Was ist das Bokeh?

Von Katja Czajkowski

Heute gehts weiter mit der Serie “BBB – Bessere Blog Bilder”! Heute gehts um dieses ominöse “Bokeh”, was es ist, wie man es bekommt und was es bewirkt. Und nun übergebe ich ihm das Wort, nämlich meinem Fotografen-Ehemann der diese Serie für euch bei mir gastbloggt. Er freut sich übrigens sehr über eure Likes auf seiner Facebookseite oder Instagram!!!

Heute erzähle ich euch etwas über ein in der Fotografie wichtiges Element: Nicht die Schärfe, sondern die Unschärfe.

Bokeh

Ist das was zum Essen? Nein, die Unschärfe, im Fachjargon Bokeh genannt (aus dem Japanischen) bezeichnet die Ästhetik der Unschärfe. Nun fragen sich einige, wie kann die Unschärfe denn wichtig sein, man will doch scharfe Bilder? Was hier gemeint ist, ist natürlich nicht das Objekt oder die Person, welche natürlich scharf sein soll, sondern vielmehr das Drumherum, der Hintergrund, welcher durch die Unschärfe die abzubildende Person isoliert und somit vom Hintergrund abhebt. Das Bokeh ist gerade das, was ein Bild professionell aussehen lässt und wo viele Fotografieanfänger schon zu Beginn scheitern. Jetzt hat man sich endlich eine DSLR gekauft und es klappt immer noch nicht mit dem verschwommenen Hintergrund. Woran liegt das? Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese Unschärfe zu kreieren und sie hängt von vier Faktoren ab: Der Blendenöffnung, der Brennweite, der Distanz zum Objekt und der Sensorgröße.

1. Die Blendenöffnung

Wenn man in ein Objektiv von vorne reinschaut, sieht man, dass schwarze Lamellen die Öffnung kreisförmig mehr oder weniger weit bedecken. Genau das ist die sogenannte Blende.

Wofür ist sie da? Mit der Blende kann man regulieren, wieviel Licht man auf den Sensor lässt. Ist sie weit offen, wird viel Licht durchgelassen, ist sie geschlossener kommt weniger Licht durch. Neben dieser Funktion gibt es noch eine ganz wichtige Eigenschaft die damit verbunden ist. Denn je offener, desto unschärfer der Hintergrund. D.h. eigentlich ja ganz einfach, ich mache die Blende ganz weit auf und zack, ist der Hintergrund unscharf. Das stimmt auch so, nur leider lässt nicht jedes Objektiv eine so große Blendenöffnung zu, als dass es richtig unscharf wird. Entscheidend ist die Blendenzahl F. Schaut ihr auf euer Objektiv seht ihr diese angegeben. Bei Objektiven mit Festbrennweiten z.B. so: f/1.4 (manchmal wird das auch so geschrieben: 1:1.4 oder F1.4 – bedeutet aber alles das gleiche). Bei Zooms auch häufiger so: f/3.5-5.6.

Was haben diese Zahlen nun zu bedeuten? Je kleiner diese Zahl ist, desto weiter kann die Blende geöffnet werden, also genau andersherum wie man vermuten mag. Wenn auf dem Objektiv zwei Zahlen stehen heißt dies zum einen, es ist ein Zoomobjektiv (wusstet ihr wahrscheinlich schon vorher und die erste Zahl gibt die maximale Blendenöffnung bei komplett eingefahrenem Objektiv an und die zweite Zahl die maximale Blendenöffnung bei komplett ausgefahrenem Objektiv. Richtig, die Blendenöffnung verändert sich bei Zoomobjektiven mit dem Ein- und Ausfahren des Objektivs. Jedoch nicht bei jedem Zoom. Richtig gute Zooms haben eine konstante maximale Blendenöffnung, und dann steht da wie bei Festbrennweiten nur eine Zahl da, z.b. f/2.8. Objektive mit kleiner Blendenzahl nennt man auch lichtstarke Objektive (wichtig wenn man ohne Blitz fotografieren möchte).

Merke: Je größer die Blendenöffnung, also je kleiner die Zahl nach dem f, desto unschärfer der Hintergrund

Hier seht ihr zwei Bilder mit gleicher Brennweite (85mm) und unterschiedlicher Blende (Katja wollte sich nicht schminken, daher die dicke Sonnenbrille bei nicht ganz so sonnigem Wetter ;). Das erste ist mit f/1.4, das zweite mit f/4.0 aufgenommen. Das erste Bild ist im Hintergrund ein wenig weicher. Den Unterschied erkennt man vor allen Dingen an den Baumstämmen rechts oder aber an den Traktorspuren im Feld links.

2. Die Brennweite

Eine weitere Möglichkeit die Unschärfe zu beeinflussen geht über die Brennweite, also sozusagen, wie lang mein Objektiv ist bzw. wie weit “gezoomt” wird. Benutze ich eine lange Brennweite z.B. ab 85mm, 135mm, 200mm, so wird der Hintergrund immer unschärfer. Die Sportfotografen mit den riesen Objektiven (die haben zum Teil einen extra Standfuß!) können also die Sportler sehr gut vor unscharfem Hintergrund ablichten.

Merke: Je länger die Brennweite, also je größer die mm Zahl, desto unschärfer der Hintergrund

Hier seht ihr drei Bilder. Das erste ist mit einer Brennweite von 17mm aufgenommen, das zweite mit 85mm und das dritte mit 200mm. Der Hintergrund wird immer unschärfer, je länger die Brennweite ist. Es ist auch noch eine weitere Eigenschaft von unterschiedlichen Brennweiten zu erkennen, die Kompression; Katja hat bei keinem Bild die Position verändert, jedoch sieht es danach aus; achtet mal auf die dunkelgrünen Bäume links von Katja, wie stark sie näher zu scheinen kommen und im letzten Bild sogar ganz verschwinden. Dazu aber in einem der nächsten Blogbeiträge mehr).

3. Die Distanz zum Objekt

Was macht man nun, wenn man kein lichtstarkes Objektiv besitzt und auch keine lange Brennweite? Man geht einfach näher an das Objekt ran. Ihr werdet merken, auch das beeinflusst die Unschärfe im Hintergrund.

Merke: Je geringer die Distanz zum Objekt, also je näher du dran bist, desto unschärfer der Hintergrund.

Bei beiden Bildern ist die Brennweite und die Blende gleich geblieben (17mm und f/4.0), lediglich ich bin näher an Katja rangegangen, wirklich sehr nah ran Die Unschärfe im Hintergrund ist trotz kleiner Brennweite und nicht ganz geöffneter Blende nur durch das Näherkommen größer geworden.

4. Die Sensorgröße

Ja, auch die Sensorgröße spielt bei der Unschärfe eine Rolle. Allerdings wäre die Erläuterung hierfür ein wenig komplizierter, daher beschränke ich mich auf das Wesentliche. Was ihr wissen müsst ist, dass wenn ihr eine Kamera mit Vollformatsensor und eine mit APS-C Sensor habt und den gleichen Abstand zum Objekt einhalten wollt und genau denselben Bildausschnitt auf dem Foto haben wollt, dann müsst ihr unterschiedliche Brennweiten auf beiden Kameras nutzen. Aufgrund der Sensorgröße ist nämlich der Bildausschnitt bei Vollformat und APS-C mit gleicher Brennweite (z.B. beide 50mm) unterschiedlich. Wenn ihr also den gleichen Bildausschnitt haben möchtet und die Position zum Objekt gleich bleibt, und ihr ein 50mm Objektiv bei einer Vollformatkamera nehmt, dann müsstet ihr auf der APS-C Kamera rechnerisch ein 31mm Objektiv (gibt es natürlich nicht) nehmen. Und wenn ihr dann die Unschärfe vergleicht werdet ihr feststellen, dass diese bei Vollformat größer ist, geschuldet dem Umstand, dass ihr bei der APS-C Kamera eine kleinere Brennweite nehmen musstet um den gleichen Bildausschnitt bei identischer Distanz zum Objekt zu erhalten. Also kurz gesagt:

Merke: Je größer der Sensor, desto unschärfer der Hintergrund (bei gleichem Bildausschnitt und unveränderter Position).

Fazit: Was heißt das nun für euch Blogger wenn ihr Unschärfe im Hintergrund haben möchtet? Die weiteste Blendenöffnung einstellen, das Objektiv ganz weit ausfahren, nah an das Objekt gehen, und dann müsste auch mit dem Kit-Objektiv eine Unschärfe im Hintergrund vorhanden sein.

Für die Objektiv Auswahl habe ich mich entschieden einen eigenen Blogeintrag zu verfassen, da dies hier sonst den Rahmen gesprengt hätte.

Related Posts
  • Die digitale Spiegelreflex Kamera und das Herzstück – der Bildsensor
  • Stefan, der Fotograf
  • Mr Fuchs auf Herbstkombi mit Tüll
  • Siiri und Myyry auf Martha
  • Snappy Happy Zirkushose
  • Liebster Award und Anfängerfragen