Wenn aus Freunden „Feinde“ werden…

Meine Großmutter sagte früher des öfteren zu mir: „Trau, schau wem!“ Gerade als Jugendliche fand ich diesen Spruch einfach nur blöd. Als ich älter wurde, erinnerte ich mich das eine oder andere Mal daran und dankte meiner Großmutter im Stillen für diese mir mitgegebene Lebensweisheit.

Wenn man Menschen länger kennt und mag, entwickelt sich eine gewisse Nähe und man baut Vertrauen auf. Das dauert bei mir etwas länger und bei so manchem bleibt es beim Bekanntenstatus ohne große Vertrauensbildung. Natürlich mag ich auch Bekannte sehr gerne und entwickele zu ihnen eine mehr oder weniger tiefe Zuneigung. Da bleibt dann auch die eine oder andere Enttäuschung nicht aus.

Grundsätzlich tue ich mich sowieso schwer damit, zu vertrauen. Meistens denke ich mir, die (oder der) meint es doch nicht ehrlich und gehe schon fast davon aus, dass hinter meinem Rücken andere Dinge gesagt werden, als mir gegenüber.

Dass vermeintliche „Freunde“ ganz schnell zu „Feinden“ werden können, wurde mir diese Woche ganz aktuell vor Augen geführt. Dieses Erlebnis traf mich nicht nur tief, es brachte auch frühere – längst verdrängte oder verarbeitete – Geschehnisse wieder zurück.

Mich erreichte eine Mail, die mich nie hätte erreichen sollen. Eine langjährige Bekannte und Auftraggeberin von mir hatte ganz offensichtlich in meiner Dankmail auf ihre Geburtstagsglückwünsche den „Antworten“ mit dem „Weiterleiten“-Button verwechselt.

Die Mail war eigentlich für ihren Sohn bestimmt (mit dem ich seit Jahren zusammen arbeite und auch sehr vertraut bin) und die Verwechslung wäre normalerweise nicht weiter schlimm, hätte sie nicht Kommentare zu meiner Person geschrieben, die mir eindeutig zeigten, wie sie über mich denkt bzw. in welch abfälligem Ton sie mit Dritten über mich spricht oder – wie in diesem Fall – schreibt. Nicht nur unterstellte sie mir, ich würde Menschen gegeneinander ausspielen. Auch meinen Krankheitsverlauf stellte sie in Frage. Und die Gabe des Zuhörens (besser Verstehens von Aussagen) sprach sie mir völlig ab. Es waren nur drei Sätze, aber die saßen….

Sofort rief ich sie an, um meinem Unmut und meiner Enttäuschung Luft zu machen. Ihre Mailbox musste dafür herhalten, da sie – wohlweislich – nicht erreichbar war. Die kurze Zeit später folgende Mail verfehlte – aufgrund der Wortwahl – jeden Versuch einer Entschuldigung oder Erklärung völlig. Mittlerweile – nach einigen Stunden des Grübelns und einer halben schlaflosen Nacht – kann ich die Bekanntschaft unter der Kategorie „Erweiterung der Lebensweisheit“ ablegen. Einen weiteren Kontakt – geschweige denn eine Zusammenarbeit – wird es von meiner Seite nicht mehr geben.

Sofort erinnerte ich mich an zwei Vorkommnisse aus meinen Leben als Sekretärin. Intrigen, Mobbing und hinterhältiges Verhalten habe ich dort des Öfteren erlebt, aber diese beiden Erlebnisse toppten alles.

In einer meiner früheren Firmen versuchte einer der Vorstände seinen – ziemlich angeschlagenen – Ruf bei seinen vertrauten (und vor allem ihm vertrauenden) Mitarbeitern zu retten, indem er mich beschuldigte (natürlich hinter verschlossener Tür), die angefertigten Protokolle einer Aufsichtsratssitzung gefälscht zu haben. Heimlich beauftragte er den Prokuristen, mein Stenogramm an eine freiberuflich arbeitende Protokollführerin zu schicken und ließ das Protokoll erneut schreiben (heraus kam übrigens der identische Inhalt). Am Tag nach der Veröffentlichung meines Sitzungsprotokolls fand ich an der Wand meines Büros eine aufgehängte (eher gelynchte) Comicfigur (ein Lemming, sehr süß eigentlich diese Comics), die mir wohl suggerieren sollte, ich wäre die nächste…. Bei mir rief diese Aktion nur Belustigung hervor. Der zweite Vorstand nahm dies allerdings zum Anlass die Aufsichtsräte dazu zu bewegen, den anderen Vorstand absetzen zu lassen. Obwohl ich „gewonnen“ hatte, blieb ein fader Beigeschmack.

In einer anderen Firma bekam einer meiner Chefs kalte Füße, weil ich offensichtlich zu viel über seine in der Spesenabrechnung verschleierten Privatausgaben, sein sehr persönliches Verhältnis zu einer Kollegin aus der Nachbarabteilung und andere Klüngeleien wusste.

Er lästerte bei meiner direkten Kollegin über mich, stellte meine Kompetenz in Frage und „beauftragte“ sie schließlich, mich doch rauszuekeln. Wenn sie nur lange genug so richtig böse zu mir wäre, würde ich mir schon irgendwann einen neuen Job suchen.

Mein schon länger vorhandenes gespaltenes (und daher distanziertes) Verhältnis zu dieser Kollegin (dachte ich mir doch, dass sie äußerst intrigant sei), nutzte er schamlos aus und berichtete ihr, ich würde mich angeblich permanent bei ihm über sie beschweren.

Ich hatte mich getäuscht, die Kollegin war weder intrigant noch hinterhältig und aus „Feind“ wurde plötzlich (eingeschränkt) „Freund“. Sie nahm mich eines Morgens zur Seite und erzählte mir von dem Vorhaben meines Chefs. Sie wollte da nicht mitmachen und informierte mich ab dem Moment über alle Schritte, die er plante. Über ihr Verhalten freute ich mich, das meines Chefs (der bis dahin immer so tat, als würde er ohne mich nicht „leben“ können) erschütterte mich um so mehr.

Ein paar Monate später verließ ich die Firma, ließ mir diesen Abgang jedoch teuer mit einer Abfindung bezahlen.

Um zu dem jetzt Erlebten zurückzukehren: Es ist schade, dass nun Menschen aus meinem Leben ausscheiden werden. Ich habe gerne mit ihnen zu tun gehabt und werde gerade die Gespräch mit meinem langjährigen Bekannten sehr vermissen. Zu sehr fühle ich mich aber hintergangen und verletzt, als dass ich ein normales Verhältnis – auch nach Klärung der Umstände – aufrecht erhalten möchte oder könnte.

Am meisten ärgert mich daran, dass ich mit Lob, Freundschaftsbekundungen, Mitgefühl und lieben Worten überhäuft wurde, als sie mich brauchten. Wie es schon damals mit den wahren Gedanken zu meiner Person aussah, kann ich mir im Nachhinein allerdings gut vorstellen.

Mir zeigt dieses Erlebnis jedoch deutlich, dass ich wohl ganz gut mit meinem gesunden Misstrauen fahre. Auch, wenn ich abgeklärter im Umgang mit solchen Situationen bin, schmerzen tut es doch jedes Mal.



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