Warum nur, warum???


Warum nur, warum???

Quelle: Helmut Mühlbacher


Ihr Lieben,
heute möchte ich Euch eine Geschichte von Gertrud Weidinger zu lesen geben, nacherzählt von Peter Graf v. Eysselsberg:
„Ich lache mit ihnen“
"Es war im Oktober 1982. Wieder einmal musste ich eine erkrankte Kollegin in einer zweiten Klasse vertreten. Ich kannte die Kinder gut. Mit einem Spiel wollte ich den Vormittag beginnen, da stutzte ich - diesen Jungen dort in der zweiten Tischreihe hatte ich hier noch nie gesehen.
Ich erschrak, als ich ihn genauer betrachtete: Er war klein, dürr, ganz blass und er hatte kaum Haare auf seinem Kopf
„Wie heißt Du denn? Ich kenne Dich ja gar nicht!“ fragte ich nach einigen Augenblicken des Schweigens. „Patrick“, antwortete er mit einer dünnen, hohen, aber fröhlichen Stimme. 

Warum nur, warum???

Quelle: Raymonde Graber


„Aha, Du bist offensichtlich neu in dieser Klasse?“, fragte ich.
„Nein, Ich bin schon immer in dieser Klasse gewesen!“, entgegnete der Junge.
Ich wollte nicht weiterfragen. Wir arbeiteten fleißig. Meine Gedanken aber kreisten um Patrick.
 
Was war mit diesem Kind los? War es krank? War es umgezogen gewesen, oder, oder, oder...?
„Wir gehen in die Sporthalle!“ rief ich am Ende dieser Stunde. Das war ein Hallo!
Leitern wurden aufgestellt und eine dicke Matte darunter gelegt.
Leichtfüßig und schnell wie ein kleiner Schimpanse kletterte Patrick auf die Leiter, um sich dann mit einem lauten fröhlichen Schrei herunterplumpsen zu lassen.

Plötzlich kam er auf mich zu und sagte mit heiterem Gesicht:
„Ich höre jetzt auf. Ich darf mich nicht überanstrengen!“
Erstaunt setzte ich mich zu ihm auf eine kleine Bank. 

Warum nur, warum???

Quelle: Helga und Gerd Steuer

Da erzählte er: „Wissen Sie, ich war ein halbes Jahr lang im Krankenhaus. Und da drunter“ - er deutete auf sein T-Shirt, aus dessen Ausschnitt ein Pflaster herausschaute – „da sitzt immer noch ein Gummischlauch, der in den Körper hineinoperiert ist. Der tut gar nicht weh! Und wissen Sie, warum ich den Schlauch habe? Weil ich nämlich den Krebs gehabt habe, den Krebs im Bauch, wissen Sie. Da war ein dickes, hartes Geschwür, so groß wie eine Männerfaust. Das haben die im Krankenhaus herausgemacht. Ich habe danach lange nichts mehr essen dürfen. Zum Schluss bin ich jeden Tag bestrahlt worden, davon sind meine Haare ausgegangen. Aber die wachsen wieder nach!“ beteuerte er mit einem Lachen in der Stimme.

Warum nur, warum???

Quelle: Astrid Müller


Betroffen saß ich neben Patrick. Inzwischen stand die ganze Klasse um uns herum.
„Aber wissen Sie, was das Schönste ist? Ich muss nur einmal in der Woche ins Krankenhaus zum Blutabnehmen. Danach darf ich gleich wieder heim. Die anderen Kinder nämlich, die auch so was haben, dürfen nicht heim, und die haben ganz viele Schmerzen. Wenn ich im Krankenhaus bin, besuche ich sie immer und lache viel mit ihnen und ermutige sie, dann geht es ihnen viel besser.

„Patrick schaute mich mit seinen warmen, braunen Augen an und lachte fröhlich.
„So, jetzt kann ich wieder klettern und hüpfen!“ –

Im Juli 1984 ist Patrick im Alter von fast elf Jahren an seiner Krankheit gestorben. Während der letzten drei Wochen seines Lebens war er zu schwach, die Schule zu besuchen. Warum nur, warum???Zwei Jahre hat er mit sich gekämpft: „Ihr braucht nicht mehr zu kommen, ich sterbe bald.“, schrieb er seinen Klassenkameraden.
Vor dem offenen Kindergrab spürte jeder: Hier gibt es keine Lösung. Hier kann der Mensch nicht mehr weiter. Der Mensch ist nicht Herr der Welt.
Am folgenden Tag habe ich mit den Kindern geredet, sie sagten: „Wenn ich mich an Patrick erinnere, dann ist es, wie wenn er daneben stünde ...“ Warum nur, warum???

Ihr Lieben,
mich berührt diese Geschichte tief in meinem Herzen, denn sie zeigt mir, wie wichtig das ist, was wir tun.

Du und ich, wir sind vielleicht nicht dazu berufen, die Welt umzukrempeln oder so Einfluss auf die Welt zu nehmen wie Mahatma Gandhi oder Mutter Theresa, aber wir sind wie der kleine Junge dazu auserwählt, andere Menschen anzufeuern, sie zu ermutigen, ihnen unsere Liebe zu schenken.

Andere Menschen zu ermutigen, andere Menschen auf ihrem Weg zu ihrem Ziel anzufeuern, andere Menschen zu lieben, das ist der größte Dienst, den wir anderen Menschen tun können.
 
Warum nur, warum???Ich muss heute sehr viel an meinen Jugendfreund Hans-Christoph denken, weil ich in diesen Tagen wieder einmal an seinem Grab gestanden habe.
Mit seiner äußerst schweren Asthmaerkrankung wäre es mehr als verständlich gewesen, wenn er sich nur mit sich selbst beschäftigt hätte, aber genau das Gegenteil tat er:

Er schenkte mir seine Freundschaft, als niemand mit mir befreundet sein wollte.
Er tröstete mich, als ich misshandelt und missbraucht wurde.
Er entzündete in mir die Flamme der Freude, obwohl ich sonst nichts zu lachen hatte.

Warum nur, warum???

Ein zukünftiges Buch von mir


Er zeigte mir, wie schön die Welt, die Natur, die Musik, das Theater, die Literatur sind und half mir so über viele schmerzhafte Augenblicke hinweg.
 
Er schenkte mir Hoffnung und Zuversicht, als eigentlich nichts zu hoffen war.
Er lehrte mich, NIEMALS AUFZUGEBEN, als ich aufgrund von schwerem sexuellem Missbrauch an Selbstmord dachte.
Warum nur, warum???
Er zeigte mir die Kraft der Liebe, die Kraft der Vergebung, ohne die alles Leben öde und trist ist.

Er war ein fünfzehnjähriger Junge, klein, dürr, blass und schmächtig wie der Junge aus unserer Geschichte und dennoch war er der wertvollste Mensch, der mir je begegnet ist und alles, was ich an Gutem in meinem Leben gelernt habe, habe ich durch ihn gelernt.
 
Hans-Christoph war kein Mahatma Gandhi, aber dass ich heute, 50 Jahre danach, immer noch der Meinung bin, er war der feinste Mensch, ja vielleicht sogar ein Engel Gottes – das ist wohl die beste Auszeichnung für ihn und sein Handeln.
Wenn ich in den Jahren, die ich noch zu leben habe, etwas erreichen möchte, dann dies:
Ich möchte ebenso wie Hans-Christoph wegsehen von mir selbst, von dem, was mich bedrückt, was mich an körperlichen Beschwerden hindert, und mich ganz den Menschen in meiner Umgebung zuwenden und die Fackel der Liebe, der Freude, der Zuversicht und der Hoffnung in diese Welt hineintragen.
Anderen Menschen und mir Freude zu bereiten, das ist das Größte für mich!

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch heute einen fröhlichen Tag und grüße Euch herzlich aus dem frostigen Bremen

Euer heiterer Werner 

Warum nur, warum???

Quelle: Karin Heringshausen



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