Weekend Watch List: Ali

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Weekend Watch List: Ali

7Biopic

Mit dem Boxer-Biopic Ali beweist Michael Mann, dass er neben seiner ausgeprägten Bildsprache auch ein großartiger Schauspieler-Regisseur ist. Einmal mehr treibt er seine Darsteller zu Höchstleistungen.

Muhammad Ali (Will Smith) zählt nicht nur im Ring zu einem der besten Boxer aller Zeiten, sondern gilt auch als unnachahmliches Showtalent außerhalb des Rings. Seine verbalen Spitzen gegen seine Kontrahenten waren so scharfzüngig wie seine Schläge im Ring wirkungsvoll. Sein sportlicher Aufstieg von der ersten Weltmeisterschaft bis zum legendären “Rumble in the Jungle” gegen George Foreman stellen seine wohl ereignisreichsten Jahre dar. Auch außerhalb des Rings sorgt Ali in dieser Zeit für Kontroversen. Er findet eine neue Identität als afroamerikanischer Muslim, lernt Malcolm X (Mario Van Peebles) kennen und distanziert sich von ihm, kämpft gegen die Einberufung in den Vietnamkrieg – was beinahe das frühzeitige Ende seiner Karriere bedeutet -, setzt sich für die Rechte Afroamerikaner ein und erlebt das Ende seiner Ehe zu Sonji (Jada Pinkett Smith). Egal welche Rückschläge Ali einsteckt, er bleibt durch und durch ein Kämpfer und wird durch diese Mentalität zu einer weltweit bekannten Ikone.

Michael Mann bleibt den Genres Drama und Biopic treu und erzählt mit Ali vom bewegten Leben einer Legende. Wie auch in seinem vorigen Film versteht er es die Geschichte spannend und mitreißend zu erzählen, trotzdem gelingt es ihm nicht mit Ali nahtlos an Heat oder Insider anzuschließen. Wie viele andere Filme über reale oder fiktive Boxer krankt die Handlung vor allem an seiner Vorhersehbarkeit. So sehr sich Mann und seine Co-Autoren (u.a. auch Eric Roth, mit dem gemeinsam er schon den großartigen Insider geschrieben hat) bemühen Ali mit Spannung und Komplexität aufzuladen, im Endeffekt kennt man das Gesehene bereits zu genüge. Am Verlauf und Ausgang der Geschichte kann und wird nicht gerüttelt. Sicher, für jene, die mit dem Leben von Muhammad Ali nicht vertraut sind, ist das Biopic eine gelungene Anlaufstelle um sich damit auseinanderzusetzen, aber dennoch gibt es weitaus bessere und komplexere Vertreter, sowohl des Boxerfilms (Rocky) oder des Charakterporträts eines Boxers (Wie ein wilder Stier).

Was Ali aber wirklich, trotz inhaltlichem Leerlauf, sehenswert macht sind die Leistungen der Darsteller. Allen voran Will Smith in seiner wohl absolut besten Rolle. Bis zu diesem Film war er ja nicht unbedingt ein Schauspieler, der durch seine dramatischen Muskeln bekannt war, aber hier darf er sie endlich einmal anspannen und beweist zu was er, unter der richtigen Regie, fähig ist. Für jene, die bisher an seinen Fähigkeiten als vielseitiger Mime gezweifelt haben, wird dieser Film ein wahrer Augenöffner sein. Auch wenn es sich also bei Ali nicht um ein Meisterwerk von Michael Mann handelt, ist es trotzdem ein sehr sehenswertes und unterhaltsames Biopic über den wahrscheinlich größten Boxer aller Zeiten.

Regie: Michael Mann, Drehbuch: Stephen J. Rivele, Christopher Wilkinson, Eric Roth, Michael Mann, Darsteller: Will Smith, Jamie Foxx, Jon Voight, Mario Van Peebles, Ron Silver, Jeffrey Wright, Mykelti Williamson, Jada Pinkett Smith, Filmlänge: 157 Minuten, DVD/Blu-Ray Release: 23.11.2012

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Autor

Marco Rauch

Aufgabenbereich selbst definiert als: Kinoplatzbesetzer. Findet den Ausspruch „So long and take it easy, because if you start taking things seriously, it is the end of you” (Kerouac) sehr ernst zu nehmend.