Wenn im wahren Leben etwas fehlt…

weil ich so bin, wie ich bin.

That`s me

Vor einigen Tagen schrieb die Liebe Severine von Mama on the Rocks über ihr Bloggerdasein und ihre Wirkung auf die Menschen.
Sie beschrieb, dass Sie im Netz viel “netter” wahrgenommen wird, als von ihrem “echten” Umfeld. Sie schrieb auch darüber, dass sie in ihrem Blog nicht tatsächliche Begebenheiten in vollem Ausmaß darstellt und Sie das Blog auch nicht als Tagebuch ansieht.
Sie meinte auch, dass alle Blogger nur das zeigen, was Sie zeigen wollen.

Ich machte mir viele Gedanken über ihren Beitrag und über mich und wollte dazu gerne etwas sagen.

Mein Blog ist mein öffentliches Tagebuch. Mein Blog ist ein Geschenk. Mein Blog gibt mir Halt. Das habe ich schon oft gesagt und dazu stehe ich auch.
Die Privatsphäre schützen um nicht zu angreifbar zu sein! Das ist und war schon immer ein wichtiges Thema unter Bloggern und allgemein im Netz.

Auch ich schütze auf meine Art meine Privatsphäre. Ich zeige den Prinzen und meinen Mann nie vollständig und Menschen aus unserem Umfeld gar nicht, es sei denn sie möchten das.
Das spaltet Die Gemüter seit Jahren und gerade wieder schreiben sehr viele über das Thema Kinderfotos im Netz.

Die Einen sagen, dass wenn man über seinen Kaiserschnitt redet, dann kann man auch seine Kinder zeigen.
Andere meinen, dass man doch nicht über die intime Geburt reden kann und dann auch noch Fotos von seinem zu Hause und seiner Familie preisgibt.
Ich sage, privat ist das, was man selbst und für seine Familie und mit seiner Familie,als privat erachtet und hierbei hat sich niemand, über diese eigenen Entscheidungen zu stellen.

Party

Ich schreibe sehr persönliche Texte, nehme aber gleichzeitig Rücksicht auf z.B. meinen Mann, da er und ich Absprachen haben, an die ich mich auch halte.Ich würde mich schon als gläsern bezeichnen aber mit leichten Milchglasabschnitten.

Wer hier liest, weiß, dass ich selber kaum Berührungsängste habe, über mich und mein Innerstes zu schreiben und das hat auch Gründe. Für mich ist reden und schreiben ein großer Bestandteil meiner Therapie.
Ja ich mache seit einigen Jahren eine Therapie, wieso ich diese mache, hat viele Gründe, gehört aber teilweise zu den Dingen, die ich meinem Tagebuch nicht unbedingt anvertrauen möchte, um mich und andere Menschen zu schützen.

Tatsache ist, dass ich durch das Bloggen eine enorme Akzeptanz und Resonanz erfahre, die ich im wahren Leben, so nicht kenne.

Puhhh jetzt ist es raus. Jetzt denken sicher einige, dass ich eine total durchgeknallte, süchtige Netztante bin, die keine Freunde hat.

ich sage dazu JEIN!

Ein wichtiger Grund,mit dem Bloggen zu beginnen, war, dass ich im “Real Life” sehr wenige Menschen habe, die mir den Halt und die Beständigkeit geben, die ich so sehr brauche.
Im Netz gibt es Menschen, die mich sehr sehr nett finden, mich persönlich kennenlernen möchten und Wörter wie: herzlich und liebevoll kommen sehr häufig. Im Netz gibt es Menschen mit denen ich über meine Therapie und meine damit verbundenen Probleme, offen sprechen kann, dort hört man mir immer zu.
Im wahren Leben ist das nicht unbedingt so. Der Radius an Menschen, die wirklich für mich da sind, ist sehr sehr klein und Gleichgesinnte habe ich leider gar nicht. Mein 1. Eindruck auf Menschen ist im wahren Leben, ab und an schlecht. Das kommt z.B. daher, dass ich meine Skepsis, neuen Situationen und Menschen gegenüber, im Gesicht zur Schau stelle. Ich weiss, dies ist ein Schutzmechanismus, aber das weiß eben nur ich. Viele Menschen schrecke ich damit ab und da oft die Möglichkeit oder die Lust dazu fehlt, einen zweiten Eindruck entstehen zu lassen, bleibt dieser schlechte 1. Eindruck. Ich bin eben nicht einfach und unkompliziert, obwohl ich mir das sehr oft wünsche, da man es dann wesentlich leichter hat.
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Ich frage mich trotzdem woran das liegt, dass Menschen online viel toleranter(zu sein scheinen) sind als offline. Wieso haben Menschen, wie ich, es so schwer im wirklichen Leben akzeptiert zu werden, obwohl ich nicht “sonderbarer” bin als viele andere. Ist es, weil ich Schwäche zeige? Oder weil ich alles hinterfrage? Oder weil ich gezeichnet bin von meinen Problemen und auch darüber rede oder lebe ich einfach nur am falschen Ort?

Im Netz ist eine andere Welt. Das geschriebene Wort kann man wirken lassen, man kann es hinterfragen und man hat die Zeit, abzuwarten. Die Toleranz im Netz ist manchmal unbeschreiblich. Das Gegenteil gibt es natürlich auch und hier ist auch nicht alles Schnieke aber es verläuft sich mehr, da das “Umfeld” in meiner Bloggerblase viel viel größer ist. Im Netz äußern sich die Menschen, die sich angesprochen fühlen und alle Anderen eben nicht. Gleichgesinnte zu finden, ist um so vieles einfacher, da man auch explizit danach suchen kann bzw. gefunden wird.

Ich lerne gerade wieder sehr viel über mich.

Ich weiß und wusste schon immer, das ich nie “everybody’s Darling” sein werde und das macht mich eben auch aus. Mann hasst mich oder liebt mich. Man liest mich oder eben nicht. So ein Zwischending ist schwer und ich kann es auch verstehen. Ich will hier auch nicht jammern wie blöd alles ist, nein darum geht es mir gar nicht. Mir geht es darum, dass ich mich frage ob ich die Einzige bin, der es so geht. Die Einzige, die sich im Netz oft besser verstanden fühlt als ich wahren Leben. Ich hatte ja wie bereits geschrieben, nie viele Freunde aber durch das Bloggerdasein und viele Fotos, die ich da ja auch sehe, merke ich, dass mir eben diese Menschen, mit denen wir unsere “echte” Zeit teilen könnten, doch sehr fehlen. Das kuriose ist, dass ich mich schwer tue damit, mich mit anderen Bloggern oder eben Menschen aus dem Netz, zu treffen. Da dann das Netz und das wahre Le en zusammentreffen. Nachher ist alles vllt. ganz anders. Vielleicht schlechter, aber vllt. auch toll. Vielleicht habe ich Angst verletzt zu werden.

Mein Blog ist ein Geschenk. Mein Blog gibt mir Halt.

Mein Blog zeigt mir aber auch, dass ich gerne die virtuelle Welt in Echt hätte. Mein Blog zeigt mir auch, dass ich einsamer bin, als ich dachte. Mein Blog zeigt mir auch, dass ich trotz meines großen Glückes mit meinem Mann und meinem Prinzen, einen leeren Platz im Herzen trage.

es gab bis jetzt keinen Artikel, den ich so oft geändert oder gelesen habe. Weil er keinen roten Faden hatte. Weil er mir unfertig vorkam. Ich wollte zeigen dass mein Blog mich bewusst wiederspiegelt, um mir zu helfen aber auch um anderen in Ruhe zu zeigen, wer ich bin. Das ICH ich bin und trotz meiner Schwierigkeiten, mich in Ordnung finde. Das ich aber weiß, welch langer Weg vor mir liegt, um der Mensch zu werden, der ich sein will. Das mir Menschen fehlen, die da sind, nicht nur wenn Sie mich brauchen, sondern wenn ich Sie brauche. Das ich mir Akzeptanz wünsche, für mein Dasein, auch wenn es anstrengend sein mag. Ich wollte auch sagen, dass niemand Angst haben müsste, dass ich unaufgefordert über Ihn/Sie schreibe. Auch wenn ich für mich entschieden habe, mich “öffentlich” zu zeigen, heißt das nicht, das ich alle Menschen in meinem Leben mit öffentlich mache.

Blogger sind Menschen, wie Du und Ich, nur eben ein bisschen öffentlich. Ich bin auch nur Mensch, mit Ecken und Kanten und doch bin ich es wert!

Kennt ihr das Gefühl, dass ihr euch von “fremden” Menschen manchmal besser verstanden fühlt? Fehlende euch auch Menschen, die euch verstehen und so nehmen wir ihr seid?

Eure Dani