"Welcome to New York" [USA, F 2014]


Abel Ferrara wäre nicht Abel Ferrara, wenn er nicht die Dominique-Strauß-Kahn-Karte provokativ ausspielen würde. Der ehemalige französische Präsidentschaftsanwärter sieht sich einem Alter Ego gegenüber, das unter einer Wulst verwundbar ist. Dabei sind es nicht die Pathologien eines Gérard Depardieu, der mit geballter Fleischeslust spielt, keucht, stöhnt, rammelt. In diesen archaischen Endlosstaffelungen schwülstigen Abreagierens lässt sich dieser seltene und seltsame Film bewusst nicht maßregeln. Sobald Ferrara Kontrolle über seinen Film, über "Welcome to New York", erlangt, nähert sich jedoch ein merklich auflösender denn aufgelöster Film seinem Publikum, das innerhalb einer faszinierenden voyeuristischen Blickachse nicht weiß, wohin es seinen Ekel projizieren soll und woher leises Mitleid plötzlich die Sicht verstellt. Vergleichbar mit Alfred Hitchcocks "Der falsche Mann" (1956), zeigt Ferrara die leidigen Prozeduren polizeilicher Arbeitswelten schrittweise – von den ersten Bekanntschaften in einer Gefängniszelle bis zu einer Leibesvisitation, bei der die Kamera (Ken Kelsch) verharrt, während Depardieu das Beugen und Bücken zu physischer Schwerstarbeit umdeutet. Auch wenn sich Depardieu einige Szenen später darin gefällt, verschwurbelte Erlösungsgedanken über den Bildschirm zu kleistern (und die dokumentarische Distanz zu bedeutungsschwangerem Sinnieren verkommt) – Ferraras kompromisslose Hingabe, die hässlichen Schönheitsfehler im Machtraum mächtiger Männer erotisch, gewaltsam aufzudecken, kulminiert in einem anonymen, vegetierenden New York, einem (gänzlich sterileren) Abel-Ferrara-New-York.
6 | 10

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