Was mich als Einwanderer in Australien in den Wahnsinn treibt

Dies ist ein Beitrag von Aussie Buschfunk

Einwanderer in AustralienFoto: Great Barrier Reef von eutrophication&hypoxia

Ich lebe nun schon seit fast 14 Jahren in Australien. Ich liebe mein Leben hier und bereue meine Auswanderung auf keinen Fall. Aber obwohl Australien inzwischen meine Heimat geworden ist, gibt es doch einige Dinge hier, die ich nicht so toll finde. Es gibt kein perfektes Land; jedes Land hat seine Vor- und Nachteile. Heute möchte ich darüber erzählen, was mich in Australien in den Wahnsinn treibt:

1. Die Regierung hat keinen Respekt vor Australiens Naturwunder.

Alle politischen Entscheidungen werden nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen. Umweltaspekte werden schlichtweg ignoriert. Was z.B. gerade mit dem Great Barrier Reef passiert, regt mich so auf! Die Pläne der Regierung, vorhandene Häfen zu vergrößern und neue Häfen an der Küste des Great Barrier Reefs zu bauen sowie den Kohleexport nach China zu vergrößern, stellt eine große Gefahr für das Reef dar.

Ein weiteres Beispiel ist der Greater Blue Mountains Nationalpark. Schwermetallhaltige Abwässer eines Kohlebergwerks werden direkt in den Fluss namens Wollangambe geleitet, nur 3 km von der Blue Mountains Schutzzone entfernt. Dieses Bergwerk ist schon seit 1998 in Betrieb. Jährlich werden 13.8 Millionen Liter Abwässer in den Wollangambe geleitet. Seltsamerweise hat das Umweltamt Neusüdwales erst jetzt davon Wind bekommen und eine Untersuchung eingeleitet. Mehr Informationen dazu kannst du hier nachlesen.

2. Aussies haben Angst vor der Sonne.

Sonne und Vitamin-D-Mangel

Foto: Jalal Hameed Bhatti

Natürlich ist die australische Sonne nicht ungefährlich und man muss sich vor einem Sonnenbrand schützen. Die Australier übertreiben damit aber gewaltig. So dürfen in vielen Schulen Kinder nicht im Freien spielen, wenn sie ihren breitkrempigen Sonnenhut zu Hause vergessen haben. Das gilt auch für Regentage. Beim Sportfest muss Sonnencreme benutzt werden, auch an kalten Wintertagen. Dabei werden meist Sonnencremes verwendet, die krebserregend sind. Es gibt auch wirklich Eltern, die ihre Kinder den ganzen Sommer lang aus Angst vor der Sonne nur mit langer Kleidung in die Schule schicken.

All diese Maßnahmen haben natürlich auch Folgen: 23% aller Erwachsenen leiden unter Kalziummangel. 15% aller 12- bis 17-Jährigen sind betroffen. Aber anstatt sich länger unbedeckt in der Sonne aufzuhalten, nehmen 5% aller Erwachsenen Vitamin-D-Tabletten zu sich.

Trotz all dem Sonnenschutz sterben jährlich mehr als 2000 Menschen in Australien an Hautkrebs. Bei 2 von 3 Personen wird eine Form von Hautkrebs festgestellt, bevor sie 70 Jahre alt sind. Ob wirklich die Sonne Schuld daran hat?

3. Aussies haben Angst vor Bakterien.

Jeder weiß, dass es so viele Krankheitserreger gibt und dass Hygiene sehr wichtig ist. Aber auch hier übertreiben die Aussies. Aus Angst vor Killerbakterien darf Rohmilch nur als Kosmetikinhaltsstoff verkauft werden. Wer eine Kuh oder eine Ziege besitzt, darf die Milch roh trinken, aber nicht an andere verkaufen. Nur pasteurisierte Milch kann zum Verzehr verkauft werden.

Wer Eier verkaufen möchte, muss dabei jede Menge Regulierungen beachten. Batterie-Eier sind erlaubt, aber ich kann die Eier meiner glücklichen Hühner nur an Freunde und Familie verschenken, aber nicht verkaufen. Und das alles nur wegen der Angst vor Salmonellen.

Auch darf man nicht sein eigenes Vieh selbst schlachten, wenn man es verkaufen will. Diese Arbeit muss dann immer von einem professionellen Schlachter erledigt werden.

4. Recycling ist noch immer nicht gang und gäbe.

Mit 650 kg Müll pro Person ist Australien der zweitgrößte Müllproduzent der Welt. (Die USA ist auf Platz 1 mit 715 kg Müll pro Person.) Nur ein Drittel davon wird recycelt.

Vielen Aussies ist das Recyceln zu anstrengend oder zu kompliziert. Bei kleinen Orten kommt oft dazu, dass die Infrastruktur fehlt und somit keine Möglichkeit zum Recyceln besteht. Dort kommt alles auf die Müllhalde.

Ernte5. Es gibt hier noch immer nicht genügend Ökoprodukte.

Heute gibt es zwar mehr Ökoprodukte in den Geschäften als vor 10 Jahren, trotzdem hinkt Australien Deutschland gegenüber weit hinterher. Die Ökoprodukte, die man kaufen kann, sind sehr überteuert. Ich baue deshalb mein Obst und Gemüse selbst an und kaufe viele Produkte online.

6. Es wird im Winter richtig kalt.

Ich habe in Deutschland noch nie so gefroren, wie im Winter in Südaustralien. Grund hierfür sind die kaum isolierten Häuser. Aussies wundern sich immer, dass ich so friere. Ich müsste es doch gewöhnt sein. Doch sie kennen keine Zentralheizung.

7.  Das Gesundheitssystem in Australien ist nicht so toll, besonders in kleinen Orten.

Bei uns in Esperance gab es vor einiger Zeit nicht genügend Ärzte und es wurden keine neuen Patienten in den Arztpraxen angenommen. Jeder neue Einwohner musste entweder nach Perth (800 km entfernt) zum Arzt oder für jede Kleinigkeit stundenlang in der Notaufnahme warten. Für viele Gesundheitsprobleme gibt es bei uns keine Spezialisten und man muss auch dafür nach Perth fahren.

8. Borreliose-Patienten erhalten keine Hilfe.

Mein Partner hat seit mehr als 3 Jahren Borreliose. Die australische Gesundheitsbehörde behauptet schlichtweg, das es diese Krankheit hier nicht gibt. Dabei gibt es inzwischen so viele Aussies, die ihr Blut in deutsche oder amerikanische Labors schickten und ein positives Borreliose-Resultat erhielten. Aber darüber könnte ich ein Buch schreiben…

Bitte verstehe mich nicht falsch: Ich möchte nicht meckern und mich nicht beschweren. Ich liebe Australien. Mein Leben hier hat so viele gute Seiten, die Nachteile fallen kaum auf. Doch ich denke, man sollte nicht nur immer über die positiven Seiten des Landes schwärmen. Wer nach Australien auswandern möchte, sollte auch über negative Aspekte imformiert sein!


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