Was machst du eigentlich an einem Dienstag im September?

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen.

6.00 Uhr:Der Tag beginnt mit einem Kokonilächeln, quer über die ganze kleine Hundeschnauze. “ Luna gönn mir noch einen Cappucino.“

Zeitung lesen im Bett, derweil Cappucino trinken…

6.30: Jetzt aber los. Ubu und Luna lassen sich freudig an die Leine nehmen.

Morgens bemerkt man bereits die Herbstluft. Kühle, klare Luft. Bald ist der Holunder reif. Die Kokonidame gräbt nach Maulwürfen, geht auf Raupenjagd und animiert Ubu zu den wildesten Tobereien. Fast 6 Wochen ist sie nun bei uns.

7.00: Ich verteile Futter, der Kater kehrt pünktlich von seinen nächtlichen Ausflügen zurück.

7.10. Die Kette bekomme ich jetzt nicht mehr aufs Fahrrad, also nehme ich das Auto.  Auf dem Weg zur Kita begegne ich der Nachbarin, sie hält in der einen Hand einen Kaffee und im anderen Arm ihren kleinen Hund. „Er ist einfach noch zu müde morgens. Ich muss ihn immer in den Wald tragen, dann geht es. Und grüßen sie mir meine kleine Freundin!“ Damit ist Karla gemeint, die morgen zwölf Jahre alt wird und später mal Hunde in Spanien retten will.  „Schauspieler will ich auch werden, aber da verdient man nicht so gut und beim Hunde retten verdient man auch nichts. Aber weil du ja immer sagst, dass das Geld nicht wichtig ist und Arbeit Spaß machen soll, hab ich mir gesagt: ich mach einfach zwei Sachen. Morgens Hunde retten, nachmittags und abends Schauspieler.“ Das war vor drei Jahren, als sie das sagte, verändert hat sich der Wunsch bisher nicht.

Vielleicht wäre es auch für mich eine Lösung, den Cappucino im Wald zu trinken. Es wäre nicht nur zeitsparend, irgendwie hätte es auch was. Die Wärme des Cappucinos in der Kühle des Herbstwetters.

Als ich die Kita betrete stelle ich fest, dass die Heizperiode begonnen hat. Es ist verdammt heiß und stickig. Ich reiße die Fenster auf, drehe die Heizung herunter, beginne das Frühstück vorzubereiten und befasse mich gedanklich mit dem Apfelprojekt in Zeiten schlecht tragender Apfelbäume.

Das Arbeitsjahr, welches ich von Sommer zu Sommer  rechne, hat harmonisch begonnen.

Ich treffe M. die sich fragt, warum das Leben immer schneller verrinnt. Als Kind erschien ein Jahr so lang, heute ist es kaum mehr als ein Wimpernschlag.

Die Kinder stellen sich diese Frage nicht. Sie sind.  Was ist es was unsere Zeit so schnell zum Vergehen bringt?

14.00: Die Stadt besteht aus Baustellen. Kind 1 muss von der Schule abgeholt werden.

„Du musst verdammt nochmal einen Schulterblick machen!“ Der Gatte ist genervt.

„Ich kann keinen Schulterblick machen, weil ich den Kopf nicht nach rechts drehen kann“, zische ich durch die Zähne.  Es schmerzt höllisch.

Zuhause ruhe ich mich aus. Das schwüle Wetter ist furchtbar, dann will Kind 2 abgeholt werden. Kind 3 möchte einkaufen. Karla hat morgen Geburtstag. Im Einkaufszentrum

besuche ich eine Apotheke. Es ist früher Abend. „Ich brauche etwas das hilft.“ Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die ganze rechte Seite betroffen ist. „Nehmen sie Finalgon“, sagt die Apothekerin, „aber vorsichtig.“ Großflächig streiche ich den verspannten Nacken mit der Salbe ein. Es passiert nichts. Ich packe mehr darauf. Dann wird mir warm, nicht nur am Nacken. „Mein Gott diese Salbe erzeugt Fieber.“ Übelkeit kommt auch dazu.  Anna kauft ein, Smarties, Brötchen, eine Fahrradklingel für Karla. Zuhause lege ich mich hin. Mir ist übel. Anna hilft Karla bei  Mathe, Anna macht Abendbrot, Anna schnappt sich die Hunde und geht Gassi. Erst als es dämmert fühle ich mich in der Lage aufzustehen. Die Stachelbeeren müssen gegossen werden und dann wird der Geburtstagstisch gedeckt.

Mittlerweile geht es mir besser, während das Haus bereits in einen Dämmerschlaf versunken ist.



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