Was lernen wir aus dem Fall Guttenberg?

Schein ist mehr als Sein. Anscheinend war Herr Guttenberg „überfordert“. Anscheinend hat er erst am vergangenen Wochenende festgestellt, dass seine Doktorarbeit „gravierende handwerkliche Fehler“ hat.
Die Verpackung ist wichtiger als der Inhalt. Ja, es mag so manche Doktorarbeit geben, die ebenfalls Plagiate aufweist. Und so mancher trägt sicherlich seinen Titel zu unrecht. Doch diese Argumentation führt in die Irre. Guttenberg hat Regeln gebrochen. Bewusst. Wissentlich und willentlich.
Forsches Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit ist das Markenzeichen von Hochstaplern. Catch me if you can. Und er wurde gecatched.
In diesem Artikel Verteidigungsminister zu Guttenberg und die Diktatoren schrieb ich:
Der Mann hat was. Sagen viele. Doch was hat er, für das sich die Medien und dank derer, viele Menschen begeistern?
Jung, eloquent, schlagfertig und redebegabt. Dazu auch noch adelig. Charismatischer als Strauß, beweglicher als Schäuble, intelligenter als Merkel (obwohl, dazu braucht es nicht viel), fotogener als Steinmeier (obwohl dazu....), sportlicher als Seehofer, belastbarer als Aigner und Schavan zusammen.
Habe ich etwas vergessen? Möglich, aber unerheblich.
Betrachten wir seine bisherigen Leistungen, fällt das Ergebnis äußerst nüchtern aus. Das KK-Problem (KK= Kunduszwischenfall und Kernerblamage) gingen fast spurlos an ihm vorbei. Doch das GK-Problem (Gorch Fock) könnte ein massiver Stolperstein sein.
Das bisherige Leistungsprofil ist äußerst dünn. Mit Leistung lässt sich die beinahe flächendeckende Begeisterung der Bürger für den Baron nicht erklären.
Er spricht von Krieg in Afghanistan. Und das es legitim ist, elementare wirtschaftliche Interessen notfalls militärisch zu verteidigen. Köhler hat ähnliches gesagt und anschließend seinen Posten hingeschmissen.
Guttenberg hat bislang aus Sicht der breiten Öffentlichkeit nur wenig falsch gemacht. Er vermittelt eine gefühlte Glaubwürdigkeit, die bislang noch keinen Stresstest überstehen musste.
Die normative und auf Dauer nicht ignorierbare Kraft des faktischen wird auch ein Guttenberg nicht aufheben können.
Er kann nicht Kanzler, er kann nicht mal Verteidigungsminister. Er ist genauso eine Marionette wie all die anderen „Spitzenpolitiker“.
Schein ist mehr als Sein.
Vor über 30 Jahren sagte mein Professor zu mir: „Jeder will etwas sein, aber niemand will etwas werden.“
Und das ist der Punkt.
In der Rangliste von Vertrauen- und Glaubwürdigkeit rangieren Politiker noch hinter Gebrauchtwagenhändlern. Guttenberg verfestigt dies. Außer bei seinen Fans.
Ich bin weder Guttenberg-Fan, noch Guttenberg-Haßer. Er ist für mich die Spitze eines Eisberges. Hochgeschrieben dank Springer und ein lebender Beweis dafür, das Verpackung wichtiger ist als Inhalt.
Würde es eine Casting-Show „Germanys next Cancelor“ geben, er käme in die Endrunde.
Unter all den Politikpfeifen macht er einfach die bessere Figur. Das ist bei der Konkurrenz nicht wirklich schwierig, zeigt aber, das die BürgerInnen in unserem Land endlich Politiker wollen, die die Hoffnungen, Wünsche, Ängste etc. dieser BürgerInnen zur Kenntnis nehmen und den erkennbaren mehrheitlichen Willen dieser BürgerInnen umsetzen.
Doch das kann Guttenberg nicht leisten.
Schein ist mehr als Sein.

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