Was ist der Islam?

Die Frage ist ernst gemeint als für mich offene Frage. Ich habe keine Antwort und bin ratlos. Seit dem ISIS-Sommer konnte ich einem Schüler auf seine Frage, was ich vom Islam halte, nur mit der Gegenfrage antworten: “Was ist der Islam? Ich weiß das nämlich nicht.” Was mich ratlos sein lässt: Es ist ein Nichtwissen, aus dem ich nicht herauskomme. Der Umgang mit den Anschlägen in Paris führen dazu, dass ich mir meiner Ratlosigkeit noch gewisser geworden bin.

Einerseits gibt es die Muslime, die davon reden, dass Jihad in der Schule fleißig zu sein, bedeutet. Die die Anschläge verurteilen und sagen “Nicht mit uns”. Da gibt es die islamische Philosophie, wie Averroes oder Avicenna, mit ihrem Einfluss auf die Philosophie des europäischen Mittelalters. Das friedliche Zusammenleben in Spanien oder auch in Mossul für Jahrhunderte.

Andererseits gibt es Strömungen im Islam, die eindeutig für ein weltweites Sharia-Recht eintreten, das durch den Jihad erkämpft wird. Muslime, die solche Anschläge wie diese verüben und dabei auch Muslime wie den Polizisten töten. Die Philosophie ablehnen, wie die Werke von Averroes (“Von der islamischen Orthodoxie werden seine Werke bis heute strikt abgelehnt.”) . Die das friedliche Zusammenleben auflösen, zum Teil gegen den Widerstand anderer Muslime. Ein Bericht aus Mossul: Der eine Muslim malt das Nun-Zeichen auf die Haustür, der andere schenkt dem christlichen Nachbarn das Auto, damit sie vor dem sicheren Tod entfliehen können. Welcher hat sich nun als wahrer Muslim erwiesen?

Jetzt wäre es einfach, auf christliche Attentäter wie Breivik zu verweisen. Warum ist es in diesem Fall sonnenklar, dass seine bösen Taten nichts über das Christentum, sondern vielmehr über ihn selbst aussagen? Weil die biblische Botschaft und die kirchliche Lehre seine Taten verurteilen. Aber die Kreuzzüge! Das Argument kann ich auch nicht gelten lassen. Auf 500 Jahre muslimische Aggression zu reagieren ist nicht ganz unverständlich. Dass Papst Johannes Paul sich dafür entschuldigt hat, zeigt, dass die biblische Botschaft und die kirchliche Lehre eindeutig ist, was Gewalt gegen Andersgläubige betrifft. Die Verfehlungen einzelner werden von Bibel und Lehramt verurteilt.

Wie steht es nun mit Bibel und Lehramt im Islam? Bezüglich des Lehramts gibt es keine Einheit im Islam, kein islamisches Konzil, das eine Grundeinheit wie im Christentum geschaffen hätte. Selbst die oberflächliche Einteilung in Sunniten und Schitten übersieht, dass beide noch einmal tief gespalten sind und kulturell gefärbt sind: die ägyptischen und die indonesischen Sunniten trennen beispielsweise Welten. Dazu kommt, dass es islamische Theologie im christlichen Sinn nicht gibt, sondern eine Reduktion der Theologie auf das Kirchenrecht – bei den Sunniten stärker als bei den Schiiten. Der Islam kennt den Charakter einer personalen Begegnung nicht: “Freundschaft mit Mohammed” würde auf Unverständnis stoßen, denn die Verbindung von Gott und Liebe wird für eine Beleidigung Gottes gehalten. Liebe sei ein Zeichen von Schwäche und widerspreche der Größe Gottes – wenn dieser Satz auch schon wider deutlich über rechtliche Überlegungen hinausgeht. Letzter Maßstab ist der unhinterfragbare Wille Gottes, wie er sich im Koran ausdrücke, da wir Christen ja den Koran, den Christus predigte, als Bibel verfälscht hätten.

Bleibt also der Koran. Um dieses Buch zu beurteilen, braucht es zunächst eine Selbstrechenschaft, was das für ein Buch ist. Ist das Gottes Wort, wie Mohammed behauptet? (Dieselbe Frage, die C.S. Lewis in Bezug auf den Anspruch Jesu stellt.) Darauf gibt es logisch gesehen nur drei Antwortmöglichkeiten, die einer “Mohammed war ein wichtiger Mann”-Logik entgegensteht.

1) Es ist Gottes Wort.

2) Es ist ein Irrtum Mohammeds.

3) Es ist ein Betrug Mohammeds.

Da ich den biblischen Gott kenne, schließe ich 1) aus: Der Koran ist keine vom Heiligen Geist, dessen Göttlichkeit der Islam bekanntlich ablehnt, inspirierte Schrift. Da ich Mohammed nicht 3) unterstellen möchte und seine Epilepsien religiös aufgeladen worden sein könnten, tendiere ich zu 2). Der Koran ist somit eine von Mohammed verfasste Schrift im Glauben, sie sei von Gott. Daher wäre eine Exegese – und nicht nur eine Rechtsprechung im Umgang mit dem Koran notwendig, wie von Papst Benedikt in Regensburg scharfsichtig eingefordert.

Jetzt gibt es keine Exegese, keinen Katechismus, der den Koran verbindlich auslegt. Nicht einmal eine glaubwürdige Fassung, denn der Ur-Koran ist bei Allah zu Hause – das Mohammed geoffenbarte ist nur eine altarabische Kopie. Was daher im Umgang mit dem Koran auffällt: Jede Übersetzung steht unter Verfälschungsverdacht. Kein Wunder, wenn Worte wie Jihad von “in der Schule fleißig sein” bis “Ungläubige systematisch töten” heißen kann. Eine deutsche Übersetzung des Korans einzufordern, halte ich daher für eine der klügsten politischen Forderungen seit langem.

Es bleibt also nur selbst den Koran zu lesen. Das führt dazu, dass Kabarettisten in Deutschland und der Schweiz zu Islamkritikern werden. Unvermittelt 1400 Jahre alte Sätze zu lesen, ist fremd und verstörend. Da stehen Sätze wie die Achtung aller Religionen neben Aufrufen, Angehörige anderer Religionen zu töten, wenn sie sich nicht unterwerfen – so als der Verfasser nicht ganz genau weiß, was er da vor sich hinfaselt. Viele Suren hinterlassen bei mir völlige Ratlosigkeit, weil es unverständlich und wirr ist. Ein großer Theologe war Mohammed nicht, aber offensichtlich ein kluger Machtpolitiker, wie sein militärischer Erfolg zeigt. Für die Frage, was der Koran sagt, trägt das alles aber nichts bei: Selbst wer den Koran liest, weiß am Ende nicht, was er eigentlich lehrt.

Was also tun? Diese innerislamischen Widersprüche zwischen dem friedliebenden Sufi und dem mordenden Terroristen bleiben. Zu beteuern, dass sei nicht der Islam oder das seien nur Einzeltäter, hilft nicht weiter. Es sind zwei Phänomene, die unter derselben Flagge segeln (Exkommunikation bzw. die Autorität, diese auszusprechen, scheint es im Islam nicht zu geben.)

Viel schlimmer noch, dass islamische Konzept des Taqqiya bringt weitere Verwirrung mit sich: Gibt es so etwas, wie eine Strategie hinter der Islamisierung oder diese Annahme Islamophobie? Die Schwierigkeit dieses Vorwurfs besteht für mich darin, dass der Angeklagte sich nicht mehr verteidigen kann: Bestreitet er, dass er eigentlich alle vernichten möchte, aber das aus taktischen Gründen nichts sagt, bleibt der Verdacht aufrecht, dass er uns nur noch nicht bekämpft, weil wir noch in Stufe 1 sind. In dieser Stufe helfen Proteste (wie PEGIDA oder die FPÖ-Hetze) dem Islam, sich als zu Opfer zu inszenieren, das somit Privilegien und besonderen Schutz einfordern kann. Islamisten und Islamkritiker schaukeln sich gegenseitig hoch, die Beschwichtigungsversuche der intellektuellen Elite (die mir nur die Frage beantworten müsste, in welchem islamischen Land sie gerne leben würde – ich kenne keines) zeigt mir, dass sie das Offensichtliche nicht sehen, weil es ihr kuscheliges, tolerantes Weltbild ins Wanken bringen würde: Of COURSE most Muslims are peaceful. But if someone’s killed for what they drew or said or wrote, you KNOW the religion of the killers.

Bleibt wirklich nur die Alternative, vor den Ängstllichen und ihrem latenten Gewaltpotential aus geschichtlicher Verantwortung zu warnen und das Licht von Kathedralen abzudrehen? Oder bei den Märschen mitzugehen, die eine legitime Form der Demonstrationsfreiheit sind, um auszudrücken, dass der Islam als Ganzes eine bedrohliche Richtung eingeschlagen hat – ebenfalls aus geschichtlicher Verantwortung? Ganz ehrlich, ich kann weder etwas mit den besorgten PEGIDA-Märschen noch mit den hysterischen Verurteilern anfangen, dazu bin ich viel zu sehr revolutionsunfähiger Österreicher. Ich frage mich nur, warum das Evangelium nicht verkündet wird: Dass Mohammed uns nicht retten wird. Dass Christus am Ende siegen wird. Dass nur er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Selbst wenn wir dafür mit dem Tod bezahlen müssen. Und vor allem, dass wir uns nicht fürchten müssen: Wenn wir bereit sind, alles für Christus aufzugeben, auch unsere bürgerliche Sicherheit (Häuser, Äcker, Felder,…), werden wir alles von Christus hundertfach zurückerhalten. Der Islam erinnert mich daran, dass ich mein Christentum ernster nehmen sollte. Und mehr lieben sollte – damit alle Moslems zu Christus finden! Vor allem aber: Dass Christus selbst der Herr der Geschichte ist.


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