Welt.de findet rechtsaussen Mitteldeutschland

Immerhin: Entgegen meinen Erwartungen vermag Springers Berichterstattung zum Bahnstreik doch mit Überraschungen aufzuwarten. Klar: Wir hassen Gewerkschaften, Klaus Weselsky ist Dr. No, und mittlerweile fordert die CDU sogar schon Zwangsschlichtungen. Aber überschrieben wird das just in diesen Minuten (im Live-Ticker, was sonst) mit

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Zwangsschlichtungen sind übrigens ein Erfolgsmodell aus den 20er Jahren; wenn Sie mal eines Tages planen, die Tariffreiheit hierzulande auszulöschen, dann haben Sie da einen guten ersten Schritt gemacht. Zuletzt wurde das übrigens vom ersten Kabinett Marx (köstlich) in der Weimarer Republik ausprobiert.

Damals hatten wir gerade eine Hyperinflation, und tausende Streiks mit Millionen Arbeitsniederlegungen. Also ein geringfügig anderes Szenario, einschließlich bereits bestehender Einschränkungen z.B. der Versammlungs- und Koalitionsfreiheit, weil Arbeiter damals etwas anfälliger für die Idee waren, gleich mal eine Revolution zu starten.

Man könnte also auch sagen: Wenn Sie die Tariffreiheit in Schutt und Asche legen wollen UND dabei gleichzeitig keinen Zweifel daran lassen wollen, dass Sie ein hysterischer Populist sind, dann fordern Sie sowas.

Entsprechend habe ich mir selbst ein bisschen Hysterie verdient, wenn ich unter dieser Überschrift lese, wie genau "Mitteldeutschland" in Welt.de definiert wird.

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Oh, ich habe nicht gesagt, dass das eine typische rechtsextreme Definition ist. Sachsen liegt exakt rechtsaussen in Deutschland, nicht in der Mitte, das Saarland wäre zum Beispiel linksaussen. Nicht wegen Lafontaine, sondern geografisch. Vielleicht sollten also doch mal mehr Leute die absurden Bezahlmodelle von Springer in Anspruch nehmen, damit man sich dort einen Atlas kaufen kann.

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