Weihnachten im Einkaufscentrum – Ich bitte nicht

Von Normann Sötje @pyramideneule

Ein Blick von der Galerie

Ich stehe so am Geländer der Galerie und schaue mich um. Hier meine subjektiven Eindrücke:

Viele Menschen laufen umher. Es ist ein Muster zu erkennen. An den Schaufenstern stehen die Leute und schauen. An dem Geländer lehnen die Menschen und schauen umher und in der Mitte drängeln sich zwei Ströme. Der eine hin und der andere zurück. Aber erstmal ganz von vorne. Die Anfahrt zum Einkaufscentrum war schon ein Geduldspiel. Ich biege ab und stehe. Es geht nicht weiter. Vor der zweispurigen Einfahrt zum Parkhaus, STAU. Es geht nur Stück für Stück vorran. Warten und nach vorne rollen lassen bis zur Eingangsschranke. Ich schaue links und rechts in die Autos und sehe die Ehepaare. Er schon leicht genervt und Sie hat schon das Gucci-Zeichen in den Augen und würde mit ihrem Blick am liebsten alle anderen anschieben damit es schneller geht. Aus aller Herren Städte kommen sie, um das einmalige Gedränge im Einkaufcenter zu genießen, anders kann ich es mir nicht erklären, warum man sich 2 Tage vor Weihnachten in das Getümmel stürzt.

An der Parkschranke angekommen meldet der Parkkartenautomat “Parkhaus voll. Bitte warten”. Also warte ich während man an der Ausfahrt sieht, dass für jedes ausfahrende Auto einen kleinen Moment später ein neuer einfahren darf. Dann endlich spuckt de Automat die Karte aus. Es sind 15 Minuten verstrichen.

Ich als Ortsansässiger weiß jetzt natürlich was zu tun ist. Ab ganz nach oben. Bei anderen scheint eher der Gedanke zu zählen: “Je dichter um so weniger Weg habe ich” oder “Je besser und nobler das Fahrzeug, desto dichter hat man das recht am Eingang zu parken” Mir egal, ich fahre ganz, ganz nach oben, dort wo kein Dach mehr drauf ist. Auf dem Weg dahin sehe ich die suchenden Nobelkarren. Sie finden keinen Parkplatz. Kein Wunder, denn in den Jahren sind die Autos breiter geworden. Jeeps, SUVs und Co sind halt Standard hat man das Gefühl bei so einigen. Allerdings fehlt in deren Köpfen ein Gedanke: “Mein Auto ist breiter als früher, der Parkplatz aber nicht” Denn die Parkplatz sind nicht mit den Autos in die Breite gewachsen. Links ein SUV, rechts ein SUV, dann passt in die Mitte nur noch ein Smart. Mir egal, denn ich parke ja im Regen und wundere mich wieviele dort doch parken müssen, denn nach und nach kommen die Parkplatzsucher auch ganz nach oben.

Innen angekommen geht es die Rolltreppe runter ins Getümmel. Je weiter man nach unten kommt, desto mehr ist auf den Gängen los. In der Ladenzeile angekommen heißt es denn sich in den Menschfluss einzureihen. Jetzt ist es eigentlich sinnvoll in die Schaufenster zu schauen, denn dann passt man sich den anderen an. Wenn man allerdings ein Ziel hat, passiert es schnell. Rumps und man haut seine Nase in die Haare seiner Vordermanns. aufgelaufen auf einen Fenstergucker, der ja gar nicht die Chance hat ans Schaufenster zu kommen, da dort ja schon die “alten” Einkäufer stehen, die 10 Minuten eher angekommen sind und somit schon Platzrecht haben. So bleibt man einfach mal im Gang stehen. Vielleicht sollte es Bremslichter an den Jacken geben oder es wird ein mentales Signal gesendet “Hintermann bleib stehen”. Naja vielleicht lernt man ja im “Rumps” noch jemanden kennen.

Ich stelle mich an einem ruhigen Platz an die Galerie und kann über 2 Stockwerke die Gängen beobachten.

Ich sehe genervte Ehemänner oder Freunde, die tütenschleppend hinter ihren Frauen herlaufen. Sie wirken dabei durstige Packesel im Gebirge, die ihrem Sherpa braf hinterher laufen. Die Frau gibt dabei das Tempo und die Geschäfte vor und der Mann folgt an der imaginären Kommandoleine. Dann stehen sie vor den Geschäften an dem Galeriegitter, wie Lastenpferde im Western vor dem Sallon warten, bis die Frau sich im Geschäft Glücklich geguckt oder gekauft hat und weiter gehts mit dem Packesel im Schlepptau. Rücksicht und Geduld scheinen einige nicht zu kennen. Sie kämpfen sich durch die Massen ohne Ruhe und Geduld, ganz nach dem Motto: “Wenn ich schon mal hier bin, dann bin ich auch die Königin” Es wirkt bei einigen so, als hätten sie mehr Rechte als andere.

Auch interessant zu Beobachten sind die Männer mit ihren besten Kumpels, die verzweifelt durch das Einkaufscenter hetzen, um noch ein Geschenk für die Mutti oder die Freundin haben wollen. Man sieht förmlich, wie sie sich sagen, “Hätte ich mal eher das Geschenk gekauft, so wie ich es mir letztes Jahr vorgenommen habe” Nun ist es aber zu spät, denn übermorgen ist Weihnachten und ohne Geschenk oder mit einem Gutschein und Blumen von der Tanke brauche ich zu Hause nicht auftauche. (Die Couch über die Feiertage ist nicht sehr bequem).

Anders sieht das ganze bei den jung.verliebten aus. Ihr wird der Mann noch anhimmelnd mit in jedes Geschäft genommen. Mit verliebten Blicken stehen sie hinter der Freundin und strahlen aus “Ich liebe sie so sehr, seht her ich kaufe mit ihr zusammen ein, egal was kommt” Natürlich in Richtung der angeleinten Packesel, die angenervt, völlig fertig vor dem Geschäft warten und denken “Ihr werdet noch sehen was euch dies Verhalten bringt. Nächstes Jahr stehtst du auch bei uns und wartest und schleppst. Du wirst schon sehen wie es ausgeht”. Am schlausten und glücklichsten sind die Abholer. Das sind die Klügsten. Man erkennt sie an dem suchenden Blick an markanten Punkten. Der Treffpunkt den man mit der Shoppingqueen ausgemacht hat. “Ausgemacht war drei Stunden und jetzt stehe ich hier, aber den Stress hatte ich nicht, ihr Packesel und frisch Verliebten. Es wird zwar etwas teurer aber das ist mir meine ruhe wert” Das sind ihre Gedanken, die die anderen Männer ebenfalls wahrnehmen und sich ihren Teil denken.

Eine ganz andere Kategorie in einem Einkaufscenter mit viel exclusiven Geschäfften sind die Poser-Paare. Das sind die mit den ganz breiten Autos direkt vor der Tür. Die mit dem Syltpullover über den Schultern, die die nicht bei Nordsee essen, sondern bei dem edlen Fischhöker, der auch auf Sylt residiert. Wo Wein oder Champus zum Seelachs mit Kartoffelsalat gereicht werden und man stolz wie Bolle schaut und der Gesichtsausdruck vermittelt: “ Seht her ihr normales Volk. wir essen ganz besonderen Fisch” Ich muss gestehen, es riecht wie bei Nordsee und der Fisch kommt bestimmt aus dem selben Meer, aber macht ihr mal.

Es wuselt alles umher und die Läden erfreuen sich, dass sie auf diese eine Zeit im Jahr endlich da ist. Bei einigen Läden scheint es so, als sei dies die einzige Zeit, in der sie was verkaufen. Aber so sind wir halt. Zu Weihnachten muss das Geld unter die Leute und shoppen mit Weihnachtsdeko regt scheinbar an, denn eigentlich kann man schon in der Jahresmitte einkaufen gehen und alles Stück für Stück kaufen und vielleicht sogar billiger. Aber nein, es muss 2 Tage vor Weihnachten sein und bei einigen hat man das Gefühl, dass sie nur anreisen aus weiter Ferne, um sich in diesen Stress zu werfen. Meins ist das nicht, also raus aus dem Einkaufscenter und das ging sehr viel schneller als hinein. Ich habe mir dann am Parkscheinautomaten die Frage gestellt: “Warum vermiete ich keine Parkplätze?” Dann die Karte in die Tasche und ab zum Auto auf den billigen Dachplatz mit regen und raus aus dem Stressmacherhaus.

 

Und da ich ja so gerne beobachte und mir Gedanken mache, habe ich das auch gleich am nächsten Tag, also einen Tag vor Heiligabend gemacht und zwar vor einem Supermarkt. Rein in den Markt wollte ich nicht, bzw. konnte ich nicht, denn es muss irgendwo ein Unglück gegeben haben, waren meine Gedanken. “Jetzt schnell nach Hause und um die Familie kümmern schließlich geht die Welt unter.” Denn die Leute trugen wie die Armeisen alles mögliche aus dem Supermarkt. Genauso wie in den Endzeitfilmen aus den USA. Aber eines fand ich komisch, denn ich sah da so viel Weihnachtsschoki und dann fiel es mir ein. Es ist ja Weihnachten, das 2,5 Tage Ereignis, während dem alle Geschäfte geschlossen haben, Also quasi 2 Sonntage am Stück und vorher ein Samstag. Glück gehabt, die Welt geht nicht unter.

 

Ich hoffe euch erging das Weihnachtsshopping ruhig und gelassen. Wünsche euch frohe Weihnachten, viel Ruhe und besinnliche familäre oder freundschaftliche zusammenküfte.

 

Eure Pyramideneule