Was hatte Erdogan bei den Feierlichkeiten in Paris zu suchen?

Von Gastautor Albrecht Künstle

Was hatte Erdogan bei den Feierlichkeiten in Paris zu suchen?

Was hatte Erdogan bei den Feierlichkeiten in Paris zu suchen?

– wer hat diesen Kriegstreiber eigentlich eingeladen?

– teilte er die Freude am Ende des 1. Weltkrieges?

Wer im Fernsehen die Feierlichkeiten zum Ende des 1. Weltkrieges verfolgte musste feststellen, dass unter den Staatsgästen in vorderster Front auch der Herrscher über echte und Deutsch-Türken Erdogan zu sehen war. Wer lud diesen Kriegstreiber ein, der weiterhin Krieg gegen Kurden im eigenen Land führt und dessen Truppen im Norden Syriens und des Irak eingefallen sind und ihr Unwesen treiben. Mit versteinerter Mine war er zu sehen, als ob er in seinem Kopf Revue passieren ließ, welche Rolle sein osmanisches Reich damals spielte, das er am liebsten wieder auferstehen lassen will.

Das Deutsche Kaiserreich und das Osmanischen Reich verbanden wirtschaftliche Beziehungen, und schon 1913 unterstützte eine deutsche Militärmission den osmanischen Kriegsminister Enver Pascha in der Stärkung seines Heeres. „Kaiser Wilhelm II. betrachtete sich, seit er 1898 das Osmanische Reich besucht hatte, selbst als Beschützer sämtlicher Muslime.“ (bpb vom 1.9.2014) Diese ideologische Nähe zum Islam war übrigens auch Adolf Hitler eigen. Das strategische Ziel Kaiser Wilhelms deckte sich auch bestens mit dem islamischen Imperialismus seit Muhammad. Die Ostpolitik Wilhelms basierte auf dem Bestreben, geopolitisch in Konkurrenz zu den anderen Großmächten zu treten. „In Gelehrten-, Industrie- und Bankenkreisen kursierten Vorstellungen, die muslimischen Völker würden nur darauf warten, durch deutschen Fleiß, deutsches Wissen … zu neuer Macht und Blüte zu gelangen.“ (bpb siehe oben). Heute wissen wir, dass der Islam anders tickt und alle solche Versuche vergebens sind. Aber damals war sich die deutsche Elite und die Skrupellosigkeit der Osmanen einig.

Im August 1914 kam es deshalb zur Vereinbarung einer Waffenbrüderschaft, und im Oktober trat das Osmanische Reich in den Weltkrieg ein. Und wie es nicht anders sein konnte, erklärte der politische Vorfahre Erdogans den Kampf gegen die Ententestaaten zum „Heiligen Krieg“. Im November 1914 verkündete Scheich ül-Islam von Konstantinopel den „Dschihad“, mit dem die deutsche Propagandatätigkeit in der islamischen Welt begann. Dem wurde alles untergeordnet, wie uns die Geschichte lehrte:

Beispiel, die Meerenge zwischen der europäischen Halbinsel Gallipoli und dem vorderasiatischen Canakkale, am westlichen Ende des Marmarameeres – die Dardanellen. Der deutsch-türkische Versuch, den Minengürtel der britischen und französischen Flottenverbände zu durchbrechen, Konstantinopel einzunehmen und ins Schwarze Meer vorzustoßen, missglückte nach langen Kämpfen und Gefechten. Aber nach monatelangem Stellungskrieg mit 100.000 Toten und 250.000 Verwundeten gelang es den osmanischen Truppen im Januar 1916 unter deutschem Kommando, Gallipoli wieder unter osmanische Kontrolle zu bringen.

Das ist übrigens jene „siegreiche Schlacht“, die türkische Kinder in „deutschen“ DiTiB-Moscheen nachstellen mussten. Und vielleicht grübelte Erdogan bei der Feier in Paris, wie es komme, dass in Deutschland Anstoß genommen wird an solchen Siegesfeiern eines Gemetzels, der von islamischen Herrschern immerhin als „Heiliger Krieg“ ausgerufen war. Schließlich war es auch eine für die Deutschen wenigen Siege. Aber wir wissen halt nicht, wie koran-geprägte Hirne ticken.

In den Jahren 1915 und 1916 kam es dann im Schatten jenes Krieges auch zum Völkermord der Osmanen, dem rund eine Million christliche Armenier zum Opfer fielen. Und Reichskanzler Hollweg kommentierte diesen mit den Worten „Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darob Armenier zugrunde gehen oder nicht“. Schon damals gingen Westmächte in der Kooperation mit islamistischen Regimen über Leichen. Aber jene überboten uns schon immer. Im Winter 1914/15 warnten deutsche Militärs Enver Pascha vor dem geplanten Feldzug in den Kaukasus. Dieser endete in einem Debakel, der Vernichtung der 3. osmanischen Armee – der Pascha überlebte, wie auch Erdogan bisher alle Kriegshandlungen überlebte.

Die türkisch-deutsche Allianz zerbrach nicht mit dem Ende des 1. Weltkrieges, sondern vorher Ende 1917. Damit scheiterte auch der gemeinsame Plan, verlorene Gebiete des Osmanenreiches an der nördlichen Mittelmeerküste zurückzuerobern. Aber 100 Jahre später lebte die Allianz unter anderen Vorzeichen wieder auf. Es kommt bei internationalen Anlässen selten vor, dass die Kanzlerin Merkel und Erdogan weit auseinander sind. Aber die französische Regie sorgte dafür, dass es in Paris immerhin etwa drei Meter waren.


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