Wendepunkte

Von Marc
Am gestrigen Sonntag konnte ich einen Teil der Ausstellungen der diesjährigen Ausgabe der Bieler Fototage besuchen. Meinen Rundgang startete ich im Haus Schwab, das zum Neuen Museum Biel gehört. Gleich die erste Serie The Day Before_Star System von Renaud Auguste-Dormeuil ist sehr berührend und löst beinahe Gänsehaut aus. In rekonstruierten Bildern zeigt er jeweils die Sternbilder der Nacht vor einem Militärschlag. Daneben gab es Deep Weather von Ursula Biemann zu sehen, ein Video in dem die fortschreitende Ausbeutung der Natur thematisiert wird. Im Nebenraum konnten die etwas anderen Japan-Bilder der Serie Nouveaux souvenirs des Rado Star Prize Switzerland 2013-Preisträgers Olivier Christinat besichtigt werden. Nächste Station auf meiner Tour, die ich übrigens auf einem Bike-Sharing-Velo von Velospot absolvierte, war die Grange Verdan, wo unter dem Titel Trigger die Zielscheiben des Künstlerkolletivs Type A mit mehr oder weniger realistischen Gefahrenszenarien aus dem amerikanischen Alltag zu sehen waren. Hier lohnt sich der Besuch neben den teilweise surreal-lustigen Sujets besonders auch wegen der aussergewöhnlichen Location. Danach führte mich meine Runde zu einem der Hauptausstellungsorte La Villa, wo acht verschiedene Ausstellungen beheimatet sind. Gestartet bin ich im zweiten Stock bei den Fotografien aus dem Archiv der ehemaligen Stadtpolizei. Unter dem Titel Bienne (extra)ordinaire werden in schwarz-weiss gewöhnliche und aussergewöhnliche Ereignisse aus den Jahren 1950 bis 1970 gezeigt. Die nächste besichtigte Serie stammt vom Ägypter Mohamed Ezz und stellt die verschiedenen Gesichter des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mursi anhand einer Flagge, die seine Anhänger beim Wahlsieg auf dem Tahrir-Platz präsentierten, dar (The Other Faces of Morsi). Weiter gab es in diesem speziellen Ausstellungsort, welcher vermutlich zum letzten Mal für die Fototage zur Verfügung steht, Kindheitserinnerungen an Wentworth von Lucas Olivet & Cowboy Noir, die Entstehung und Reise einer "antiken" Marmorsäule zwischen China und Europa im Film The Column von Adrian Paci sowie in Altered States die von Grégoire Cheneau aus unzähligen Aufnahmen zusammengesetzten Porträts, die eine Wirkung irgendwo zwischen Perfektion und Unvollkommenheit entfalten, zu sehen. Weitere Serien behandelten eine Form des Stalkings, Sich-Selber-in-Szene-setzen und Verarbeitung von Liebeskummer (I would also like to be von Jenny Rova) und die Verwandlung von Individuen zu einer Masse in Foule von Cyril Porchet. Im Erdgeschoss kann man dann noch in die Mode-Welt der Kunst- und Fotografiezeitschrift Dorade eintauchen. Im Anschluss durfte ich bei meiner eigenen Ausstellung während zwei Stunden zahlreiche Besucher empfangen und interessante Gespräche führen, bevor ich zum Abschluss dieses Tages in der Gewölbegalerie in Change of Life die Verarbeitung ihrer psychischen Erkrankung der Japanerin Hazuki Natuno, die bei meiner Vernissage auch kurz vorbeischaute, sowie lustige und intelligente Cartoons von Anna, Magi Wechsler und Jules Stauber bestaunen konnte.