Weihnachtsbummelei

Von Xeniana

Karla(9) hat eine Extraprobe. Gefühlt hat Karla im Advent täglich eine Probe. Es ist ihrem Temperament geschuldet, dass sich auf der Bühne am wohlsten fühlt. Sie liebt es Theater zu spielen. Sie singt in 2 Chören, sie hat Balletttraining und eine Theater Ag in der Schule.Sie spielt Geige. Der Versuch ihr Programm zu kürzen wurde von ihr mit Zornesausbrüchen quittiert. Dieser Thematik widme ich mal einen eigenen Beitrag.

Wir sind früh dran und haben noch Zeit im warmen Dezemberwind über den Weihnachtsmarkt zu schlendern. Ich bin müde."Komm Mama, lass uns unser Spiel spielen!" Ein Spiel entstanden in einem Einkaufszentrum, dass wir oft durchqueren auf dem Weg zur Chorprobe. "Die gucken alle so gestresst, hatte mal Anna festgestellt." "Und müde..., setzte Karla dazu." Und dann begannen wir zu zählen-Menschen mit wachen Blick. Damals kamen wir auf 3 in einer Stunde.

Karla und ich begannen zu beobachten. Ich gehöre definitiv zur müde schauenden Fraktion. Ein Mann Typ outoor mit einem auf dem Rücken geschnallten Kleinkind blieb stehen und bat einen Anderen seinem Kind doch bitte die Mütze aus den Augen zu ziehen. "Die haben beide lebendig geguckt. Der eine schon vorher, der Andere dann auch." Karla freut sich. Ich hab 2 Punkte!" An einem Stand werden Ballettsachen verkauft.Karla braucht noch eine Jacke. Der Verkäufer reicht mir eine in rosa."Sie dachten bestimmt an so was, sagt er." An sowas hätte ich gerade nicht gedacht-ehr so an dunkelblau.Er würde blau auch viel schöner finden als rosa gesteht er mir. "Na dann sind sie ja hier genau richtig!" Ich lächle, er ist auf kleinstem Raum umzingelt von rosa. " Ein Punkt für mich sage ich und du guckst auch wach Karla."

"Kinder zählen nicht-die gucken immer wach." Karla bleibt hart. Es kommt noch ein vergesslicher Pommesverkäufer hinzu, ein Straßenmusiker und eine ältere Frau. Dann ist Karla bei der Probe und ich gehe mit müden Blick die letzten Geschenke einkaufen. Oh die Familie ruft zum 4. Adventsfrühstück.Euch allen einen schönen 4. Advent.

Hier noch ein Gedicht aus meiner Schulzeit, dass ich sehr mag:

Augen in der Großstadt

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang, die
dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...
Vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber ...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

(Kurt Tucholsky)