Was will die Welt noch hören?

Lukas König (Foto: Arianna Kronreif)

Am 12. April lud das Klangforum Wien unter dem Titel „Genregrenzen“ zu einem seiner gut besuchten Abo-Konzerte. Im Mozartsaal des Konzerthauses erklangen Werke von Bernhard Lang, James Clarke, Alexander Schubert und Lukas König. Wobei letztgenannter Komponist wohl DIE Überraschung des Abends war.

Bernhard Lang bezog sich in DW 24 „loops for Al Jourgensen“, aus dem Zyklus Differenz/Wiederholung, nicht nur auf den Sänger und Mastermind der Industrial-(Metal)-Band Ministry, sondern auch auf den Jazzer Eric Dolphy. In seiner Einführung vor dem Konzert demonstrierte der Saxophonist Gerald Preinfalk die Herangehensweise von Lang, Dolphys Improvisationen zu notieren und in die Komposition einzubringen. Auffallend im Stück waren aber nicht nur die Bezüge zum Jazz oder zur Metal-music, hörbar wurden auch rhythmische Muster, die an Aram Khatchaturian erinnerten. Geprägt ist das Werk von raschen Rhythmenwechseln und einem hohen Tempo, das bis zum Schluss durchgehalten wird. Auch dass im späteren Verlauf an einer Stelle sogar kurz Bigbandrhythmen durchblitzten, zeigt, wie groß die Bandbreite von unterschiedlichen, musikalischen Einflüssen ist, die der Komponist verarbeitete . Die verwendete Elektronik, bei Lang stets präsent, hält eine ausgewogene Balance mit den Live-acts.

Was will die Welt noch hören?

Bernhard Lang (Foto: Harald Hoffmann)

Am Pult agierte – nicht zum ersten Mal beim Klangforum – Baldur Brönnimann. Bestens vorbereitet und zutiefst mit dieser Musik ident, war es ein Genuss, ihm bei der Leitung zuzusehen. Seinen vollen, rhythmischen Körpereinsatz konnte man vor allem bei Langs Komposition wie ein eigenes Instrument lesen, das zugleich als Klammer für alle Beteiligten fungierte.

James Clarke war an diesem Abend mit „Ritornelli“ vertreten, zwei Kompositionen, in welchen die Instrumentalstimmen gleichmäßige, aber voneinander unterschiedliche Rhythmen verfolgten. In Alexander Schuberts „Sugar,Maths and Whips“ konnte der Einsatz der Elektronik nicht nur als eine Klangerweiterung wahrgenommen werden, sondern erzeugte das Gefühl einer eigenen instrumentalen Qualität.

Die Überraschung des Abends lieferte am Schluss des Konzertes Lukas König, der sich der experimentellen Popmusik verschrieben hat und auch als Schlagzeuger agiert. Die Einladung des Klangforums, für das Ensemble ein Stück zu komponieren, empfand er als große Herausforderung und als Auftrag, von Null auf Tausend etwas Qualitätvolles abliefern zu müssen. „Am liebsten hätte ich alles in das Stück gepackt“, erklärte er im Gespräch vor dem Konzert, wohl wissend, dass das gar nicht möglich ist. Mit der auf Experimentalmusik spezialisierten Sängerin Audrey Chen an seiner Seite agierte er, selbst am Synthesizer, auch im gesanglichen Duo. Sein extrem abwechslungsreiches Stück mit einem dunklen, beinahe schon erdig-bedrohlichen Duktus beeindruckte auch durch seine gut nachvollziehbare Struktur. Immer wieder öffneten sich kurze Fenster in eine gänzlich andere, musikalische Welt, in der Gamelanklänge hörbar wurden. Mit Audrey Chen bereitete es keinerlei Schwierigkeiten, Königs experimentelle Stimmführung passgenau in Szene zu setzen. Nicht nur einmal mischte sich dadurch zu einem dumpfen Dröhnen ein stimmliches Flattern und Rauschen, ein Knarzen und eine verblüffende Harmonie zwischen dem menschlichen Organ und den verwendeten Synthesizer-Klängen. Immer wieder ließ König die Bläser aufbrausen und sich wie ein wildes Tier vereinigen, um danach wieder abzuflauen. Langgedehnte, durch Trommelschläge akzentuierte Klangstreifen, eine freejazzig angelegte Passage mit Chens Stimme sind nur wenige von vielen, unterschiedlichen musikalischen Ideen, die König hier zu einem abwechslungsreichen, dichten Stück verarbeitete, das beim Publikum großen Beifall evozierte. Die Frage, die sich König stellte, als er am Beginn seiner Kompositionsarbeit über den Auftrag nachdachte: „Was will die Welt eigentlich noch hören?“, kann einfach beantwortet werden: Ein Stück wie dieses!


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