Was ich (schon wieder) in den Ferien gemacht habe I

Von Skeltem

Liebes Tagebuch!

In diesem Jahr waren wir in den Ferien wieder in der Türkei. Genau wie vor zwei Jahren. Aber damals waren wir ja nur in Istanbul und nur eine Woche. Diesmal sind wir auch nach Istanbul geflogen und dann nach Antalya. In der Nähe von Antalya, in Yesilköy (‘köy’ habe ich gelernt, heißt übrigens ‘Dorf’ in richtig) lebt meine Mama Rosina. Und weil ich jetzt auch schon bald 42 Jahre alt bin, schreibe ich ab sofort in richtigem Hochdeutsch.

Istanbul: Der Kopftuch-Konsens

Die Kopfbedeckung muslimischer Frauen, die mir in Istanbul begegneten kamen in 3 (oder 4) Geschmacksrichtungen entgegen: Das locker über die Haare geworfene Kopftuch Marke „Anatolische Hausfrau“, das auch unsere niederreinische Nachbarin in 70ern noch trug, als sie mich auf Platt ausschimpfte. Der „Türban“, also ein Tuch, welches die Haare komplett verbirgt und der Vollschleier, der regional unterschiedlich Hidschab, Çarşaf, Tschador oder Parda genannt wird. Als letzte Variante liefen ca. 70% aller Türkinnen gänzlich unverschleiert durch die Stadt.

Was mir auffiel war, dass im Gegensatz zu meinem letzten Besuch die Zahl der Trägerinnen der lockeren Variante abgenommen hatte, dafür viele, vor allem junge Frauen, jetzt den „Türban“ tragen. Die Zahl der Vollverschleierten hat meiner Meinung nach nicht zugenommen und die, die ich sah waren Touristinnen aus der arabischen Welt.

Meine Einschätzung ist, dass die jungen Frauen mittlerweile selbstbewusster zu ihrer Religion stehen. Zur Erinnerung: die Türkei ist zwar ein islamisches Land aber seit der Gründung der Republik besteht ein rigoroser Laizimus, der sich in der Verbannung religiöser Symbole aus dem öffentlichen Leben ausdrückt. Erst in den vergangenen Jahren, vor allem durch die Regierung Erdoĝan, wurden die strengen Gesetze zur Trennung von Staat und Islam gelockert.

In der Türkei und in anderen islamischen aber weltlich-autoritär regierten Ländern gelten das Kopftuch und andere Symbole des Glaubens als Zeichen des Widerstands gegen die Unterdrückung. Wahrscheinlich bald auch in Europa.

Istanbul: Europa, here we come

Stimmungen sind schwer zu beschreiben. Zumindest für so einen Hobby-Schreiberling wie mich. Wenn ich an Istanbul zurück denke, ist meine erste Assoziation “Aufbruch“. Wohin, kann ich schwerlich sagen. Aber nach allem, was man so liest, ist die Türkei schwer im Kommen. Wirtschaftlich, politisch und kulturell. Dabei kam mir die Stadt noch mehr wie eine europäische Metropole vor als beim letzten Besuch vor zwei Jahren. Vielleicht hatte es mit dem „Europäische Kulturhauptstadt“-Status zu tun oder mit dem Referendum, mit dem das Land endgültig das Erbe der Militärdiktatur abschütteln wird.

Auf jeden Fall geht es rund am Bosporus. Die EU wäre meiner Meinung nach gut beraten, die Beitrittsverhandlungen zügig und positiv voran zu treiben, denn sonst könnte es sein, dass wir von der Verlagerung der Machtzentren in Richtung Osten abgehängt werden.

Istanbul/Side: Arbeit ist 80% des Lebens, der Rest ist Schweigen

In unserem Hotel in Side waren die Servicekräfte und auch der Rest des Personals durch die Bank freundlich und zuvorkommend. Am ersten Tag wurde uns von einer netten jungen Frau Begrüßungsgetränke serviert. Das war etwa um 12 Uhr mittags. Am Abend saßen wir noch etwas in der Lobby und testeten das „All Inclusive“-Angebot aus (siehe nächster Teil). Es bediente uns – die gleiche Frau. Mittlerweile war es ca. 22 Uhr.

Das fiel mir auf und ich sprach meine Freundin D. darauf an. D. ist Türkin. Lapis sind diesmal mit ihr und ihrem, deutschen, Ehemann M. verreist. D. hat häufig gedolmetscht und ich verstehe sie fast so gut wie Lapis.

D. erzählte, dass die Mitarbeiter in den Touristenhotels häufig Schichten von 10 – 12 Stunden haben. Die Entlohnung ist mager, aber trotzdem zieht die Tourismus-Industrie viele junge Türken aus den umliegenden Regionen nach Side, weil es dort Arbeit gibt, im Gegensatz zu ihren Heimatdörfern. Trotzdem: Ich kam mir so ausbeutend vor