Was war, was wird…

Von Stilpirat

Ooochh nööö – schon wieder Jahresrückblick?!? Hey, ich schreibe persönliche Jahresrückblicke schon etwas länger… also darf ich das ;-) Na mal im ernst: Ich finde es ungeheuer interessant, mir meine Jahresrückblicke der letzten Jahre (2009 / 2010) anzuschauen und festzustellen, wie sich mein Leben mit jedem gewonnenen Jahr verändert. Die wohl größte Kritik und zugleich die größte Erkenntnis aus dieser Art der Abrechnung ist, dass ich mir das Erreichte selbst am Wenigsten zugetraut hätte. 

Beginnen wir mit dem

Januar

Ich hatte mir fest vorgenommen eine kleine Abhandlung über meine Arbeit als Hochzeitsfotograf zu schreiben und dies als eBook zu vertreiben. Eigentlich entstand es in der Vorbereitung auf meinen ersten Hochzeitsfotografie-Workshop, der ebenfalls im Januar stattfand. Der Workshop war nach wenigen Tagen ausgebucht und ein voller Erfolg. Für mich völlig neues Terrain, doch Dank der wertvollen Unterstützung durch meinen verehrten Kollegen Paddy, klappte alles wie am Schnürchen.

Ende Januar war es dann soweit. Ich lies mein eBook “der Hochzeitsfotograf” auf die Menschheit los und eine Lawine positiver Reaktionen flutete meine Inbox. Holla!? Ungläubig las und bewunderte ich, was ich da angerichtet hatte…  Ich glaube, das wird mein Jahr!

Februar

noch immer geplättet vom Erfolg des eBooks, bereitete ich weitere Hochzeitsfotografie Workshops vor.  Außerdem fotografierte ich die beste Live-Band der Welt und folge meinem Vorsatz, mehr in Richtung Großformat zu machen. Ich fahre nach Braunschweig und besuche einen Großformat-Workshop, der mir die Augen öffnet. Der Februar war kalt, aber erkenntnisreich.

März

Ich halte einen kleinen Vortrag im “Pecha Kucha” Stil auf der Tidenhub 2010 und erkläre, warum ich Hochzeitsfotograf geworden bin. Meine Inbox wird abermals auf eine harte Probe gestellt. Ich bin nun fest davon übertzeugt:  Das wird mein Jahr. Ein Smoothie-Shooting brachte eine angenehme Abwechslung und mein zweiter Hochzeitsfotografie-Workshop war wieder ein Erfolg. Ich laufe warm.

Ich kaufe mir eine Zenza Bronica und mache meine ersten Gehversuche mit meiner Graflex Großformat-Kamera. Ich finde meine Ergebnisse atemberaubend…

Ich treffe die German Wedding Artists in Karlsruhe und bin ebenso menschlich wie fachlich beeindruckt.

April

Der Monat beginnt mit einer gehörigen Portion Frust, den ich mir von der Seele schreibe. Alle lachen. Nur ich nicht. Und dabei will ich doch nur meine Jobo in Betrieb nehmen. Ich fahre nach Dresden und treffe ein paar sehr nette Leute.

Ich bastle Wachs-Bilder  und fotografiere Williams und Gustavo.

Mai

Ich gehe Offline und fahre mit der Familie nach Bornholm. Mann, was für eine verflucht geile Insel. Hieße ich Hemingway und würde dort Urlaub machen, müsste ich ein Buch schreiben. Ich fange an, ein Buch zu schreiben, bin aber nicht annähernd so gut wie Hemingway. Stattdessen hasste mich ein Foto aber nun hängt es ganz riesig an meiner Wand. Ich habe gewonnen!

Ich fotografiere mein schönstes Hochzeitsfoto und glaube, dass ich nie wieder ein besseres werde fotografieren können.

Juni

2 Bräute buchen mich, um mit mir durch Hamburg zu cruisen. Ich hatte schon schlechtere Jobs.

Ich fotografiere im Juni ehrlicherweise mehr Hochzeiten als mir lieb sind und komme kaum noch zum Bloggen. Ich hab ne Menge Lehrgeld gezahlt und gerate an meine Grenzen…

Juli

Ich darf endlich die Fotos aus dem Liebe Minou Shooting zeigen auf die ich so stolz bin und mache mir Gedanken über mein Alter.  Ein Paar nimmt mich kurzerhand mit in die Flitterwochen und ich schicke sie samt Kleid und Anzug ins Wasser. Ein wunderschöner Abend mit einem Füllhorn toller Fotos.

Ein verrücktes Brautpaar gibt mir bei den Fotos ganz doll “freie Hand” und ich bin bis heute überglücklich über das Ergebnis.

Ende des Monats brauchte ich Passbilder. Es war ein Desaster.

August

Ich lüpfe den Schleier der Schweigsamkeit und kündige mein Buch “Abenteuer Fotografie” an. Die Blogpost wird vorläufig zum Besucher-Rekord auf meinem Blog. Ich krieg bei derlei Vorschuss-Lorbeeren Angst total zu verkacken und will alles hinschmeissen nochmal überarbeiten. Ich glaube, mein Verlag beginnt mich zu hassen, aber sie sagen es nicht und gewähren mir einen Monat Aufschub.

Ich hoffe im August auf die Nikon D800. Sie kommt nicht. Stattdessen kaufe mir ein Super-Objektiv und lass mich von Sony nach Griechenland fliegen Dort lerne ich endlich auch meinen Namensvetter Steffen von Lensflare.de kennen und geniesse mit ihm und Christoph den Bohei um die neue Alpha77. Beim abendlichen Rotwein komme ich zur Erkennsnis: Egal was noch passiert: Das ist mein Jahr!

September

Ich fotografiere Joel Havea für sein Debüt-Album und ein umstrittenes Familienporträt sorgt abermals für einen Besucherrekord. Ich revidiere meine Meinung zum Thema: “Kann man fotografieren lernen?” und die Arbeit an meinem Buch raubt mir meinen Verstand. Ich entschliesse mich einzuschliessen, um das Buch fertig zu schreiben.

2/3 des Jahres sind rum und ich schaue in den Spiegel: “Alter bist du denn völlig bescheuert?” Was machst Du da?” Ich bin mir nun ziemlich sicher: Entweder es wird “mein Jahr” und das Buch ein Erfolg oder ich wandere aus. Kann mich ja nirgendwo mehr blicken lassen sonst…

Oktober

Ich hab mich verliebt! In die Lausitz! Die Zeit in einer Blockhütte an der Spree waren genau das Richtige, um das Buch abzuschliessen. Ich hab neue Freunde gefunden, polnische Gastlichkeit erlebt und mir aus lauter Dankbarkeit eine Pentax67 gekauft. Das Beast!

Ich fotografierte mit Julchen eine Hochzeit in Königswinther und bereitete mich intensiv auf die anstehende Knackscharf Tour vor.

Der erste Stop in Hamburg wird gnadenlos geil! Sollte der Rest der Tour genau so laufen, dann war es das.

Ich bin aufgeregt, was das Buch angeht. Der Verlag ist jedenfalls schon mal glücklich mit dem Ergebnis. Na dann…

November

Selbstzweifel im Umgang mit dem Social Media Gedöns, äußere ich mich selbstkritisch zu Wort. Eine Woche Ostsee und ich krame einen uralten Orwo-Film hervor – ich bin begeistert vom Ergebnis. Ich wühle in alten Momenten und denke darüber nach, wie meine fotografische Zukunft aussehen kann.

Eine Leseprobe meines Buches löscht die letzten Zweifelt, dass ich nicht völlig daneben liege. Ende November erscheint es dann endlich im Buchhandel. Wie ein gejagter Hase hocke ich in meinem Nest und warte was passiert. Irgendwer muss es ja als erster lesen. Entweder wird das mein Jahr oder ich …

Dezember

Ich lasse mein Jahr als Hochzeitsfotograf Revue passieren und hab die meisten Kommentare auf eine Blogpost “ever” (212!!!).

Die Reaktionen auf mein Buch sprengen alle für möglich gehaltenen Szenarien. Ich geniesse die nicht mehr zu bändigende Inbox und schäme mich fast ein bisschen dafür. Egal! Ich bin glücklich! Die Salve an positiver Energie gibt mir Motivation für ein Fashion-Shooting, dass ich in der Nachbetrachtung als Meilenstein meiner fotografischen Laufbahn bewerte. Ich hab mich noch nie so intensiv auf ein Shooting vorbereitet und war noch nie mit einem Ergebnis so uneingschränkt zufrieden.

Das Experiment, mich und meinen Kollegen Markus Schwarze als Hochzeitsfotografen-Duo zu verschenken, läuft – sagen wir mal – schleppend. Bisher noch nicht eine einzige passende Anfrage trotz abermaligem Besucherrekords.

Dank

Mich haben im letzten Jahr ein paar Menschen begleitet, denen ich zu danken habe: Allen voran meiner Frau, die mich immer wieder auf den Boden zurückholt und den ganzen Zirkus hier zusammenhält, meinen Kindern für das Füllhorn an Energie und Inspiration, meinem getreuen Assi Patrick Lipke für die Hilfe und rechte Hand , dem knackscharfen Paddy für reichlich schöne Stunden in Hotelbars, meinem Edelassi und erstem Mat Josh Terlinden als erstes Lektorat und hilfreicher Arbeit und Inspiration, meinem Kollegen Markus Schwarze für “Malle und das was noch kommen wird” sowie natürlich allen Hochzeitspaaren, mit denen ich sehr intensive Stunden verbracht habe…

Was wird?

Ich weiss es nicht! Ich wage keine Prognose, weil die letzten beiden Jahre für mich ein Lehrbuchstreich in Sachen “Wie stellt man das Leben eines Mannes in der Blüte seines Lebens auf den Kopf”  war.

Ich werde das Design des Blogs nach all den Jahren endlich mal neu streichen und Martin wird mich dabei tatkräftig unterstützen.

Ich habe mir für das nächste Jahr fest vorgenommen, vieeel zu lernen und mich fotografisch weiterzuentwickeln. Hab ich die letzten Jahre – fotografisch gesehen – eher hingenommen, was mir mein Bauchgefühl vorgegeben hat, will ich im nächsten Jahr gezielter an mir arbeiten. Das, was ich in den letzten Jahren an Equipment investiert habe, wird im nächsten Jahr sicherlich in Wissen fließen.

Die ersten 4 Monate des Jahres gibt es wieder Hochzeitsfotografie-Workshops. Die sind aber leider alle (bis auf den in Zürich) bereits ausgebucht.

Ich hab im nächsten Jahr eine ganze Menge Hochzeiten im Ausland. Sie werden Teil meiner fotografischen “Walz” sein und hoffentlich jede Menge Erkenntnis-Gewinne mit sich bringen Im Februar soll es zunächst für ein tolles Fotoprojekt nach Malaga gehen. Im März/April bin ich in Californien und werde die Zeit dort für verschiedene fotografische Projekte nutzen. Da freue ich mich schon riesig drauf!!! Dazu dann aber gesondert noch mal mehr… Ab Mitte April bin ich dann für eine Woche in Zürich, wo ich einen Hochzeitsfotografie-Workshop gebe und eine Hochzeit fotografiere. Danach Hochzeiten in Birmingham, Tirol, irgendwo in Spanien und wieder Schweiz…  und natürlich auch einige Hochzeiten in Deutschland.  Das Ganze hört sich jetzt schon wieder wahnsinnig stressig an, doch werde ich jeden Auslandsjob mit ein paar Tagen Erholung und Fototouren verbinden. Und wer weiss, vielleicht fange ich ja auch an, an einem neuen Buch zu schreiben…

Achja, @Nikon: Bring die Scheiss D800 endlich auf den Markt!

Egal was passiert. Ich wünsche mir, dass das nächste Jahr mich wieder ein Stück weiterbringt und stolz zurückblicken lässt. Ich wünsche mir, dass Ihr hier bleibt, mitlest und mich begleitet. Ich wünsche mir, dass wir bei der nächsten “Was war, was wird”-Rückschau wieder staundend vor dem Rechner sitzen und nicht glauben können, dass das alles in ein einziges Jahr hineinpasst.

Auf Euch! Cheers!