieses islamfreundlicheren Textes aus der Feder des vollbärtigen Diekmann nur abgewunken und gesagt: »Wer ist eigentlich dieser Taliban, der sich in Deeskalation übt?« Das Aussehen machte eine ganze Weile jedes noch so gute Argument zunichte. Diesbezüglich haben sich die Zeiten geändert. Jetzt, da jede Wurst einen Bart trägt, ist das kein Indiz mehr. Der Ablehnung des Islam ist nun wieder mehr so eine innere Angelegenheit, keine Sache von Äußerlichkeiten mehr. Außer bei der Bahn, da ist es immer noch wichtig, wie jemand aussieht. Aber das führt jetzt zu weit.
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