Warum wir uns für Baby-Led-Weaning entschieden haben

Die Entscheidung zum Baby-Led-Weaning, kurz BLW genannt, war bei uns eigentlich gar keine richtige Entscheidung. Es war einfach irgendwie klar. Unser Bild von unserer Familie war, noch bevor wir ernsthaft versuchten ein Kind zu bekommen, eines von allen Familienmitglieder am Tisch. Okay, Haustiere ausgenommen.

Nicht umsonst haben wir einen riesigen Küchentisch, der zwar meist zu 50% vollgestellt ist mit Post und irgendwelchem Krempel, aber auch das war irgendwie mit eingeplant.

Nun kam auf Instagram die Frage, warum ich mich denn „gegen Brei“ entschieden habe. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Mann kann ich dazu sagen: WIR haben uns FÜR breifrei entschieden.

Ich selbst bin nahezu komplett breifrei aufgewachsen, meine Mutter (korrigiere mich, falls ich das falsch abgespeichert habe) hat mich ein volles Jahr gestillt. Es gibt nur wenige Babyfotos von mir, auf denen ich Brei bekomme. Die Geschichten und Bilder meiner Kindheit ranken sich um genüsslich in der kleinen Faust zerquetschte Kartoffeln und die Phasen, in denen ich nur Eier essen wollte. Oder auf keinen Fall Eier essen wollte. Von der Pizza mit Hack und Knoblauch, von der ich mich übergeben musste – und dem im Rückblick amüsierten Kommentar meiner Mutter: „Du wolltest die Pizza so sehr!“

Eine klare und natürliche Entscheidung

Für mich war also schon immer klar, dass Brei für die Ernährung meines Kindes keine Rolle spielen würde. Dazu kommt natürlich, dass wir uns (wenn auch leider derzeit ziemlich inkonsequent für unsere Verhältnisse) immer noch Paleo / LCHF ernähren. In so eine naturnahe Ernährung, die viel Wert auf selbermachen und wenig verarbeitete Nahrung legt, passen Gläser mit Monatsangaben einfach nicht so richtig rein.

Aber wenn ich eines gelernt habe in meinem ersten halben Jahr als Mutter, so ist es, dass Dinge doch oft anders kommen als wir sie uns so vorstellen, daher sind wir immer flexibel und weiterhin nicht dogmatisch unterwegs. Zum Glück ist das Bild unserer Familie am Essenstisch, fast jeden Abend und in der Hälfte der Woche auch beim Frühstück, das Bild, was wir im Kopf hatten.

Unser Kind liebt essen, und es will das essen, was wir essen. Wenn ich ihm Pastinaken-Sticks weich gekocht, hinlege, will er die knusprigen Bratpastinaken von unserem Teller. Ja, mit Remoulade. Oder ich gebe ihm den Mangokern, wenn ich Mangoquark mache. Vorher in den Kühlschrank gelegt, hilft er sogar nebenher noch ein bisschen beim Zahnen.
Warum wir uns für Baby-Led-Weaning entschieden haben

Unsere „Faulheit“

Dazu kommt: Ich habe mal versucht, ihm Joghurt zu füttern, und wenn wir mit ihm irgendwo auswärts essen, füttere ich ihn oft auch. Das ist anstrengend – so komme ich gar nicht zu meinem eigenen Essen, das wird immer kalt! Also müsste ich dem Baby, wenn ich ihn füttern wollte, den Brei vorher geben. Oder nachher. Was ein Aufriss! So bekommt er meist mittlerweile das wir essen. Gut, wenn die Putenschnitzel noch mit etwas Weißwein abgelöscht werden, schneiden wir vorher etwas Pute in Streifen, braten sie und nehmen sie vor dem würzen und ablöschen aus der Pfanne.

Warum wir uns für Baby-Led-Weaning entschieden habenJoghurt und andere weiche Konsistenzen isst er selbst mit einem kleinen Löffel. Ja, da geht jede Menge daneben. Das räumt Papa auf, während ich das Baby dann (einschlaf)stille. Denn nach dem Essen ist vor dem Essen, und der Milchhunger immer richtig groß. Wir haben auch für Wasser auf den Kauf einer Schnabeltasse verzichtet, sondern eine Doidy Cup gekauft. Die ist etwas angeschrägt, so dass das Baby besser sehen kann, wie die Flüssigkeit fließt. Funktioniert mit Assistenz ganz prima.

Da auf unserem Tisch diese fancy Silikontellerchen nicht halten, benutzen wir eine Silikonunterlage, die wir dem Kater geklaut haben. Die ist schön breit, hat einen Rand, und fixiert wird sie mit Studioklemmen, die wir aus meinem derzeit stillgelegten Studio geklaut haben.

Auf dem Sitz liegt ein Küchenhandtuch, das sich leicht wechseln lässt – nachdem wir das erste Mal die Erfahrung machten, wie hartnäckig Bananenstücke an Textilien haften.

Warum wir uns für Baby-Led-Weaning entschieden habenLätzchen benutzen wir recht selten – meist ziehen wir das Baby ohnehin mehrmals täglich um, zum draussen rumtragen Wolle-Seide und drinnen eben normale Baumwollbodies. Vor ein paar Tagen hatten wir das erste Mal rote Bete, seit das Baby mit uns isst, also habe ich ihm einen beerenfarbenen Body angezogen, Problem gelöst. Wenn es doch mal ein Lätzchen gibt, dann mag ich diese zum über-den-Kopf ziehen aus Frottee, die gibt’s für kleines Geld bei DM.

Anfangs haben wir immer einen Waschlappen nassgemacht, um Gesicht und Hände zu reinigen, mittlerweile machen wir aber auch hier eine größere Menge. Ähnlich wie die selbstgemachten Feuchttücher am Wickeltisch bewahren wir einfach fertige Waschlappen in einer Box auf. Dafür legen wir eine große Menge der beliebten IKEA-Waschlappen in eine Box, vermischen ca 1TL Zitronensäure und 1 TL Mandelöl mit abgekochtem Wasser, gut durchrühren, drübergießen, fertig.

die Vielfalt

Ansonsten ist natürlich immer die große Frage, was man dem Kind so geben kann und was nicht. Standardwerke und Kinderärzte würden beim Paleo-Ansatz (weiches Eigelb, rohe Leber vorgekaut) vermutlich die Krise kriegen. Auch Milchprodukte sind groß umstritten – auch wenn ich immer wieder höre, dass auch bei Kinderärzten die Empfehlung, bis zu 200ml Muttermilch ruhig durch Kuhmilch zu ersetzen, immer noch verbreitet ist.

Unser Kind trinkt tatsächlich weiterhin nur Muttermilch, bekommt aber selbstgemachten Joghurt, den wir mit Milchkefirknollen herstellen. Er isst auch Käse, Frischkäse und derlei. Wir salzen das Essen nicht zu stark, aber wenn etwas Salz enthält, sparen wir uns die Panik. Meist schmeckt dem Kind das Gemüse mit einer Prise Meersalz auch besser, wer kann’s ihm übelnehmen.

Bisher hat unser Baby, zum Zeitpunkt dieses Artikels 6,5 Monate alt, folgende Lebensmittel probiert:

Brokkoli, Blumenkohl, Pastinake, Karotte, Rucola, Spinat, Pilze, rote Bete, Fenchel, Süßkartoffel, Tomate, Fenchel, Pute, Rinderhack, Käse, Frischkäse, Joghurt, Quitten-Apfel-Kompott, Kartoffel mit Sour Cream, diverse Kürbisse, Mango, Clementine, Grapefruit, Lachs, Salami, Wiener Würstchen, Mandelmus, Erdnussmus, Schlagsahne, Halloumi, Reis, Krupuk, Lizza mit Belag, Gurke, Kochschinken, Mangold, Rührei, Steakstreifen.

und die Selbstbestimmtheit unseres Kindes

Denn: BLW definiert sich nicht über die Konsistenz des Essens, sondern eigentlich über die selbstbestimmte Auswahl und vor allem der Idee, dass Muttermilch oder Pre-Nahrung im ersten Lebensjahr die primäre Nahrung für Säuglinge sein sollen. Auf englisch heißt’s „Food before one is just for fun“ – also, im ersten Lebensjahr soll/muss feste Nahrung lediglich dem Entdecken der Lebensmittel und der Allergieprävention dienen, nicht jedoch Milchmahlzeiten ersetzen. WIE genau das passiert, ob mit Brei oder Fingerfood oder einer Mischung ist egal. Breifrei ist aber nochmal eine andere Geschichte, und mir besonders wichtig, denn ich finde das Konzept, gefüttert zu werden unerträglich. Zusätzlich zu dem Zeitfaktor und unserem Bedürfnis, mit der ganzen Familie Mahlzeiten einzunehmen, ist es also auch eine psychologische Sache. Ich möchte, dass mein Kind Nahrungsmittel in den uns bekannten Zubereitungsarten kennenlernt, die Textur erleben, den Geschmack verschiedener Gewürze erleben, Röstaromen und so weiter. Auch soll er selbst bestimmen dürfen, wieviel er essen möchte.

Warum wir uns für Baby-Led-Weaning entschieden haben Warum wir uns für Baby-Led-Weaning entschieden haben

Dazu kommt dass die klassische deutsche Möhrenbrei-Variante und dann folgend wohl Getreidemilch-Breie die Verdauung ziemlich lahm legen. Viele Babys bekommen bei Beikostart plötzlich Verstopfung, und dann wird in Foren gefragt was man denn dagegen tun kann… meine Antwort wäre: Was anderes zu essen geben, aber naja. Das bin ich. 🙂

Für uns ist einfach klar, dass unser Kind erstmal nichts essen wird, was wir nicht auch essen, und bis auf wenige Ausnahmen (Honig, Scharfes etc.) alles essen und probieren darf, was wir essen. Und natürlich wird die Frage kommen, was denn späääter ist, wenns in der Kita Kuchen gibt. Dann gibts halt in der Kita Kuchen. Oder Süßigkeiten beim Kindergeburtstag. Das liegt dann nicht in unserem Entscheidungsbereich. Aber da wir nicht einmal auf der Warteliste für einen Kitaplatz stehen, wird sich die Frage ohnehin nicht so bald stellen.

Und Ihr?

Ich habe mich heute also auf meinen Hintern gesetzt und während der wenigen Nickerchen, die das Kind heute bereit war zu machen, mal runtergeschrieben, wie wir das so machen. Hauptsächlich, weil eben die Frage danach kam. Ich finde es jedoch wichtig zu erwähnen, dass es wirklich jede Familie so machen muss, wie es passt. Und es gibt sicher Kinder, die sich auch gern füttern lassen, und Familien, bei denen gemeinsame Abendessen aufgrund der Arbeitszeiten nicht drin sind, oder oder.

Wer sich wegen BLW und/oder breifrei noch nicht sicher ist, kann sicher „Einmal breifrei, bitte!“ von Loretta Stern und Eva Nagy hilfreich finden.


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