Wenn Mama Technik entdeckt – ihr erstes Handy

Von Diekeule

Posted on February 9, 2014

Meine Mutter hat ein Handy. Jetzt würden wahrscheinlich einige von euch sagen…na und? Jeder Penner aus der Säuferszene rund um den Hauptbahnhof hat mittlerweile eins also warum nicht sie?

Und das ist genau der Punkt. Während die Menschen immer tiefer in ein Universum aus Bytes, Pixel und digital geladener Energie versinken, schien meine Mutter noch bis vor kurzem gegen alle elektronischen Gadgets völlig Immun zu sein. Sie empfing ihre Nachrichten stur aus einem 80 Kg Röhrenfernseher, telefonierte mit einem schnurgebundenes Telefon und einziges Gerät, das einen Display hatte war ihr Körpertemperaturthermometer. Doch dann…dann wurde sie 70! Ich will jetzt nicht sagen, sie müsste jetzt schon einen Rollator vor sich hin schieben und am Fenster sitzend die in der zweiten Reihe stehende Kurierfahrer anzeigen, denn ich freue mich, dass man ihr den Alter nicht anmerkt, aber das sie so technisch durchstartet, das hätte ich ihr nicht zugemutet! Ich gebe zu, es ist ziemlich nervig denn ich bin jetzt derjenige, der ihr erklären muss wie etwas funktioniert und warum so und nicht anders. Und zu tun hatte ich in letzter Zeit mächtig! Ein LED-Fernseher, schnurloses Telefon und vor kurzem…Achtung…ein eBook-Reader! Ihr dieses Dingen zu erklären, das war echt eine Schlacht! Ich muss dazu sagen, ich bin ein sehr schlechter Pädagoge, denn wenn ich etwas 20 Mal erkläre und einer sich immer noch doof anstellt, dann würde ich ihm am liebsten eine scheuern. Ich wäre vermutlich ein guter Lehrer in einem Gefängnis aber unter normalen Umständen jemandem etwas zu erklären und das mehrmals ohne Erfolg…nein, danke, lieber nicht, ich werde zu schnell zum Arschloch. Es wird wahrscheinlich noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen bis Mama endlich mit dem eBook-Reader soweit ist, dass sie ihn reibungslos nutzen kann und eigentlich dachte ich bis dahin hält sie sich mit neuen Ideen, wie sie mir das Leben schwer macht, weitgehend zurück, doch es kam natürlich anders! Als ich vor paar Tagen bei ihr war und einen verdammt guten Kaffee genoss, kam sie auf mich zu, legte drei grüne Scheine auf den Tisch und zündete eine neue Bombe in meinem Kopf.

-Kannst du mir bitte ein Handy besorgen?-

Wie bitte was? Ein Handy? Na ist sie denn jetzt komplett verrückt geworden? Doch dann fiel mir ein, ein Mobiltelefon in ihrer Nähe würde auch mein Leben etwas leichter machen, denn wie oft kam es schon vor, ich rief sie an und ihr Festnetzanschluss blieb stundenlang besetzt weil sie gerade mit einem ihrer Brüder die Vergangenheit kurz nach dem zweiten Weltkrieg zum hundersten Mal aufrollte. Also demnächst auf das Handy anrufen, sagen was Sache ist und nicht mehr stundenlang der automatischen Stimme zuhören, die mich darauf hinweist, ich kann eine verfluchte Nachricht hinterlassen! Perfekt!

-Alles klar Mama, aber 300 EUR sind viel zu viel. Damit machst du dich selbst und mich unglücklich – sagte ich ehrlich, denn in meiner Fantasie sah ich bereits ein Inferno wenn ich meiner Mutter ein modernes Touchscreenhandy auf dem Tisch lege und sie mich spätestens nach 5 Minuten, nachdem ich ihre Wohnung verlassen habe, anruft um zu fragen, wie man diese teuflische Tastensperre umgeht. Nein danke. Ich führe liebe ein ruhiges Leben.

Nach einer kurzen Recherche im Internet fand ich ein passendes Modell mit dem sie nicht in der Lage sein wird, den dritten Weltkrieg anzuzetteln und kaufte es:

Samsung E1050

Preis: 15 EUR

Bedienung: absolut simpel, selbst für einen Pavian

Gefahrenpotenzial für meine Ruhe wenn Mama das Telefon benutzt: extrem niedrig

Fazit: Perfekt!

Gestern überreichte ich ihr das Telefon, beobachtete wie ihre Augen an Glanz gewannen und freute mich darüber, ihr einen weiteren Wunsch auf dem Weg zu einer digitalisierten Welt erfüllt zu haben. Ich hoffe jetzt auf längere Pause bezüglich neuer Ideen denn was soll noch kommen? Internetanschluss? Ruhe! Fresse halten und keine toten Hunde wecken…das wäre mein endgültiger Untergang!

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