Was ist gefährlicher: die Krankheit oder die Impfung?

Von Bert Ehgartner

Impfungen sind im Normalfall ein Eingriff an Gesunden mit der Absicht eine mögliche spätere Krankheit zu vermeiden. Natürlich ist es sinnvoll, wenn eine Impfung auch wirkt. Um zu entscheiden, ob eine Impfung Sinn macht, geht es jedoch auch um die Relevanz der Krankheit. Und schließlich sollte man das Risiko nicht vergessen, das von der Impfung selbst aus geht. Risikoabschätzung fällt den meisten Menschen aber schwer.
Impfungen haben viel gemeinsam mit Versicherungen. So wie die Impfung vor einer schweren Krankheit schützen soll - ist die Haus- oder KFZ-Versicherung dazu da, mögliche finanzielle Folgen eines Brands oder eines Unfalls abzudecken.
Die Versicherungs-Mathematik beschäftigt sich vor allem mit der Einschätzung von Risiken. Und auch im Impfwesen wäre dies höchst sinnvoll.
Es gibt jedoch einen bedeutsamen Unterschied: Wenn sich ein Bergbauer gegen Hochwasser versichert, so wird das Risiko eines Schadensfalles normalerweise minimal sein. Der Vertreter kassiert seine Provision, der Bergbauer hat eine unnötige Ausgabe gemacht, doch abgesehen vom finanziellen Verlust, kann durch unnötige Überversicherung nicht viel passieren.
Bei Impfungen ist das anders. Impfungen sind Eingriffe in die Funktion des Immunsystems. Im Idealfall resultiert daraus eine lebenslange Immunität. Doch wie jedes wirksame Arzneimittel haben auch Impfungen Nebenwirkungen. Und somit ist es gefährlich und fahrlässig, Impfungen ohne seriöse Risiko-Nutzen-Abschätzung zu empfehlen.
Genau das passiert aber im Impfwesen ständig.
Impfexperten sehen das Risiko schwerer Nebenwirkungen von Impfungen als minimal an. Auch wenn eine Krankheit sehr selten ist, wie z.B. die Polio, Diphtherie oder Tetanus - soll dennoch geimpft und später aufgefrischt werden. "Denn das ist völlig harmlos", sagte gestern der Wiener Impfexperte Herwig Kollaritsch in der Ö1 Sendung "Was Sie schon immer über Impfungen wissen wollten".
Diese Aussage zeigt, wie schwer sich viele Menschen mit der korrekten Einschätzung von Risiken tun - speziell im Bereich des Impfens.
Sehen wir uns das am Beispiel der erwachsenen Bevölkerung genauer an. Bei Kindern kommt meist das Argument, dass sie deshalb nicht erkranken, weil ja die Mehrzahl geimpft wird. Erwachsene hingegen vergessen häufig auf Impfungen. Laut Robert Koch Institut haben 50 Prozent und mehr keine schützenden Antikörper mehr im Blut - mit einem Titer weit unter dem Grenzwert.
Etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung ist demnach ungeschützt und wäre empfänglich für die erwähnen Krankheiten.
In Deutschland ist - bei einer Bevölkerung von 80 Millionen Menschen - schon viele Jahrzehnte keine Infektion mit Polio Wildviren bekannt geworden. An Tetanus starben in den 90er Jahren im Jahresschnitt rund 8 Menschen - und diese Personen waren meist multimorbid bei einem Durchschnittsalter von 80 Jahren. 2001 wurde die Meldepflicht abgeschafft, weil Tetanus kein relevantes Gesundheits-Risiko für die Bevölkerung mehr darstellte.
Die Krankheit Diphtherie hat sich stark gewandelt und keine Ähnlichkeit mehr zu ihrer Erscheinungsform in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wo Diphtherie als "Würgeengel der Kinder" galt. Heute fehlen den Bakterien im Normalfall die einst gefürchteten Diphtherie-Toxine.  Anstatt den Rachen zu besiedeln, finden sich die Bakterien bei Wund- und Hautinfektionen. Und auch das extrem selten: Die Fallzahlen liegen in Deutschland im einstelligen Bereich.
Das Risiko, als Erwachsener an Diphtherie oder Tetanus zu erkranken beträgt laut Meldezahlen demnach etwa 1 zu 10 Millionen. Dennoch wird von den Behörden - als sei es das selbstverständlichste der Welt - die regelmäßige Auffrischungs-Impfung empfohlen.
Noch wesentlich geringer ist die Wahrscheinlichkeit, sich in Mitteleuropa mit Polio-Wildviren zu infizieren. Das Risiko liegt nahe null - und ist wohl ähnlich relevant, wie die Gefahr, von Außerirdischen entführt zu werden.
Sehen wir uns nun das Risiko der Impfungen an:
Die Fachinformationen der einzelnen Impfungen geben bekannte Risiken im Detail an:
In der Rubrik "selten" (Risiko 1:1.000 bis 1:10.000) finden sich bei Tetanus-, Diphtherie- und Polio-Impfungen z.B: Nesselsucht (Urtikaria), Anämie, Veränderungen des Blutbildes, allergischer Schock (Anaphylaxie), Kollaps und Apnoe (Atemstillstand) bei Frühgeborenen.
Am Ärzte-Informationsportal "Neurologienetz" wird die Häufigkeit einer Gehirnentzündung nach Impfungen mit 1:300 bis 1:20.000 angegeben (siehe Screenshot).

Das postvakzinal (nach Impfungen auftretende) Risiko einer
akuten Gehirnentzündung (ADEM), Quelle: neurologienetz.de


Ein schwerer Impfschaden ist im Vergleich zum Risiko der erwähnten Krankheiten demnach um ein Vielfaches realitätsnäher.
Wir nehmen die Wahrscheinlichkeit realer Gefahren in kauf, um uns vor irrealen Risiken zu schützen. Im Impfwesen ist dieses Phänomen nicht die Ausnahme, sondern die Regel - weil ernsthafte Risiken des Impfens von Behörden, Impfexperten und Ärzten im Normalfall ignoriert werden.
Hinweis: In meinem aktuellen Buch "Gute Impfung - Schlechte Impfung" gebe ich für jede geläufige Impfung eine genaue Nutzen-Risiko-Abschätzung auf Basis der realen Meldezahlen der Krankheiten - sowie der Impf-Nebenwirkungen