Was war… die Kindheit

#life #love #childhood #kindheit

Was war… die Kindheit

Heute starte ich mit einer Artikelreihe Namens „Was ist, was war, was sein wird“.
Ich schaue in meine Kindheit, Jugendzeit, Erwachsenenzeit und versuche einen Blick nach vorne zu werfen.

Gerne erinnere ich mich zurück an meine Kindheit und vor allem an meine Großeltern.

In den ersten Jahren meines Lebens wuchs ich bei meinem Großeltern auf.
Mein Großvater war ein stattlicher und sportlicher Mann.

Ich habe mich unheimlich mit meiner Backe an seiner Backe gerieben wenn er einen Dreitagebart hatte.
Ich rasierte mich mit Ihm und ich rieche heute noch das After Shave dass er benutzte, das auch ich benutzt hatte um meinen Opa nacheifern zu können.
Mein Opa war Imker, Schuhmacher, war im Sportverein, in der Narrenzunft, ging zum Stammtisch und jeden morgen radelte er zu einem kleinen Laden in unserem Dorf.
Einkaufen war anstrengend mit meinem Opa, nicht weil es nicht immer etwas gab – aber spätestens beim gang zur Kasse musste man damit rechnen dass hier die nächsten, gefühlten 2 Stunden, Erwachsenengespräche statt fanden.
Fritz hieß der Mann dem der Laden gehörte und Fritz schlachtete noch selbst und verkaufte die Wurst in seinem Laden.
Einem Laden in dem es die weltbesten Berliner bzw. Pfannkuchen gab und in dem man alles Tagesaktuelle erfuhr.
Wer war gestorben?
Wessen Junge hat wurde wieder beim Mist machen erwischt?
Wer bandelt mit wem an?
Welche Kuh gekalbt und was der Gemeinderat wieder unsinniges beschlossen hat („die Bachel mit ihrer Vetterleswirtschaft“).

In den Ferien habe ich mich immer auf den Postboten gefreut.
Er kam in einem gelben Golf und hatte immer diese roten Himbeerbonbons dabei.
Der Golf hatte keinen Beifahrersitz, das fand ich komisch.
Mehr Autos kamen eigentlich nie durch unsere Straße.

Ich habe mich immer gefragt ob sie im deutschen Radio englisch singen und dafür in England deutsch singen?
Wie alt war mein Opa eigentlich? Uuuuralt und doch immer für einen Kick auf dem Hof gut.
Ich habe mich nie gefragt was mein Opa eigentlich nicht konnte, es war für mich Selbstverständlich dass er einfach alles konnte.
Er ging mit mir in den Wald, nahm mich mit zu seinen Bienen, ich durfte Honig mit den Fingern naschen wenn die Waben geschleudert wurden, er erklärte mir anhand der Wolken wann es regnen wird.
Wenn es mir langweilig war ging ich zu meinen Kindergartenkumpels oder zum Bauer um ihm beim Schweine füttern, heuen, Kartoffeln ernten oder sonst irgendwas zu helfen.

Mann, was hatte ich Angst vor den Gänsen, das waren die heimlichen Wachhunde des Hofs und die konnten richtig fauchen und zwicken wenn man ihnen zu nahe kam.

Sonntags war Fußballplatztag – da ging es zum örtlichen Fußballplatz wo ich dann auch Fanta trinken durfte. Das war Super!
In unserem Ort gab es viele Kinder und mit den Jungs und Mädels aus der Straße wurde immer kräftig gekickt.
Das Mädchen musste natürlich ins Tor aber sie war dabei, so war das eben!
Wenn wir Lust auf Schokolade hatten wußten wir ganz genau bei wem im Ort wir klingeln mussten um welche zu bekommen.

Mist machen? Ja klar!
An einem „Zuhause-ist-es-echt-langweilig-Tag“ fand ich das Feuerzeug meines Großvaters, setzte mich mit meinem Legobaukasten unter den Tisch und hantierte ein wenig mit dem erbeuteten Feuerzeug.
Mein Großvater saß auch am Tisch aber er laß Zeitung und war somit abgelenkt.
Es ging nicht lange und die Tischdecke des Wohnzimmertischs fing Feuer. Man, was habe ich geschrien „Feuer! Feuer!“ und ich hatte wahnsinnige Angst bekommen.
Großvater stand auf, löschte das Feuer, schnitt den verbrannten Teil der Tischdecke ab und sah mich an.
Gesagt hatte er nicht viel aber das musste er auch nicht denn ich hatte so wahninnige Angst bekommen dass ich immer noch ruhig aber zitternd und ziemlich beschämt da stand.
Nach diesem Tag nahm ich kein Feuerzeug mehr in die Hand – zumindest für die nächsten Jahre.

Ein einziges mal wurde er etwas lauter.

Ich hatte im Fernseher gesehen wie Menschen nach Wasser gebohrt hatten und ich war so angetan davon dass ich das auch probieren musste. In der Wohnung… in meinem Zimmer… In den Wänden. Dummerweise fand ich nicht auf anhieb Wasser so dass ich mehrere „Bohrungen“ vornehmen musste, dementsprechend sah auch mein Zimmer aus. Mit was ich damals bohrte Weiß ich leider nicht mehr.
Wir trieben unsere Schabernack, bauten uns Höhlen in Scheunen, fuhren mit unseren Fahrrädern in den Wald und zu den „Wasserfällen“, fuhren Ski und Schlitten und genießten einfach unsere Kindheit – das ist mir heute bewußt.
Was uns Umgab war eine Umgebung voller Vertrauen, voller Wärme, voller Unbeschwertheit und mit dem gewissen Quäntchen „Ja das trauen wir Dir zu“.
Ohne Therapiemaßnahmen, Ohne Vorurteile, Niemand sagte mir dieser und Jener sei anders oder komisch – alles war ganz normal und unbeschwert.
Wir bekamen ärger, auch vom Nachbarn, wenn wir Mist machten. Der Bauer ließ uns rundlaufen wenn wir wieder mal Gänge in die hohe Wiese machten und wir bekamen natürlich einen Anschiss wenn wir etwas kaputt gemacht haben.

In welcher Lautstärke wir spielten? Klar ist, einen Traktor muss man hören, ebenso wie ein erzieltes Tor oder den Motivationsschrei beim Schaukelweitsprung.
Ob Bäume klettern auf dem Kastanienbaum beim Friedhof unmoralisch war wissen wir bis heute nicht aber es war der perfekteste Kletterbaum in der Umgebung.

Erkennt Ihr etwas wieder und erkennt was in diesem Text und dem Stück Geschichte und Vergangenheit steckt?

An einen Test XY zur Bewertung von Fähigkeit AB kann ich mich genauso wenig entsinnen wie Englisch im Kindergartenalter, Psychologentermine, Nachbarschaftsstreit wegen lärmenden Kindern oder Bachblüten.

So wie mein Großvater es gehandhabt hat versuche ich es auch zu handhaben.
Egal was danach folgte,und das ist noch so einiges, diese Zeit hat mich wohl am meisten geprägt und überzeugt!
Angefangen bei der Art wie miteinander Umgegangen wurde bis hin zu der geduldigen Art, dem manchmal etwas strengeren Blick – aber immer im Wissen dass man ihm vertrauen konnte und keine Angst vor ihm haben musste.
Sicher war nicht alles Gold und die Zeiten waren anders aber das Ein- oder Andere lässt sich einfach mitnehmen.

  • Familie Gesellschaft Großeltern Großvater Kindheit Oma Opa Selbstreflektion Sozial

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