Warum links sein und Laizismus zu einander gehören

Gastbeitrag von Ralf Michalowsky

Laizisten sind nicht per se Atheisten, auch rich­ten sich lai­zis­ti­sche Forderungen nicht gegen Religionen an sich.

Ralf Michalowsky, Foto: Evelin Frerk

Ralf Michalowsky, Foto: Evelin Frerk

Fangen wir doch mal ganz von vorn an. Die Omnipotenz reli­giö­ser Symbole und Handlungen in der Öffent­lich­keit prägt die Gesellschaft, las­sen Religion fast zur Selbstverständlichkeit wer­den. Kreuze in Kindergärten, Schulen, Rathäusern, Gerichtssälen, Trauerhallen und weiß Gott wo noch , zeu­gen von dem Versuch all­ge­gen­wär­tige reli­giöse Präsenz zu zei­gen. Ratshauseinsegnungen, reli­giöse Eidesformeln, Gottesbezüge in den Verfassungen, Schulgebete, Schulmessen sol­len Normalität erzeu­gen.

Mit die­sem Klima soll Akzeptanz erzeugt wer­den, Zustimmung zur Militärseelsorge, für die der Staat jähr­lich 30 Mio. Euro bezahlt. Zustimmung zur staat­li­chen Gehaltszahlung an Bischöfe und Kardinäle in Höhe von 286 Mio. Euro pro Jahr. Zustimmung zu Sonderrechten, die aus dem Status “Körperschaft des öffent­li­chen Rechts” ent­ste­hen: Kirchen zah­len keine Gerichtsgebühren, keine Grundsteuer, kön­nen die Mitgliedsbeiträge vom Staat als Kirchensteuer ein­trei­ben las­sen, haben es erreicht, dass kos­ten­träch­tige Behördengänge erfor­der­lich sind um die Kirchenmitgliedschaft zu been­den usw. Politik und Kirchen spie­len da Hand in Hand. Kirchliche Kitas erhal­ten höhere Landeszuschüsse als kom­mu­nale Einrichtungen.

Das kirch­li­che Arbeitsrecht, ohne Betriebsrat, ohne Streikrecht und ohne Tarifrecht hat der­zeit sogar vor Gerichten Bestand. Diskriminierung (Entlassung bei Wiederheirat) von kirch­lich Beschäftigten ist gang und gäbe.

Die oben geschil­derte Schaffung von “reli­giö­ser Normalität” kon­fron­tiert auch nicht­gläu­bige Menschen und dämmt den Widerstand gegen kon­krete Benachteiligung ein. Mit ste­tig stei­gen­dem Ansehensverlust der Kirchen, mit immer mehr Kirchenaustritten schwin­det aber auch die Macht der Kirchen. Eingriffe in unser täg­li­ches Leben wer­den so immer frag­wür­di­ger.

Wenn Homophobie, die Sanktionierung ande­rer Lebenspartnerschaften (als die Kirche sie will) und das Verbot der Wiederverheiratung sowie die Frauenbenachteiligung gesell­schaft­lich geäch­tet wer­den, sinkt die Macht der Kirche. Es ist hoch­gra­dig demo­kra­tie­feind­lich, wenn Menschen aus reli­giö­sen Motiven benach­tei­ligt wer­den, weil ein Gott das angeb­lich so will.

Nehmen wir nur das Blasphemiegesetz, den § 166 StGB “Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen”. Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren dro­hen dem­je­ni­gen, der “den Inhalt des reli­giö­sen oder welt­an­schau­li­chen Bekenntnisses ande­rer in einer Weise beschimpft, die geeig­net ist, den öffent­li­chen Frieden zu stö­ren”. Gern wird die Bedeutung die­ses Gesetzes miss­braucht. Angeblich wäre nur dadurch die Strafverfolgung der Schändung jüdi­scher Friedhöfe mög­lich. Das ist völ­lig falsch! Dafür gibt es den eige­nen § 168 “Störung der Totenruhe”. Zum Bedauern der Religionsvertreter kommt das Wort Religion in die­sem Gesetz aller­dings nicht vor.

Der § 166 ist ein Repressionsinstrument zum Schutz der Kirchen und ihrer Lehren. Wer den öffent­li­chen Frieden stört, kann auch auf der Grundlage ande­rer Gesetze bestraft wer­den. Auf etwas zu schimp­fen ist nor­ma­ler­weise nicht straf­bar, hier genie­ßen Religionen eine Sonderstellung – warum eigent­lich?

Nehmen wir die öffent­li­che Zurschaustellung des gekreu­zig­ten Jesus. Niemand käme auf die Idee jeman­den auf einem elek­tri­schen Stuhl oder am Galgen an die Wand zu hän­gen, um ihn zu ver­eh­ren. Doch schon Kleinkinder wer­den mit die­sem Folter- und Tötungsinstrument kon­fron­tiert. Religion soll so früh wie mög­lich und schlei­chend zur Normalität wer­den.

Nehmen wir die staat­lich finan­zierte Militärseelsorge. 30 Mio. Euro pro Jahr lässt der Staat sich das kos­ten. 100 katho­li­sche und 100 evan­ge­li­sche Pfarrer und Priester sowie je ein Bischof nebst Behördenapparat, bie­ten seel­sor­ge­ri­sche Gespräche an. Einer Bundeswehrstudie zufolge machen davon aber nur 1 % der Soldaten mit Gesprächsbedarf Gebrauch. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese “Seelsorger” im Militärapparat fest ver­an­kert sind. Uniformen, mili­tä­ri­sche Dienstgrade und mili­tä­ri­sche Gehorsamspflicht spre­chen eine deut­li­che Sprache. Tatsächlich sind die Militärseelsorge, das Segnen von Waffen und Soldaten, die Präsenz der Kirche, flan­kie­rende Massnahmen zur Förderung der Kriegsbereitschaft der Menschen. Schon immer hat die Kirche an der Seite der Mächtigen gestan­den – das war im Dritten Reich so und ist es auch heute. Im zwei­ten Weltkrieg haben deut­sche und fran­zö­si­sche Priester den Soldaten ver­si­chert, dass sie mit Gottes Segen gegen­ein­an­der für die rich­tige Sache kämp­fen. Einfach nur krank!

Wer links denkt kann es nicht tole­rie­ren, dass repres­sive Strukturen die gesamte Gesellschaft beein­träch­ti­gen. Sie sind demo­kra­tie­feind­lich, weil sie Menschen zu bestimm­ten Einstellungen und Handlungen zwin­gen. Wenn jemand frei­wil­lig an einen Gott glaubt, dann ist das zu tole­rie­ren. Warum aber wer­den an den Glauben Bedingungen geknüpft, durch die Menschen Nachteile erfah­ren, wenn sie diese Bedingungen nicht ein­hal­ten?

Was alle mono­the­is­ti­schen Religionen eint, ist die Reihenfolge der Gebote. Auf Platz 1 steht “Du sollst keine ande­ren Götter neben mir haben” und erst auf Rang 5 steht “Du sollst nicht töten”. Schon daran sieht man, was den Religionen und ihren Schöpfern wich­tig ist.

Ralf Michalowsky ist Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Laizismus in der LINKEN und Sprecher der LAG Laizismus NRW

[Über­nahme von: Die Freiheitsliebe]


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